Mitbürger:
Die Geschichte bewegt sich willkürlich durch seltsame
Labyrinthe. Vor 25 Jahren verabschiedeten wir auf diesem selben Platz
einige wenige Särge mit menschlichen Überresten und persönlichen
Wertgegenständen von einigen der 57 Kubaner, 11 Bürger Guyanas, von
denen die meisten in Kuba studierten, und 5 koreanischen Kulturfunktionäre,
die als Folge eines brutalen und unglaublichen Terroraktes starben.
Besonders bewegend war der Tod der gesamten Männer- und Frauen-
Juniorenfechtmannschaft, die mit allen bei einer mittelamerikanischen
Meisterschaft in dieser Disziplin errungenen Goldmedaillen zurückkehrte.
Eine Million Mitbürger verabschiedeten mit Tränen in
den Augen, die oftmals über ihre Gesichter liefen, auf eine mehr
symbolische als reelle Weise unsere Brüder und Schwestern, deren Körper
auf dem Grund des Ozeans lagen.
Außer einer Gruppe von befreundeten Persönlichkeiten
und Institutionen teilte niemand unseren Schmerz; es gab weder
Betroffenheit auf der Welt noch schwerwiegende politische Krisen,
Sitzungen der UNO oder unmittelbare Kriegsgefahren.
Möglicherweise begriffen nur wenige auf der Welt die
schreckliche Bedeutung dieses Ereignisses. Welche Wichtigkeit hatte es, daß
ein kubanisches Zivilflugzeug mit 73 Menschen an Bord während des Fluges
zerstört wurde? Es war fast etwas Gewöhnliches. Waren nicht bereits
Tausende von Kubanern bei der Sabotage des Schiffes La Coubre, im
Escambray-Gebirge, in der Schweinebucht und bei Hunderten von
terroristischen Aktionen, piratenähnlichen Angriffen und anderen
Geschehnissen dieser Art getötet worden? Wer würde den Anklagen eines
kleinen Landes Bedeutung beimessen? Scheinbar genügte ein einfaches
Leugnen seitens des mächtigen Nachbarn und seiner Massenmedien, mit denen
er die Welt überflutete, um die Angelegenheit zu vergessen.
Wer konnte damals voraussagen, daß fast genau 25 Jahre
später ein Krieg mit unvorhersehbaren Folgen aufgrund eines gleichermaßen
abscheulichen Terroranschlags, der Tausende von unschuldigen Menschenleben
in den USA kosten sollte, unmittelbar bevorstehen würde? Während damals
als trauriges Vorzeichen unschuldige Bürger mehrerer Länder starben,
sollten diesmal Menschen aus 86 Nationen ihr Leben verlieren.
Damals wie heute blieben nur einige Überreste der
Opfer. In Barbados konnte kein einziger Leichnam geborgen werden; in New
York nur einige wenige und nicht alle konnten identifiziert werden. In
beiden Fällen wurden die Familienangehörigen durch eine immense Leere
und unendliche Angst erfüllt; das schreckliche Verbrechen führte in
jedem der beiden Völker zu unerträglichem Schmerz und tiefer Wut. Es
handelte sich nicht um einen Unfall, mechanische Defekte oder menschliches
Versagen; es waren absichtliche und kaltblütig geplante und durchgeführte
Taten.
Es gab trotzdem einige Unterschiede zwischen dem monströsen
Verbrechen von Barbados und dem unglaublichen und unheilvollen
Terroranschlag gegen das Volk der USA: in den Vereinigten Staaten war es
das Werk von Fanatikern, die bereit waren, gemeinsam mit ihren Opfern zu
sterben; in Barbados handelte sich um das Werk von Söldnern, die nicht
das geringste Risiko eingingen. Jene in den USA verfolgten offensichtlich
nicht als Hauptabsicht, die Passagiere zu töten; sie entführten die
Flugzeuge, um die Twin Towers und das Pentagon-Gebäude anzugreifen, wobei
ihnen der Tod der unschuldigen Menschen, die in den Flugzeugen reisten,
absolut egal war; in Barbados war das Hauptziel der Söldner die Ermordung
der Passagiere.
