In der zum Abschluss des II. Gipfeltreffens der
Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und
Karibischen Staaten (CELAC) vereinbarten Deklaration
von Havanna heben die 33 anwesenden Würdenträger in
Vertretung der Mitgliedsstaaten hervor, dass es in
den zwei Jahren seit der Gründung der CELAC gelungen
ist, „einen Raum für den Dialog und die politische
Abstimmung" zu schaffen, „der uns eint und das
Bestreben möglich macht, gemeinsam für das Wohl
unserer Völker zu arbeiten; der gleichzeitig eine
bessere Integration und Projektion unserer Region in
der internationalen Arena ermöglicht".
Nach der Ratifizierung des unwiderruflichen
Willens zur Stärkung dieses Raums des effektiven
politischen Dialogs drücken sie die Absicht aus,
ausgehend von der Vielfalt „die gemeinsamen
Herausforderungen und Ziele und die
übereinstimmenden Grundlagen" zu bestimmen, „die uns
erlauben werden, die Integration unserer Region
voranzubringen".
Das Dokument betont die Notwendigkeit, die
Demokratien der CELAC-Länder zu stärken und
integrativere Gesellschaften aufzubauen. „Lassen Sie
uns unsere Produktivität verbessern, unsere
Handelsbeziehungen enger gestalten, unsere
Infrastruktur und die Konnektivität verbessern sowie
die notwendigen Netzwerke, die unsere Völker immer
mehr verbinden; lassen Sie uns für die nachhaltige
Entwicklung arbeiten, für die Überwindung der
Ungleichheiten und eine gerechtere Verteilung des
Reichtums, damit alle spüren, dass die Demokratie
ihrem Leben einen Sinn gibt. Das ist die Mission der
CELAC, das ist die Aufgabe, zu der wir berufen
worden sind, und das ist die politische
Verantwortung, die wir übernommen haben und über die
wir unseren Völkern Rechenschaft ablegen müssen."
In einem anderen Absatz äußern die Staats-und
Regierungschefs ihr tiefes Bedauern über den Tod des
Präsidenten der Bolivarischen Republik Venezuela,
Hugo Rafael Chávez Frías, „einer der wichtigsten
Gründer und Unterstützer der CELAC, unermüdlicher
Humanist und Förderer der lateinamerikanischen und
karibischen Einheit, der gegen soziale Ausgrenzung
und Armut kämpfte und die ganzheitliche Entwicklung
der Region anregte".
„Wir übernehmen unsere Verpflichtung gegenüber
der integrierten, nicht-ausgrenzenden und gerechten
Entwicklung der Region, dabei die Bedeutung dessen
berücksichtigend, den kleinen und anfälligen
Volkswirtschaften, den sich auf dem Entwicklungsweg
befindenden Binnenländern und den Inselstaaten, eine
bevorzugte Behandlung zukommen zu lassen", heißt es
in der Deklaration von Havanna.
Ferner wird bekräftigt, dass es „für die
Beseitigung von Armut und Hunger notwendig ist, eine
Wirtschaftspolitik einzuleiten, die die
Produktivität und die nachhaltige Entwicklung
unserer Nationen fördert, für die Stärkung der
Weltwirtschaftsordnung zum Wohle unserer Länder zu
arbeiten, die Komplementarität, Solidarität und
Zusammenarbeit zu fördern und die Erfüllung der
Entwicklungshilfezusagen der Industrieländer zu
fordern".
„Höchste Priorität" verleihen die Regierenden der
Stärkung der Lebensmittel- und Ernährungssicherheit,
der Alphabetisierung und Nachalphabetisierung, der
allgemeinen kostenlosen öffentlichen Bildung, der
qualitativ hochwertigen und gesellschaftlich
angemessenen technischen, beruflichen und
Hochschulausbildung, dem Landbesitz, der Entwicklung
der Landwirtschaft, einschließlich der
menschenwürdigen und nachhaltigen familiären
Bauernwirtschaft, der Unterstützung der Kleinbauern,
der Arbeitslosenversicherung, der universellen
öffentlichen Gesundheit, dem Recht auf angemessenen
Wohnraum für alle und der produktiven und
industriellen Entwicklung als entscheidende Faktoren
für die Beseitigung von Hunger, Armut und sozialer
Ausgrenzung.
Sie bekräftigen auch die Verpflichtung, die
kulturelle Integration unserer Völker durch die
Förderung des Austausches von kulturellem,
traditionellem und modernem Wissen zu gewährleisten,
und erkennen an, dass die indigenen Völker und
lokalen Gemeinschaften eine wichtige Rolle in der
wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen
Entwicklung spielen.
Sie bestätigten gleichfalls den Willen,
regionale, bilaterale und trilaterale subregionale
Kooperationsprogramme für die Entwicklung zu
fördern, sowie eine Regionalpolitik der
Süd-Süd-Zusammenarbeit und der Dreieckskooperation,
welche die spezifischen Merkmale und Bedürfnisse der
verschiedenen Gebiete und Subregionen sowie jedes
der Länder berücksichtigen.
