Politische Gefangene des Imperiums MIAMI 5       

     

   

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Havanna, 8 Mai 2014

 

Fernando González: „Wir waren uns dessen bewusst, dass wir dafür zahlten, Revolutionäre zu sein"

Hernando Calvo Ospina

Ich sah sie kommen. Unser Treffpunkt war auf dem Exerzierplatz, neben dem El Templete, in Alt-Havanna. Ich erwartete sie ungeduldig. Ihr Schritt war bedächtig, unbeschwert. Sie wollten sich umschauen und alles in sich aufnehmen. Es war, als ob sie die Stadt erkunden wollten. Als ob sie die engagiertesten Touristen wären.

Ich wollte ihnen entgegengehen, unterlies es aber, als ich die Menschen um sie herum sah. Viele Augen blickten erstaunt, als glaubten sie nicht, dass sie es waren. Dann kam eine Frau auf sie zu und berührte sie, wie um sicher zu sein, dass sie es waren. Sie umarmte sie. Ein paar Schritte weiter kamen drei junge Männer auf sie zu, um sie zu begrüßen. Aber die meisten Leute begnügten sich damit, sie zu bewundern. Sie nahmen die Bekenntnisse der Zuneigung mit größter Freundlichkeit auf.

Nachdem ihnen von drei Straßenmusikern eine Version der Guantanamera vorgespielt und -gesungen wurde, deren Text dem Thema der Cuban Five angepasst war, erreichten sie endlich de vereinbarten Ort. Ich näherte mich ihnen. Besser gesagt, ich ging direkt auf Fernando zu und umarmte ihn. Es war eine Umarmung, wie ich nur sehr wenige einem Mann gegeben und von ihm erhalten habe. Meine Bewunderung für sein aufopferungsvolles Wirken und die im Gefängnis verbrachten Jahre kamen in ihr zum Ausdruck. Danach begrüßte ich seine Frau Aurora Rosa Freijanes. Ich wusste nicht, wen ich als nächsten grüßen sollte: René, den anderen bereits freien Antiterroristen, oder seine Frau Olga, mit denen ich vor ein paar Monaten schon die Gelegenheit hatte, mich zu treffen. Ich glaube, ich umarmte zuerst sie. In diesem Moment bemerkte ich eine Dame, die versuchte, unbemerkt zu bleiben: Elizabeth Palmeiro, die Ehefrau von Ramón Labañino, einem weiteren der fünf Kubaner, der weiterhin seine ungerechte Strafe in den Vereinigten Staaten verbüßt.

Dominique Leduc, die Generalsekretärin der Solidaritätsorganisation Frankreich-Kuba, war mehr als überrascht. Ich hatte sie eingeladen, ohne ihr genau zu sagen, worum es ging.

Es war sehr windig, was es erschwerte, auf der Straße zu filmen. Deshalb fragte ich bei der Leitung eines Hotels an, ob sie mir erlauben würden, das Interview in dem kleinen Innenhof zu führen. Als sie hörten, um wen es ging, stimmten sie sofort zu: „Es ist eine hohe Ehre für uns, unsere Helden aufzunehmen." Ich hatte mich kaum umgedreht, um sie zu holen, als ich hörte, wie sich die Nachricht unter den Mitarbeitern zu verbreiten begann. „Dieses Volk hat ihnen viel zu verdanken", hörte ich einen schwarzen Mann sehr bewegt sagen.

Fernando saß nun dort für die Befragung. Bevor der renommierte kubanische Kameramann Roberto Chile grünes Licht für die Aufnahme gab, beobachtete ich Fernando und René und fragte mich: Wie können sie so einfach und bescheiden sein, wenn sie an jeder Ecke und in jedem Haus Kubas präsent sind!?

„Die Wachthabenden weckten mich am Donnerstag, dem 27. Februar, um ein Uhr morgens. Ich wurde an Händen, Hüften und Füßen angekettet und um 3:30 Uhr wurde ich aus dem Gefängnis Safford (Arizona) herausgebracht. Angeblich war ich frei, aber genau dort vor der Tür wurde ich von der Einwanderungsbehörde festgenommen. Sie brachten mich in einer stark bewachten Autokarawane in die Stadt Phoenix. Dann nach Miami ... Die Operation dauerte etwa 36 Stunden. Ich war die ganze Zeit über mit Handschellen gefesselt und befand mich inmitten einer großen Sicherheitsoperation, die mich in Erstaunen versetzte.