In beiden Fällen muß die Angst der im Flugzeug
Reisenden in den letzten Minuten ihres Lebens - besonders der Passagiere
der vierten in den USA entführten Maschine, die bereits von den
Ereignissen in New York und Washington wußten – schrecklich gewesen
sein, ähnlich der Angst der Besatzung und der Passagiere bei dem
verzweifelten Versuch des kubanischen Flugzeugs, auf den Boden zurückzukehren,
als das Erreichen dieses Ziels bereits unmöglich war. Auch in beiden Fällen
konnte man Mut und Entschlossenheit wahrnehmen: in Barbados durch die
aufgezeichneten Stimmen der kubanischen Besatzung; in den Vereinigten
Staaten durch Berichte aus diesem Land über die von Passagieren
eingenommene Haltung.
Von den schrecklichen Ereignissen in New York blieben
bewegende Fernsehbilder; von der Explosion des Flugzeuges in Barbados und
seines Absturzes ins Meer blieb nicht ein einziges Foto, was auch gar
nicht möglich war; man konnte einzig und allein über die dramatischen
Gespräche zwischen den Besatzungsmitgliedern der tödlich getroffenen
Maschine und dem Tower des Flughafens von Barbados verfügen.
Zum ersten Mal in der Geschichte Lateinamerikas kam es
zu einer aus dem Ausland betriebenen Tat dieser Art.
In unserer Hemisphäre begann der systematische
Gebrauch solcher grausamer und furchterregender Praktiken und
Vorgehensweisen im Bereich der Politik eben genau gegen unser Land. Dem
ging seit 1959 eine andere gleichsam absurde und unverantwortliche Praktik
voraus: die Entführung und erzwungene Kursänderung von Flugzeugen mitten
im Flug, ein Phänomen, das man bis dahin auf der Welt praktisch nicht
kannte.
Das erste Ereignis dieser Art war die Entführung eines
Passagierflugzeugs des Typs DC-3 auf der Route von Havanna nach Isla de la
Juventud durch einige ehemalige Mitglieder der Repressionsorgane der
Batista-Diktatur, die am 16. April 1959 das Flugzeug vom Kurs abbrachten
und den Piloten zwangen, nach Miami zu fliegen. Es waren noch keine vier
Monate seit dem Sieg der Revolution vergangen. Die Tat wurde nicht
bestraft.
Zwischen 1959 und 2001 wurden insgesamt 51 kubanische
Flugzeuge entführt und fast alle in die Vereinigten Staaten gewaltsam
umgeleitet. Viele dieser entführten Flugzeuge wurden dem Land nie zurückgegeben.
Nicht wenige Piloten, Wachleute und andere Personen wurden ermordet oder
verletzt; einige Flugzeuge wurden als Folge von fehlgeschlagenen Entführungsversuchen
zerstört oder schwer beschädigt.
Die Folge war, daß die Plage der Flugzeugentführungen
inmitten des Fluges sich schnell auf die USA selbst ausbreitete, wo überwiegend
verrückte Personen, Abenteurer oder gemeine Kriminelle, sowohl
US-amerikanischer als auch lateinamerikanischer Herkunft, aus den
verschiedensten Motiven damit begannen, Flugzeuge mit Schußwaffen,
Messern und Molotow-Cocktails zu entführen, und nicht wenige Male mit
einfachen Wasserflaschen, die den Eindruck erwecken sollten, sie seien mit
Benzin gefüllt, womit sie drohten, die Flugzeuge in Brand zu stecken.
Dank der Sorgfalt unserer Behörden kam es zu keinem
einzigen Unfall bei der Landung, die Passagiere bekamen immer eine
angemessene Betreuung und wurden sofort zu ihren Abflugorten zurückgebracht.
Der größte Teil der Entführungen und erzwungenen
Kursänderungen von kubanischen Flugzeugen geschah zwischen 1959 und 1973.
