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Havanna, 8 Mai 2014

 

Nicht landwirtschaftliche Genossenschaften in Kuba: aus einem Experiment wurde eine Neuheit in Kuba

Livia Rodríguez Delis

In den letzten Monaten wuchs auf der Insel die Anzahl der nicht landwirtschaftlichen Genossenschaften, eine Modalität, die sich bereits ausdehnt und anschickt, den Wirtschaftszweigen des Karibiklandes Dynamik und Effizienz einzuimpfen.

Gegenwärtig gibt es in Kuba 452 Vereinigungen dieser Art in den Bereichen Handel, Gastronomie und Service, Bauwesen, Transport, Industrie und Nahrungsmittelindustrie. Vor Kurzem wählten auch die Bereiche Energie und Buchhaltung dieses Geschäftsmodell.

Die Geschichte verzeichnet die Schaffung der ersten Genossenschaft im Jahr 1884, als 28 Textilarbeiter in Rochdale, England, eine Einrichtung gründeten, um den Zugang zu Lebensmitteln zu erleichtern.

Die Arbeiter kauften zu Großhandelspreisen Zucker, Mehl, Salz und Butter und verkauften diese später zu niedrigeren Preisen als den auf dem Markt üblichen. Die Vereinigung stützte sich auf den freiwilligen Ein- und Austritt, demokratische Kontrolle, politische, die Rassen betreffende und religiöse Neutralität; Barverkauf; Zurückgabe von Überschüssen; begrenzte Kapitalzinsen und ständige Weiterbildung.

Von diesem Moment an wurde der Aufschwung dieser Bewegung offensichtlich, dessen größter Boom nach der Gründung der International Co-operative Alliance (ICA) in Europa im Jahre 1895 zu verzeichnen war.

Heute wird geschätzt, dass es auf der Welt 750.000 Genossenschaften gibt, die mehr als 800 Millionen Menschen umfassen, was über 12 % der Erdbevölkerung ausmacht.

Angaben der ICA weisen aus, dass die Genossenschaften gegenwärtig Serviceleistungen für jeden zweiten Erdbewohner erbringen und die 300 wichtigsten der Welt mit über zwei Billionen Dollar bewertet werden.

Kuba verfügt über eine Erfahrung von fast einem halben Jahrhundert mit dieser Art von Vereinigung, zunächst mit der Entstehung der Genossenschaften für Kredit und Dienstleistungen, im Jahr 1960, später der Genossenschaft der Landwirtschaftlichen Produktion und danach im Jahr 1993 der Grundeinheiten der Genossenschaftlichen Produktion, die alle dem landwirtschaftlichen Bereich angehören.

Dieser auf internationaler Ebene anerkannte Erfahrungsreichtum hat es der Insel ermöglicht, dem Lateinamerikanischen Netz des Genossenschaftswesens zu präsidieren, einer Organisation, die diese Modalität auf dem Kontinent zusammen mit der Konföderation der Genossenschaften der Karibik und Mittelamerikas sowie anderen Einrichtungen fördert.

Mit der Ausdehnung des Kooperativismus auf andere Wirtschaftsbereiche beabsichtigt Kuba, diese Kenntnisse aus über 50 Jahren auf andere Bereiche des Lebens des Landes zu übertragen.

Zweifellos nehmen die Genossenschaften als organisierte Alternative der Selbstverwaltung einen wichtigen Platz in der Aktualisierung des kubanischen Wirtschaftsmodells ein.

Davon zeugt das vom 6. Parteitag der Kommunistischen Partei Kubas beschlossene Programm, in dem außer dem sozialistischen Staatsbetrieb auch der Kooperativismus anerkannt und gefördert wird, aufgrund der Notwendigkeit, die Verwaltung des Staates zu dezentralisieren, um eine größere Effektivität zu erreichen.

Außerdem stehen ihre Grundprinzipien in keinem Widerspruch zur sozialistischen Gesellschaft: offene und freiwillige Mitgliedschaft, demokratische Kontrolle und wirtschaftliche Beteiligung der Mitglieder, Verpflichtung gegenüber der Gemeinschaft, ihre Autonomie und Unabhängigkeit, was ein Klima der gegenseitigen Hilfe, Verantwortung, Demokratie, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität ermöglicht.

CONFECCIONES MODEL: EINE KUBANISCHE INITIATIVE DER BETEILIGUNG

Seitdem es zu einer Genossenschaft wurde hat sich die Funktionsweise bei Konfektionen Model, einer alten Schneiderwerkstatt in der Straße San Rafael in Havanna, gewandelt.

Vor etwa einem Jahr kam bei den Beschäftigten dieser Werkstatt, die sich der Konfektion und dem Verkauf von Kleidung (hauptsächlich der traditionellen Guayabera) für kubanische Peso widmen, die Idee auf, unabhängig zu sein und sich wirtschaftlich vom Betrieb zu lösen.

„Da wir rein technisch alle Voraussetzungen hatten, um große Produktionsmengen zu bewältigen, warum sollten wir uns also nicht umwandeln und der kubanischen Wirtschaft anpassen?", sagte ihre Vorsitzende, Nancy Varela Medina, gegenüber Granma Internacional.