Sie verpflichten sich, weiterhin zu den
Anstrengungen des Wiederaufbaus und der Entwicklung
von Haiti beizutragen, „unter vollem Respekt seiner
Autorität und Souveränität", und fordern die
Regierungen, die traditionellen Geberländer und die
internationalen Finanzinstitutionen auf, dieses Ziel
umfangreicher und schneller zu unterstützen.
Sie sprechen sich auch dafür aus, weiterhin die
soliden regionalen Grundsätze in Bezug auf die
Anerkennung der Rechte von Migranten zu stärken.
Davon überzeugt, dass der Klimawandel eines der
ernstesten Probleme unserer Zeit darstellt, äußern
sie ihre tiefe Besorgnis über die wachsenden
negativen Auswirkungen in den Entwicklungsländern
und insbesondere in den kleinen Inselstaaten.
Sie bekräftigen den lateinamerikanischen und
karibischen Charakter von Puerto Rico und
verpflichteten sich, weiterhin im Rahmen des
Völkerrechts und insbesondere der Resolution 1514
(XV) der Generalversammlung der Vereinten Nationen,
vom 14. Dezember 1960, zu arbeiten, um zu erreichen,
dass Lateinamerika und die Karibik ein von
Kolonialismus und Kolonien freies Gebiet wird.
Weiterhin wiederholen sie die Ablehnung von
unilateralen Listen und Zertifizierungen
entwickelter Länder, die Länder Lateinamerikas und
der Karibik betreffen, insbesondere derjenigen, die
sich auf Terrorismus, Drogenhandel, Menschenhandel
und andere ähnliche Phänomene beziehen, und
ratifizieren das am 5. Juni von der CELAC
angenommene Sonderkommuniqué, das die Aufnahme Kubas
in die sogenannte Liste der den internationalen
Terrorismus fördernden Staaten des State Department
der Vereinigten Staaten ablehnt.
Die Deklaration drückt ebenfalls die feste
Unterstützung für die legitimen Rechte von
Argentinien in dem Streit um die Souveränität der
Falklandinseln, der Süd-Georgien- und der Süd-Sandwich-Inseln
und der umliegenden Meeresgebiete aus, sowie das
Interesse, dass dieser Streit auf friedlichem Weg
und durch Verhandlungen gelöst wird.
Es wird auch die tiefste Ablehnung der Anwendung
von einseitigen Zwangsmaßnahmen geäußert, die
Solidarität mit Kuba bekräftigt und die Regierung
der Vereinigten Staaten von Amerika aufgefordert,
die seit über fünf Jahrzehnten gegen Kuba verhängte
Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade zu beenden.
Die Staats- und Regierungschefs verpflichten sich,
weiterhin dafür zu arbeiten, Lateinamerika und die
Karibik als Zone des Friedens zu konsolidieren, in
der die Differenzen zwischen den Nationen durch den
Dialog und Verhandlungen oder andere im Völkerrecht
festgelegten Formen der friedlichen Regelung gelöst
werden.
Sie betonen ebenfalls die Bedeutung der Kultur
und der Kulturindustrie für die Volkswirtschaften
und verpflichteten sich, die kulturelle Entwicklung
als Instrument der Erhaltung des kulturellen Erbes
und zur Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten und
Wohlstand für die Völker zu fördern.
Sie unterstützen auch den Verhandlungsprozess
zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC,
der in Havanna stattfindet.
In der umfangreichen Deklaration betonen die
Repräsentanten der Völker der Region die
Notwendigkeit einer gerechten geographischen
Verteilung im System der Vereinten Nationen und
streben an, dass sich die quantitative und
qualitative Präsenz Lateinamerikas und der Karibik
in Schlüsselpositionen der UNO und anderer
internationaler Organisationen erhöht.
Die Deklaration drückt auch „ernste Besorgnis"
über die humanitäre Situation und die
Sicherheitslage in der Arabischen Republik Syrien
aus sowie über die Bedrohung, die dies für den Nahen
Osten und den Frieden und die internationalen
Sicherheit darstellt.
Die 33 Staats- und Regierungschefs begrüßen die
Einrichtung des Forums CELAC-China und des
Dialogprozesses mit der Russischen Föderation,
Elemente, die sich positiv auf die Tätigkeit der
Gemeinschaft auswirken können. Sie äußern außerdem
ihre Unterstützung für den Vorbereitungsprozess des
CELAC-EU-Gipfels, der im Jahr 2015 in Brüssel
stattfinden wird.
Schließlich danken sie dem Präsidenten des Staats-
und des Ministerrats der Republik Kuba für die
Führungstätigkeit und die geleistete Arbeit während
der Ausübung der Pro-tempore-Präsidentschaft des
Forums und drücken dem Volk und der Regierung Kubas
ihre Anerkennung für die Organisation des II.
Gipfeltreffens der CELAC in Havanna aus.