Angesichts des Risikos, daß es zu einer Katastrophe in den USA oder in
Kuba kommen könnte – denn es gab sogar Entführer, die mit dem Flugzeug
in ihrer Gewalt damit drohten, die Maschine am Atomkraftwerk von Oak Ridge
zerschellen zu lassen, wenn bestimmten Forderungen nicht nachgekommen würde
-, ergriff die Regierung Kubas die Initiative, der US-Regierung – mit
Richard Nixon als Präsident und William Rogers als Außenminister – ein
Abkommen über die Behandlung der Fälle von Flugzeugentführungen und
Meerespiraterie vorzuschlagen. Der Vorschlag wurde akzeptiert und man
arbeitete mit Hochdruck an der Anfertigung des besagten Abkommens, das von
den Vertretern beider Regierungen am 5. Februar 1973 unterzeichnet und
unmittelbar darauf in der Presse unseres Landes veröffentlicht wurde,
wobei man es ausführlich verbreitete.
In diesem vernünftigen und gut ausgearbeiteten
Abkommen wurden harte Strafen bei der Entführung von Flugzeugen und
Schiffen festgelegt. Es war abschreckend. Seit diesem Zeitpunkt
verringerte sich die Zahl der Entführungen von kubanischen Flugzeugen
beträchtlich und in mehr als zehn Jahren kam es in unserem Land nur zu
fehlgeschlagenen Versuchen.
Dieses vorbildliche und wirksame Abkommen bekam mit dem
brutalen terroristischen Attentat, durch das ein kubanisches Flugzeug
mitten im Flug zur Explosion gebracht wurde, einen vernichtenden Schlag
versetzt. Aufgrund einer solch unglaublichen Aggression und unter Berücksichtigung
dessen, daß die Tat inmitten einer Ende 1975 entfesselten neuen
terroristischen Welle gegen Kuba geschah, kündigte die kubanische
Regierung im Einklang mit den festgelegten Klauseln das Abkommen, obwohl
sie die in selbigem enthaltenen Maßnahmen gegen die Entführung
US-amerikanischer Flugzeuge unangetastet ließ, darunter die Verhängung
von harten Strafen, die in Übereinstimmung mit dem besagten Abkommen beträchtlich
auf bis zu 20 Jahre Gefängnis erhöht worden waren. Bereits vor dem
Abkommen hatten die kubanischen Gerichte die in unserem Strafgesetzbuch
vorgesehenen Strafen bei Flugzeugentführungen verhängt, obgleich diese
weniger hart waren.
Trotz der rigorosen Anwendung der Strafen kam es weiter
zu einigen Entführungen von US-amerikanischen Flugzeugen, die zur Kursänderung
in Richtung unseres Landes gezwungen wurden. Nachdem sie frühzeitig genug
darauf hingewiesen hatte, übergab die Regierung Kubas den Vereinigten
Staaten am 18. September 1980 zwei Entführer und unterstellte sie der
Verfügung der US-Behörden.
In dem Zeitraum zwischen September 1968 und Dezember
1984 sind 71 Entführungsfälle von Flugzeugen registriert, die gewaltsam
nach Kuba umgeleitet wurden. Es ist erwiesen, daß 69 Beteiligte an den
erwähnten Entführungen vor Gericht gestellt und zu Freiheitsstrafen
zwischen 3 und 5 Jahren verurteilt wurden; später, ausgehend von dem
Abkommen von 1973, schwankten die Strafen zwischen 10 und 20 Jahren.
Als Ergebnis dieser von Kuba ergriffenen Maßnahmen
besteht die Tatsache, daß es seit 17 Jahren zu keiner einzigen Entführung
oder erzwungenen Kursänderung eines US-Flugzeugs mehr gekommen ist.
Was war dagegen die Haltung der US-Regierungen? Von
1959 bis heute haben die US-amerikanischen Behörden keine einzige von den
Hunderten von Personen bestraft, die Dutzende von kubanischen Flugzeugen
entführt und zur Kursänderung gezwungen haben, nicht einmal diejenigen,
die Morde begingen, um die Entführung durchzuführen.
Man kann sich kein größeres Fehlen von elementarer
Gegenseitigkeit oder einen größeren Anreiz zum Entführen von Flugzeugen
und Schiffen vorstellen. Diese inflexible Politik wurde ohne eine einzige
Ausnahme über mehr als 42 Jahre beibehalten.