Selbst im Flugzeug, das mich nach Kuba brachte, trug ich Handschellen, auch wenn sie aus Kunststoff waren. Man schnitt sie mir durch, als auf dem Flughafen Jose Martí in Havanna die Tür des Flugzeugs geöffnete wurde. Erst in diesem Moment fühlte ich mich frei."

Wie verhielten sich die Häftlinge zu dir? Wussten sie, wer du warst?

„Am Anfang war ich ein Gefangener unter vielen. Aber dank der internationalen Solidarität wurde der Fall nach und nach bekannt.

Die Solidarität von Organisationen in den Vereinigten Staaten erreichte es, dass einige alternative Fernsehkanäle über uns berichteten. Außerdem teilten wir den Lesestoff, den wir erhielten, mit den anderen Gefangenen. Dies rief Aufmerksamkeit hervor, und so erkannten sie, dass wir Menschen mit einem anderen Denken waren. So kamen sie dann auf uns zu, um über Kuba und die Revolution zu sprechen."

Du warst 15 Jahre, fünf Monate und 15 Tage im Gefängnis. War es eine Strafe, die Fernando González auferlegt wurde?

„Seit dem Beginn dieses Prozesses war uns bewusst, dass wir dafür zahlten, revolutionäre Kubaner zu sein. Dafür, dass wir eine Tätigkeit für das Volk Kubas, für die Revolution, und sogar für das US-amerikanische Volk ausführten, denn wir verhinderten terroristischen Aktionen, die US-Bürger betroffen haben könnten.

Die Strafe war nicht gegen mich, nicht gegen unsgerichtet: Sie entsprach einem Rachebedürfnis wegen ihres Hasses auf den revolutionären Prozess, auf unsere Geschichte. Als solche haben wir sie auf uns genommen."

Wie fühlst du dich in Kuba?

„Ich fühle mich sehr frei, und nicht nur, weil ich die Gefängnisordnung hinter mir gelassen habe. Ich habe diese Freiheit, die man mir in den USA verweigerte. Hier habe ich die Freiheit, das zu tun, was ich will, einschließlich der politischen Freiheit. Denn in den Vereinigten Staaten besteht keine Freiheit des Denkens, da es viele Mechanismen gibt, um das Bewusstsein der Menschen zu kontrollieren und zu manipulieren."

Es verbleiben noch drei der fünf Kubaner im Gefängnis ...

Wir schulden allen Freunden in der Welt Dankbarkeit für das, was sie für unsere Freiheit getan haben. Aber wir müssen noch sehr viel mehr tun, denn wir finden uns nicht damit ab, dass Ramón und Antonio ihr Urteil vollständig verbüßen, wie es René und ich getan haben. Dies würde auch bedeuten, dass Gerardo niemals zurückkäme. Deshalb müssen die solidarischen Freunde weltweit weiterhin dafür eintreten, dass die drei befreit werden und so bald wie möglich zurückkehren."

Hast du das Gefühl, dass die Revolution und das kubanische Volk dir gerecht geworden sind?

„„Sie sind mir gerecht geworden. Sie werden uns gerecht. Aber das habe ich niemals bezweifelt. Wir waren uns klar darüber, was unsere Verantwortung war, und dass wir standhalten mussten. Wir waren uns dessen bewusst, dass wir, öffentlich oder nicht, die Unterstützung der Revolution, des Volkes Kubas haben würden. Und das schließt viele Kubaner ein, die in den Vereinigten Staaten und woanders auf der Welt wohnen. Eines Tages wurde beschlossen, die Verteidigung und Unterstützung der Fünf öffentlich zu führen. Das war eine politische Entscheidung. Aber selbst wenn es nicht so passiert wäre, wussten wir, dass wir nicht allein sein würden." (Entnommen aus dem Blog von Hernando Calvo Ospina)
 

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