Politische Gefangene des Imperiums MIAMI 5       

     

   

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Havanna, 20. Januar 2014

 

Theater Martí: ein Neubeginn
• Der umfassende Restaurierungsprozess, der vom Büro des Stadthistorikers von Havanna im Theater Marti vorgenommen wird, gibt ihm nach und nach seinen ehemaligen Glanz zurück

Yaima Puig Meneses

Es heißt, das Theater Martí von früher sei sehr schön gewesen. Seine mit Blumengittern verzierten Logen; der riesige Kronleuchter; die Gesellschaftsränge; der rein szenografische Bühnenvorhang; seine vielen Türen; seine Sitze aus Ahorn und Gusseisen; seine grünen, ockerfarbenen, goldenen Farbtöne … Dies alles machte es zu einem majestätischen Theater, das seit seiner Einweihung im Jahr 1884 zum Mittelpunkt wichtiger kultureller und politischer Momente in unserem Land wurde.

Aber damals, zu Beginn, hieß es noch nicht Martí, sondern Irijoa wie sein Eigentümer, und erst im Jahr 1901 wurde beschlossen, ihm seinen aktuellen Namen zu geben. Da es das Mekka des volkstümlichen Teaters und der kubanischen Operette war, ist es unmöglich, vom Theater Martí zu sprechen und sich nicht der typischen Gestalten des Galiziers, der Mulattin und des Negerleins zu entsinnen, von denen das Publikum jener Zeit so sehr angezogen wurde. Auf den Brettern des an der Ecke der Straßen Zulueta und Dragones befindlichen Theaters spielten so hervorragende Künstler wie Candita Quintana, Blanquita Becerra, Rita Montaner, Carlos Montezuma, Eduardo Robreño, Federico Piñero, Armando Soler, Enrique Núñez, Rosita Fornés und María de los Ángeles Santana.

Aber nicht nur die Kultur hat seine Geschichte gekennzeichnet. Dort fand auch unsere erste verfassungsgebende Versammlung im Jahre 1901 statt, wo ehrwürdige Kubaner ihre Stimme gegen das verhängnisvolle Platt Amendment erhoben. Es folgten noch eine Reihe von Vollversammlungen und Treffen ähnlicher politischer Bedeutung.

„Kompliziert". So bezeichnen die verschiedenen Fachleute die Restaurierung, die seit dem Jahr 2000 in dem emblematischen Theater vorgenommen wird, das dem Publikum bereits seit etwa 40 Jahren verschlossen ist. Architekten, Designer, Restauratoren, Wandmaler, Zimmerleute, Forscher und viele andere haben an vielen intensiven Arbeitstagen ihre Fertigkeiten und ihren Intellekt eingebracht, dank derer nach und nach der Glanz von ehedem, vermischt mit einem Hauch von Modernität, wiederersteht.

Sollte man das Theater so restaurieren, wie es einmal war, oder ein Theater entstehen lassen, das heutigen Ansprüchen gerecht wird? Dies war eine der wichtigsten Fragen, denen sich das Büro des Stadthistorikers gegenüber sah, als es das Vorhaben übernahm, sagte Kenia Díaz Santos, Direktorin für Investitionsvorhaben dieses Büros, gegenüber Granma.

Die Entscheidung war, dem auch als „Theater der hundert Türen" bekannten Bauwerk aus dem 19. Jahrhundert seine wichtigsten historisch-architektonischen Werte wiederzugeben und daraus eine Einrichtung zu machen, die Aufführungen wie jedes neue Theater übernehmen kann. „Andernfalls hätten wir nur ein Museum gerettet", erläuterte sie.

Dies zog logischerweise bedeutende Veränderungen in einigen Bereichen der Einrichtung nach sich. Wie die Spezialistin ausführte, war besonders das Thema der Klimatisierung einer der kompliziertesten Aspekte, die zu lösen waren. „Da dies ein zur Straße hin vollkommen offenes Sommer-Theater war, war es fast unmöglich, die Charakteristiken des Saals auf identische Weise beizubehalten und gleichzeitig abzusichern, dass inmitten der großen Lärmbelastung, von der das Theater heutzutage umgeben ist, die Vorstellungen gehört werden können."

Diese Tatsache führte auch zu einer notwendigen akustischen Verstärkung. Hierfür wurde, nachdem an der Fassade die französische Tischlerarbeit originalgetreu wiedererstellt war, eine weitere angebracht, die ebenfalls aus Holz besteht und mit akustischen Dichtungen zur Lärmeindämmung versehen ist. „Später werden wir noch dicke Samtgardinen anbringen und die Böden mit Teppichen belegen, um höheren akustischen Komfort zu erreichen", erläuterte die Architektin Marilyn Mederos Pérez, Projektingenieurin des Bauvorhabens.