Das konstruktive Abkommen zwischen den Regierungen
Kubas und der USA über Entführungen von Flugzeugen und Schiffen, deren
Ergebnisse man sofort bemerken konnte, wurde zum Schein von den Hauptanführern
der terroristischen Gruppen befolgt. Einige hatten aktiv an der
Organisierung des irregulären Krieges mittels bewaffneter Banden
mitgearbeitet oder teilgenommen, die sich zu bestimmten Zeitpunkten auf
die sechs damaligen Provinzen des Landes ausbreiteten. Die Mehrheit von
ihnen war von der Regierung der Vereinigten Staaten in den Tagen der
Schweinebucht-Invasion, der Oktoberkrise und in darauffolgenden Jahren
rekrutiert worden, um an jeder Art von gewaltsamen Aktionen teilzunehmen,
besonders an Attentatsplänen und terroristischen Aktionen, die keinen
Bereich des wirtschaftlichen und sozialen Lebens, kein Mittel, keine
Vorgehensweise und keine Waffe ausschließen.
Sie durchliefen alle Arten von Institutionen, Schulen
und Ausbildungen, gelegentlich, um sie zu trainieren, und manchmal mit dem
Ziel, ihnen Unterhaltung zu bieten.
Dramatische Ereignisse wie die Ermordung Kennedys führten
zu bedeutenden Untersuchungen - wie derjenigen, die eine Kommission des
US-Senats durchführte -, die verfängliche Situationen und große
Skandale entstehen ließen. Sie zwangen zu Veränderungen der Taktiken,
aber in Wirklichkeit niemals zu irgendeiner Änderung der Politik gegenüber
Kuba. Aus diesem Grund kamen nach Perioden relativer Ruhe neue Wellen des
Terrorismus auf.
So geschah es Ende 1975. Die Church-Kommission hatte am
20. November dieses Jahres ihren berühmten Bericht über die Attentatspläne
gegen Führungspersönlichkeiten Kubas und anderer Länder vorgelegt. Die
Central Intelligence Agency (CIA) konnte nicht weiter die direkte
Verantwortung für die Attentatspläne und terroristischen Aktionen gegen
Kuba übernehmen. Die Formel war einfach: das vertrauenswürdigste und am
besten ausgebildete terroristische Personal würde die Form von unabhängigen
Gruppen annehmen, die auf eigene Rechnung und Verantwortung agierten. Auf
diese Weise entsteht plötzlich eine seltsame gemeinschaftliche
Organisation namens CORU, zusammengesetzt aus den wichtigsten
terroristischen Gruppen, die in der Regel wegen Führungsambitionen und
Interessenkonflikten kräftig gespalten waren. Es wird eine Welle von
gewaltsamen Aktionen dieser Art entfesselt. Um einige zu nennen,
ausgesucht unter den zahlreichen und bedeutenden Terrorakten, die in
dieser neuen Etappe stattfanden, kann ich darauf hinweisen, daß es in nur
vier Monaten zu den folgenden kam:
-
Angriff aus Florida kommender piratenartiger Boote auf zwei
Fischerboote am 6. April 1976, was zum Tod eines Fischers und schweren
Schäden an den Booten führte.
-
Bombenanschlag auf die kubanische Botschaft in Portugal am 22.
April, der den Tod zweier kubanischer Funktionäre, weitere
Schwerverletzte und die vollständige Zerstörung des Gebäudes
verursacht.
-
Attentat mit Sprengsätzen gegen die Diplomatische Vertretung Kubas
bei der UNO am 5. Juni, was schwere Sachschäden zur Folge hat.
-
Kurz vor dem Verladen an Bord explodiert am 9. Juli eine Bombe in
dem Wagen, in dem das Gepäck des Fluges der Airline Cubana de Aviación
auf dem Flughafen von Kingston, Jamaika, transportiert wurde.
-
Am 10. Juli detoniert eine Bombe in den Büros der Firma British
West Indies en Barbados, die die Interessen der Airline Cubana de
Aviación in diesem Land vertrat.
