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Havanna, 17. Oktober 2014

 

Der kontroverse Nobelpreis

Roberto F. Campos

Der Nobelpreis für Ökonomie, der dem Franzosen Jean Tirole für seine Arbeiten über die Macht der Märkte und ihre Regulierung verliehen wurde, wird von Experten als so widersprüchlich wie die Ökonomie selbst mit ihren Tendenzen und ungelösten Aufgaben eingeschätzt.

Der Franzose Jean Tirole erhielt die Auszeichnung für seine Studien über die Macht der Märkte und ihre Regulierung
Der Franzose Jean Tirole erhielt die Auszeichnung für seine Studien
über die Macht der Märkte und ihre Regulierung

Diese fast absolute Wahrheit wird von vielen Stimmen verkündet, die auch die Anzahl der Preise dieser Art in Händen von Vertretern der reichen Länder interpretieren, vor allem von denen aus den Vereinigten Staaten, in einer Zeit, in der sich die Waagschale der Welt den Krisen zuneigt, die von eben diesen ökonomischen Systemen hervorgerufen werden.

Der Preis als solcher, der unter dem Namen Nobelpreis für Ökonomie bekannt ist, wird von der Bank Schwedens – in Gedenken an Alfred Nobel – für Wirtschaftswissenschaften verliehen.

Besagte Auszeichnung wurde 1968 von der Bank Schwedens, der ältesten Zentralbank, aus Anlass ihres 300jährigen Bestehens eingerichtet.

Dieser Preis, über den die Königlich Wissenschaftliche Akademie Schwedens entscheidet, ist der, der die Reihe der Auszeichnungen dieser Art jedes Jahr im Oktober abschließt und er ist, wie der Friedensnobelpreis, unter nicht mehr als drei Personen teilbar.

Jedoch kommt für diesen Preis nicht die Nobel-Stiftung, sondern die bereits erwähnte Bank Schwedens auf, auch wenn die Preishöhe mit 10 Millionen Schwedischen Kronen den anderen Preisen entspricht.

Diese Anerkennung wurde von 1969 an bis heute an 71 Ökonomen verliehen.

Und genauso wie der Friedensnobelpreis mit seinen Kontroversen gibt auch der Wirtschaftspreis Anlass zu Kritik. Einige Stimmen fragen sich, warum die Mehrheit der Preisträger aus den reichen Ländern kommt und warum bei der Nominierung keine Lateinamerikaner berücksichtigt werden, die in ihren Ökonomien substantielle Veränderungen auf den Weg gebracht haben.

Wie einige Analysten feststellen, leitet der Preis sein Prestige aus der Verbindung mit den ursprünglichen Nobelpreisen ab, obwohl Alfred Nobel nie die Absicht bekundet hat, diese Disziplin zu prämieren.

Der Preisträger von 1974, Friedrich Hayek, ein Vertreter der Österreichischen Schule, erklärte beizeiten seine starke Ablehnung dem Preis gegenüber.

Er fügte hinzu, dass kein Mensch  als Referenz bei einem solch komplexen Thema wie der Ökonomie gelten sollte, während der Schwede Gunnar Myrdal, ein weiterer Preisträger, sich dafür aussprach, den Preis abzuschaffen, weil er an Reaktionäre wie ebendiesen Hayek verliehen werde.

Auf der anderen Seite rufen die Liste und die Wahl Zweifel hervor, weil sie vorzugsweise Ökonomen berücksichtigen, die als orthodox eingestuft werden und den heterodoxen Strömungen entgegenwirken, wodurch die Führerschaft der Vereinigten Staaten hervortritt.

Diese Kritiker weisen darauf hin, dass Tendenzen wie die Schule von Chicago prämiert werden, die gleich zehn Preise einheimste, und dass im Allgemeinen unter den Preisträgern zu 65% US-Bürger und zu 15% Briten sind.

Außerdem wurde bis jetzt nur eine Frau mit dem Preis bedacht (Elinor Ostrom, 2009).

In dieser Bilanz wir außerdem angedeutet, dass auch der Preis für Physiologie und Medizin  durch die Vorherrschaft der Vereinigten Staaten Schieflage aufweise, ohne dafür kritisiert zu werden.

Eine kürzlich aufgestellte Analyse über die Nobelpreise für Wissenschaften im Allgemeinen lenkt die Aufmerksamkeit darauf, wie selten man in diesen Listen auf einen Lateinamerikaner stößt.

Das hängt von den Investitionen der Regierungen in die Universitäten ab, obwohl in den letzten zwei Jahrzehnten die Anzahl der wissenschaftlichen Arbeiten, die aus lateinamerikanischen Zentren stammen, sich versechsfacht hat und 4,3 % der weltweit publizierten Studien ausmacht. (PL)

 

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