Die akustische Isolierung bedingte also die Klimatisierung, für die es, wie sie sagte, notwendig war, „im Theater künstliche Säulen zu gestalten, in deren Innerem die Klimarohre verlaufen. Ebenso wurden Ausrüstungen unter dem Kellergeschoß des Parketts und auf dem Dach des anliegenden Verwaltungsgebäudes angeordnet, das auf der Straße Zulueta steht".

Eine weitere unabwendliche Veränderung wurde an der Bühnenmaschinerie vorgenommen. Die dem Theater angehörige war, außer dass sie bereits sehr beschädigt war, aus Holz und mit Dekorationen aus Pappmaché versehen, die dazu dienten, einige Werke mit einem bestimmten Milieu zu versehen, aber nicht, sie dauerhaft zu gestalten. „Das wird auf der ganzen Welt bereits nicht mehr so gemacht", versicherte die Projektleiterin.

Daraus entstand erneut das Dilemma, eine ausgewogene Lösung zu finden, um das kulturhistorische Bauwerk zu erhalten und es modernen technologischen und bühnenbildnerischen Auffassungen entsprechend funktionsfähig zu machen. „Ohne die Struktur zu sehr anzuheben, da ansonsten die Balance zur Bühne verloren gegangen wäre, wurde eine vollkommen neue Bühnenmaschinerie aus feuerverzinktem Stahl entworfen, die sehr hübsch ist", sagte Frau Mederos Pérez.

Sie erläuterte weiterhin, dass „im Jahr 2005 die Ausbaggerungsarbeiten für ein drei Meter tiefes Fundament begannen, das die erwähnte Struktur hält. Das war ein sehr schwieriger Schritt, der mit extremer Vorsicht unternommen werden musste, da in der Nähe des Theaters mehrere Wohngebäude stehen, von denen sich einige bereits in recht schlechtem baulichen Zustand befinden, und es war notwendig, diese Gebäude zu untermauern, damit sie keinen Schaden nahmen.

„Zusammen mit der Bühnenmaschinerie wurde unter der Bühne ein Keller eingegliedert, um die Arbeit der Musiker etwas komfortabler zu machen. Diese Arbeiten zogen sich insgesamt über mehr als zwei Jahre hin."

Gleichzeitig wurde der Prozess der Restaurierung des Dachfachwerkes vorangebracht, also des Giebelgerüstes, das das Dach der Bühne hält. „Die drei, die noch vorhanden waren, wurden abmontiert, und mit diesen Bruchstücken war es möglich, auch die anderen wieder herzustellen. In diesen Bereichen ist sehr wenig neues Holz zu finden, fast alles Holz ist das, das original im Theater vorhanden war", versicherte Frau Díaz Santos.

ZU NEUEM LEBEN ERWECKT

Eine neue Generation entdeckt das Alte, studiert es, restauriert es, gibt es dem Leben zurück. Nach den komplizierten und kostspieligen ersten Schritten könnten einige vielleicht denken, dass die dekorativen Elemente des Interieurs für die Fachleute ein Kinderspiel wäre. Aber nichts ist weiter von der Wahrheit entfernt als dies.

Die Investorin vor Ort Gretel Álvarez Guerra erinnert sich, dass für die Restaurierung der dekorativen Elemente des Interieurs des Theaters, einschließlich der Originalfarben, eine vollständige Erhebung notwendig war, die zusammen mit der Gruppe für Endausbau des Bauunternehmens Puerto Carenas, das dem Büro des Stadthistorikers angehört, vorgenommen wurde.

„Diverse Elemente mussten beachtet werden, denn sowohl das Design als auch die Architektur dieser Einrichtung weisen viele und verschiedenartige Details auf. Die Arbeit war kompliziert, in einigen Fällen verfügten wir über die kompletten Originalteile oder auch Fragmente, aber in anderen mussten wir uns auf Zeitzeugen oder Fotografien stützen", versicherte sie.

„Im besonderen Fall des gebogenen Elements der Zwischendecke zum Beispiel haben wir es genau so reproduziert, wie es war, mit Holzschienen, alle im gebührenden Abstand und von gleicher Größe. Wir respektierten hier das, was wir vorfanden, obwohl wir mit modernen Mitteln gegenwärtig viel einfacher gebogene Flächen herstellen können."

Ebenso spielten die Lehrwerkstätten des Büros des Stadthistorikers eine Hauptrolle in diesen Aktivitäten. Lange vor Beginn dieses Teils des Restaurierungsprozesses schrieb eine Gruppe von Schülern ihre Abschlussarbeit auf der Grundlage der Erforschung der Originaldekoration des Theaters. „Diese Arbeit war für uns von großem Nutzen", sagt Frau Álvarez Guerra.