-
Ermordung eines Fischereitechnikers während des Versuchs der Entführung
des kubanischen Konsuls in der mexikanischen Stadt Mérida am 24.
Juli.
-
Entführung und Verschwindenlassen von zwei Funktionären der
kubanischen Botschaft in Argentinien am 9. August. Von beiden hörte
man nie wieder etwas.
-
Am 18. August explodiert eine Bombe in den Büros der
Fluggesellschaft Cubana de Aviación in Panama, was zu beträchtlichen
Schäden führt.
Wie man sehen kann, handelt es sich um einen wahrhaften
Krieg. Einige Anschläge zielen auf die Fluggesellschaften.
Die Zeitung New York Times und die Zeitschrift U.S.
News and World Report bezeichneten dies als eine neue Welle des
Terrorismus gegen Kuba.
Die Gruppen, aus denen sich die Organisation CORU
zusammensetzte – die in den ersten Monaten des Jahres 1976 mit ihren
Operationen begann, obwohl sie formell erst im Juni dieses Jahres gegründet
wurde -, gaben in den USA öffentliche Erklärungen ab, in denen sie sich
jede der durchgeführten Aktionen selbst zuschrieben. Sie schickten die
Kriegsberichte – so bezeichneten sie dies – von Costa Rica aus an die
Presse in Miami. Eines ihrer Presseorgane veröffentlichte einen Artikel
mit diesem selben Namen: „ Kriegsbericht", in dem die Zerstörung
einer kubanischen Botschaft geschildert wurde. Das war der Tag, an dem die
Organisation nicht zögerte, ein Kommuniqué zu veröffentliche, das eine
Schlüsselbedeutung hat, unterzeichnet von den fünf terroristischen
Gruppen, die die CORU bildeten: „ Sehr bald werden wir Flugzeuge während
des Fluges angreifen."
Zur Ausführung ihrer Anschläge benutzten die
Terroristen der CORU ohne Schwierigkeiten als Hauptoperationsbasen die
Staatsgebiete der Vereinigten Staaten, Puerto Ricos, des von Somoza
regierten Nicaraguas und des von Pinochet regierten Chiles.
Nur acht Wochen später sollte das kubanische Flugzeug
in Barbados mit 73 Menschen an Bord mitten im Flug zerstört werden.
Hernán Ricardo und Freddy Lugo, zwei venezolanische Söldner,
die die Bomben während des Fluges von Trinidad-Tobago nach Barabados
legten und dort aus dem Flugzeug ausstiegen, kehrten nach Trinidad zurück,
wurden dort verhaftet und gestanden sofort ihre Beteiligung an dem
Verbrechen.
Der Polizeichef von Barbados erklärte vor einer
Untersuchungskommission, daß Ricardo und Lugo zugaben, für die CIA zu
arbeiten. Er fügte hinzu, daß Ricardo eine Karte der CIA aus der Tasche
gezogen habe und eine weitere, auf der die Regeln für den Gebrauch des
C-4-Plastiksprengstoffes erklärt wurden.
Am 24. Oktober 1976 kommentierte die New York Times,
daß „ die Terroristen, die während der letzten beiden Jahre eine
Attentatswelle in sieben Ländern entfesselten, Produkte und Instrumente
der CIA waren".
Die Zeitung Washington Post erklärte, daß die
bestätigten Kontakte mit der US-Botschaft in Venezuela „zweifeln ließen"
an der am 15. Oktober vom Außenminister der Vereinigten Staaten, Henry
Kissinger, abgegebenen Erklärung, in der es sinngemäß hieß, daß „
niemand, der mit der US-Regierung in Verbindung steht, mit der Sabotage
des [kubanischen] Flugzeugs zu tun hatte".
Der Korrespondent der mexikanischen Zeitung Excelsior
kommentierte damals von Port of Spain aus, daß „man mit dem Geständnis
von Hernán Ricardo Lozano, dem hier in Trinidad verhafteten Venezolaner,
über seine Verantwortung für das Attentat gegen ein Flugzeug der
Fluggesellschaft Cubana, das an der Küste von Barbados mit 73 Menschen an
Bord ins Meer stürzte, kurz davor ist, ein wichtiges gegen Castro
gerichtetes terroristisches Netzwerk aufzudecken, das in irgendeiner Weise
mit der CIA in Verbindung steht".