Um zur Genossenschaft zu werden, zählten sie auf ein erfahrenes Arbeitskollektiv, gute Nähmaschinen und ein durch seine Größe und Lage geeignetes Lokal.

„Wir waren die ersten, die ein Projekt einreichten, das wirklich großen Anklang fand; es war nicht leicht, aber wir haben es geschafft. Wir erhielten die Bestätigung von Seiten des Ministerrates und erledigten die Formalitäten in der Internationalen Anwaltskanzlei, dem Handelsregister und begannen ab dem ersten Oktober als Genossenschaft."

Nunmehr sind 41 Modeschöpfer, Schneider, Näherinnen, Zuschneider und Zeichnerinnen Genossenschaftsmitglieder, genug, um sich den großen Bestellungen für Uniformen und Guayaberas zu stellen, die sie erhalten.

Ist das Leben wie immer weitergegangen?

„Die Veränderungen sind spürbar. Vorher hatten wir ein festes Gehalt und Incentives; heute verdienen wir in Abhängigkeit davon, was wir verkaufen", stellte Nancy Varela fest, die bereits die Anstrengung spürt, selbstständig und weiterhin produktiv zu sein. „Es ist ein großer Unterschied, die Direktorin des Ateliers zu sein oder die Vorsitzende der Genossenschaft Confecciones Model."

Die Bezahlung hängt vom Gewinn ab. Das bedeutet, dass mit dem Gewinn aus dem Verkauf vom Vormonat die Beschäftigten bezahlt werden, wobei deren jeweilige Arbeitsleistung beachtet wird. Vorher müssen die wirtschaftlichen Verpflichtungen gegenüber dem Nationalbüro für Steuerwesen entrichtet werden und die Schulden gegenüber dem Betrieb, was die Miete der Räumlichkeiten, Ausrüstungen und Anlagen, sowie den Kauf von Ausgangsmaterial betrifft.

„Ein Beispiel: Die auf eine Arbeit spezialisierten Näherinnen (Guayaberas herzustellen oder Maßanzüge) haben eine andere Entlohnung als die anderen und werden je nach ihrer Kategorie bezahlt. Außerdem ist es sehr schwer, ein solch qualifiziertes Personal für Herrenschneiderei zu finden, wie wir es haben, und deshalb müssen wir es hüten."

Für Alfredo Valdés, einen 80- jährigen Herrenschneider, sind nach der Gesundheit die Schneiderei und die Musik die wichtigsten Dinge im Leben.

„Die Musik erfreut das Volk und ohne entsprechende Kleidung kann man nicht zu Geltung kommen. Der Herrenschneider ist ein Ingenieur", behauptete Alfredo, während er ein Sakko genau ausmaß.

„In Kuba gibt es sehr wenige Herrenschneider. Junge Leute müssen ausgebildet werden, denen die Schönheit eines Berufes vermittelt werden muss, den es zu retten gilt."

Obwohl er persönlich noch nicht ganz zufrieden ist, spürt Alfredo, dass das Leben sich verbessert hat, seitdem er Genossenschaftsmitglied ist. „Bisher geht es uns gut, aber der Stoff oder das Garn dürfen nicht ausgehen."

Die Unruhe des Achtzigjährigen ist gerechtfertigt. Wie die Vorsitzende der Genossenschaft ausführt, gehören zu den Schwierigkeiten, denen sie in der neuen Produktionsweise begegnen müssen, die Verfügbarkeit und die Kosten des Ausgangsmaterials.

„Wir haben einige Materialprobleme. Mittels Verträgen kaufen wir den Stoff und das Garn direkt beim Unternehmen Universal Habana - früher machten wir das beim Zwischenhändlerbetrieb. Das größte Problem ist für uns der Preis, denn in Anbetracht unseres Produktionsvolumens sind wir der Meinung, dass dies ein niedrigerer Preis sein muss als der, der den Selbstständigen geboten wird", sagt uns Nancy Varela.

Marquidia Pérez, die seit fast 20 Jahren bei Confecciones Model arbeitet, beobachtet jedoch ein anderes Alarmzeichen, das den Produktionsrhythmus stören kann.

„Die Kunden gehen sehr zufrieden mit der Qualität der Arbeit von dannen, was in hohem Maße unseren Schneidern zu verdanken ist. Aber es ist beunruhigend, dass sie sehr alt sind und der Nachwuchs nur gering. Es ist notwendig, mehr Jugendliche auszubilden, und ihnen den Wert dieser Arbeit nahe zu bringen."

„Diese neue Struktur hat uns viel Nutzen gebracht, sowohl für die Wirtschaft als auch persönlich, aber das Wichtigste ist, dass wir jetzt enger zusammenarbeiten und uns viel gegenseitig helfen, das heißt, wir arbeiten als Freunde zusammen. Wir wissen, dass unser Überleben von der Arbeit im Kollektiv abhängt, von der Verantwortung und den Entscheidungen, die wir treffen, um unsere Genossenschaft bei guter Gesundheit zu halten."
 

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