Otmaro Medina Muñiz, Dozent für Malerei der Lehrwerkstatt Gaspar Melchor von Jovellanos und darüber hinaus Koordinator der Lehrlinge, die an der Rekonstruktion beteiligt sind, bekennt, sehr stolz darauf zu sein, dass diese Forschungsarbeit hinzugezogen wurde.

Um die Deckenstruktur leichter zu gestalten wurde eine Reproduktion in Gipskarton erstellt mit allen Vergoldungen aus Pappmaché, außer des äußeren Ringes der Deckenlampe und der Mitte, durch die die Kette verläuft, die aus Gips sind. „Die Farben, die Dekorationen der Zwischendecke und ihre Rosette in der Mitte, die große Vorbühne, die Kapitelle und zahlreiche andere Elemente tragen die Spur mehrerer Schüler und Lehrkräfte unserer Lehrwerkstätten".

Yania, Yésica, Maria Elena und Bárbara Wendy sind Schüler der Lehrwerkstätten von Jovellanos. Die beiden ersten spezialisieren sich auf Wandmalerei und die anderen beiden auf Malerarbeiten, aber alle vier stimmen in der Bedeutung überein, die es für die Lehrlinge hat, an solchen Arbeiten beteiligt sein zu dürfen. „Dies ist eine großartige Erfahrung", stellen sie fest.

Im Gespräch mit dem Stadthistoriker von Havanna, Eusebio Leal Spengler, erfuhren wir auch über die eingehende Untersuchung, die die Architektin Nancy González Arzola über Jahre hinweg zu den verschiedensten Aspekten dieses Theaters führte. Die Studien und Projekte der hervorragenden Architektin wurden letztlich in dem Buch „Theater Martí - außerordentliche Beständigkeit" zusammengefasst, das im Jahr 2011 veröffentlicht wurde.

LETZTE NACHBESSERUNGEN

Es geht nicht nur darum, Wellbetonstahl herbeizuschaffen und ihn an bestimmter Stelle anzubringen, eine Restaurierung von dieser Größe ist viel komplizierter und die letzten Nachbesserungen bringen ihre Herausforderungen mit sich. „Gegenwärtig arbeiten wir an der Zwischendecke und beenden einige Dekorationen, die wir vor längerer Zeit begonnen hatten. Was den Bereich der Technik betrifft, so ist die Bühnentechnik bereits installiert, einschließlich der Hebebühne unter der Bühne. Ebenso wurde mit der Montage der Lichter begonnen und andere Systeme des Theaters sind unter Vertrag genommen, wie die Beleuchtungstechnik, die Elektroakustik und die Vorhangstechnik", erläuterte die Investorin vor Ort.

Außerdem werden Details in der Zimmerei und den Außenbereichen abgestimmt, einschließlich des Gartens. Dieser letztere war einer der Bereiche, die „während der gesamten Geschichte des Theaters am meisten verändert worden ist. Die gegenwärtige Restaurierung strebt an, ihm seine ursprüngliche Konzeption zurückzugeben, wofür das Regendach erneuert worden ist, das dem aus dem 19. Jahrhundert ähnelt. Er wird Theaterkassen haben, ein Café, einen Kiosk an der Ecke für den Verkauf von Zeitungen, Bänke, Skulpturen, Illumination und Blumenkästen", sagte die Projektingenieurin.

Das neue Theater Martí wird über moderne Sicherheits- und Feuerschutzsysteme verfügen. Es wird Proberäume geben, wo Vorstellungen kleinen Formats, Versammlungen und andere Veranstaltungen vorgenommen werden können. Ebenso werden die Künstlergarderoben erweitert und es entstehen andere Räumlichkeiten wie zur Aufbewahrung der Kostüme und eine Wäscherei. „Wir sind uns der großen Anstrengung bewusst, die es für den kubanischen Staat bedeutet, ein Projekt wie dieses im gegenwärtigen Moment durchzuführen. Deshalb stellt die Wiedereröffnung des Theaters Martí auch eine Herausforderung dar", versicherte gegenüber Granma Herr Leal Spengler.

Nach und nach ersteht somit das Theater von früher zu neuem Leben, jenes Theater, das noch in der Erinnerung vieler, in blassen Fotografien oder auf den Seiten irgendeines Buches weiterlebt. In ein paar Monaten werden die Freude der Vorstellungen, das Kommen und Gehen des Publikums, das seine 720 Plätze einnehmen können wird, die farbigen Lichter und die vielen Geschichten erneut zurückkehren, um uns ein elegantes und einfaches Theater wiederzugeben, das der Ertrag der Geschicklichkeit und der Hingabe vieler Hände ist.
 

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