Die Zeitung Le Monde schrieb, daß die
Verbindungen der CIA zu terroristischen Gruppen kubanischer Herkunft, die
sich auf dem Boden der USA bewegten, öffentlich bekannt seien.
Viele der ernsthaftesten internationalen Presseorgane
äußerten sich im gleichen Sinn.
Luis Posada Carriles und Orlando Bosh, die geistigen
Urheber des terroristischen Verbrechens, seit 1960 mit der CIA in
Verbindung stehend, werden verhaftet und inmitten von kolossalem Druck
einem verworrenen, von Irregularitäten geprägten Prozeß unterworfen.
Die venezolanische Richterin Delia Esteba Moreno eröffnete ein
Justizverfahren gegen sie wegen Mord, Herstellung und Gebrauch von
Feuerwaffen und Herstellung und Tragens von gefälschten Dokumenten. Ihre
würdige Haltung weckte die heftige Reaktion der rechtsextremen
politischen Mafia.
Der General Elio García Barrios, Präsident des
Obersten Militärgerichts, behielt eine standhafte und entschlossene
Haltung bei, dank derer beide Terroristen einige Jahre im Gefängnis
verbringen mußten. Die terroristische Mafia von Miami rächte sich, indem
sie 1983 einen seiner Söhne mit Gewehrkugeln durchlöcherte.
Posada wird von der Cuban American National Foundation
(CANF) befreit, die 50 000 Dollar über Panama schickt, um die Flucht zu
finanzieren; am 18. August 1985 flieht Posada. Innerhalb von Stunden
taucht er in El Salvador auf. Dort besuchten ihn kurz nach seiner Ankunft
die wichtigsten Anführer der CANF. Es war die Zeit des schmutzigen
Krieges in Nicaragua. Sofort beginnt Posada unter Anleitung des Weißen
Hauses wichtige Aufgaben bei der luftgestützten Versorgung der
konterrevolutionären Banden in Nicaragua mit Waffen und Sprengkörpern zu
erfüllen.
Die kalte Zahl von 73 in Barbados ermordeten
unschuldigen Menschen sagt nicht alles aus über den Sinn und die
Tragweite der Tragödie.
Möglicherweise verstehen die US-Amerikaner dies
besser, wenn sie die Bevölkerung Kubas von vor 25 Jahren mit derjenigen
der Vereinigten Staaten vom 11. September 2001 vergleichen. Der Tod von 73
Personen in einem in der Luft zur Explosion gebrachten kubanischen
Flugzeug ist das, was es für das Volk der USA bedeuten würde, wenn
sieben Flugzeuge US-amerikanischer Airlines mit jeweils mehr als 300
Passagieren am gleichen Tag und zur gleichen Stunde durch eine
terroristische Verschwörung mitten im Flug zerstört würden.
Wenn wir ein bißchen weitergehen und die 3 478 Kubaner
berücksichtigen, die in mehr als 42 Jahren durch die aggressiven Aktionen
zu Tode gekommen sind, einschließlich der Schweinebucht-Invasion und
aller Terrorakte mit Ursprung in den USA, die Kuba erlitten hat, ist dies
so, als ob in den Vereinigten Staaten 88 434 Menschen umgekommen wären,
eine Zahl, die fast den US-Amerikanern entspricht, die in den Kriegen in
Korea und Vietnam zusammen starben.
All das, was ich hier anprangere, ist nicht von Gefühlen
des Hasses oder der Rachsucht erweckt. Ich verstehe, daß die
US-amerikanischen Regierungsbeamten nicht einmal den Wunsch haben, zu hören,
wie über diese heiklen Themen gesprochen wird. Sie sagen, man müsse nach
vorne schauen.
Es wäre blind, nicht zurückzuschauen, um zu erkennen,
wo die Fehler liegen, die nicht wiederholt werden dürfen, welche die Gründe
sind für große menschliche Tragödien, Kriege und andere Katastrophen,
die vielleicht hätten verhindert werden können. Es gibt keinen Grund,
warum es an irgendeinem Ort der Welt den Verlust von unschuldigen
Menschenleben geben müßte.
Wir haben aufgerufen zu dieser grandiosen Kundgebung
gegen den Terrorismus als eine Ehrerbietung und ein Tribut an die
Erinnerung unserer vor 25 Jahren in Barbados ums Leben gekommenen
Schwestern und Brüder, doch sie ist auch ein Ausdruck der Solidarität
mit den Tausenden von unschuldigen Menschen, die in New York und
Washington starben, und ein Ausdruck der Verurteilung des gegen sie
begangenen brutalen Verbrechens, auf der Suche nach Wegen, die zur reellen
und dauerhaften Beseitigung des Terrorismus, zum Frieden und nicht zu
einem blutigen und unendlichen Krieg führen.
Ich hege die tiefste Überzeugung, daß die in den
ersten 15 Jahren der Revolution aufgebauten Beziehungen zwischen den in
den USA gegen Kuba gegründeten Terrorgruppen und den US-Behörden niemals
abgebrochen wurden.
An einem Tag wie heute haben wir das Recht, uns zu
fragen, welche Maßnahmen ergriffen werden hinsichtlich Posada Carriles
und Orlando Bosh, die Verantwortlichen für den monströsen Terrorakt von
Barbados, und hinsichtlich derer, die die Bomben planten und finanzierten,
die in den Hotels der Hauptstadt gelegt wurden, sowie die Versuche zur
Ermordung von kubanischen Führungspersönlichkeiten, die in mehr als 40
Jahren nicht eine Minute aufgehört haben.
Man fordert nicht viel, wenn man verlangt, daß
Gerechtigkeit walten gelassen wird im Falle der Fachleute des Terrors, die
vom Staatsgebiet der USA selbst damit fortgefahren haben, ihre
zweifelhaften Methoden gegen unser Volk anzuwenden, um Terror zu säen und
die Wirtschaft eines angefeindeten und blockierten Landes zu zerstören,
dessen Territorium niemals ein terroristisches Gerät oder auch nur ein
Gramm Sprengstoff verlassen hat, um ihn in den Vereinigten Staaten
explodieren zu lassen. Niemals wurde als Folge einer aus Kuba kommenden
Aktion auch nur ein einziger US-Amerikaner getötet oder verletzt, noch
eine einzige große oder kleine Einrichtung in diesem immensen und reichen
Terroritorium auch nur im geringsten beschädigt.
In dem weltweiten Kampf gegen den Terrorismus, bei dem
wir verpflichtet sind, uns gemeinsam mit der UNO und dem Rest der Völkergemeinschaft
daran zu beteiligen, stehen uns die erforderliche moralische Autorität
und das Recht bei, die Beendigung des Terrorismus gegen Kuba zu verlangen.
Der Wirtschaftskrieg, dem unser Volk seit mehr als 40 Jahre unterworfen
ist, eine völkermörderische und brutale Aktion, muß ebenfalls beendet
werden.
Unsere in Barbados gestorbenen Schwestern und Brüder
sind nicht nur einzig und allein Märtyrer; sie sind auch Symbole des
Kampfes gegen den Terrorismus, sie erheben sich heute als Giganten in
dieser historischen Schlacht zur Beseitigung des Terrorismus vom Anglitz
der Erde, dieser abscheulichen Methode, die so viel Schaden verursacht und
ihre Liebsten und ihr Volk so hat leiden lassen; ein Volk, das bereits
beispielhafte Seiten in den Annalen seines Vaterlandes und seiner Epoche
geschrieben hat. Das Opfer ihres Lebens war nicht unnütz. Die
Ungerechtigkeit beginnt zu zittern angesichts eines energischen und
starken Volkes, daß vor 25 Jahren aus Wut und Schmerz weinte und das
heute aus Emotion, Hoffnung und Stolz weint, wenn es sich an sie erinnert.
Die Geschichte, mit aller ihrer Willkür, hat es so
gewollt.
Im Namen der Märtyrer von Barbados:
Sozialismus oder Tod!
Vaterland oder Tod!
Wir werden siegen!