Politische Gefangene des Imperiums MIAMI 5       

     

   

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U N S E R - A M E R I K A

Havanna, 4 September 2014

 

100 JAHRE PANAMAKANAL
Ein bittersüßes Jubiläum

ALS 1881 mit dem Bau begonnen wurde, war Panama noch überhaupt kein Staat, sondern eine Provinz, die zu Kolumbien gehörte.

Die ersten, die sich an dem Mammutwerk versuchten, waren die Franzosen unter Leitung von Ferdinand de Lesseps, dem der Ruhm vorauseilte, den Suezkanal erbaut zu haben. Aber dort hatte man es mit Wüstenbedingungen zu tun gehabt. Dies dagegen waren die Tropen! Hier lauerten Malaria, Cholera, Dengue, Gelbfieber. Als etwa zehn Jahre später die Franzosen das Projekt entnervt aufgaben, spielte neben technischen und Finanzierungsproblemen vor allem der Umstand eine Rolle, dass ihnen die Arbeiter wegstarben. An die 22.000 wurden durch Tropenkrankheiten dahingerafft. Beim Weiterbau des Kanals durch die USA waren dann bis zu seiner Fertigstellung im Jahre 1914 „nur" noch zirka 5.000 weitere Opfer zu verzeichnen. Dass die Zahl so rückläufig war, wird zu einem nicht geringen Anteil einem kubanischen Wissenschaftler zugeschrieben, dem Epidemologen Carlos J. Finlay. Besonders seine intensiven Studien zum Gelbfieber, der schrecklichsten Geißel in der Panamakanalzone, halfen dabei, die Seuche mit knapper Not in den Griff zu bekommen. Manche versteigen sich zu der Behauptung, dass, wenn die Empfehlungen und Verhaltensmaßregeln von Finlay nicht gewesen wären, man den Kanal überhaupt nicht hätte zu Ende bauen können.

PANAMA WIRD ZUR NEOKOLONIE DER USA

Nachdem die Franzosen sich zurückgezogen hatten, übernahmen die Vereinigten Staaten von Amerika, die die Kontrolle über den Kanal als wichtigen Schritt auf dem Weg zur Weltmacht ansahen. Aber die Vorzeichen waren andere. Mit den Bedingungen, die der damalige US-Präsident Theodore Roosevelt anzubieten hatte, waren die Kolumbianer nicht einverstanden. Als sie die Autorisierung zum Weiterbau verweigerten, setzte Roosevelt seine Doktrin des „großen Knüppels" in Kraft. Er hatte einmal geäußert: „Sprich leise, aber immer mit einem großen Stock in der Hand. So kommst du weit." Der Einsatz des „Stockes" bestand darin, dass Roosevelt die separatistischen Kräfte der kolumbianischen Provinz Panama unterstützte, auch mit Entsendung eigener Truppen, und auf diese Weise Panama im November 1903 zur Unabhängigkeit verhalf. Nach dieser „großzügigen" Gabe durften die Vereinigten Staaten den Kanal natürlich weiterbauen.

Die USA breiteten sich aus. Unbehindert durch eine von Anfang an schwache panamaische Regierung schufen sie eine Enklave mit einem „Gouverneur" an der Spitze, in der die Gesetze des Staates Louisiana angewandt wurden. Die Zone umfasste 1.432 Quadratkilometer. Sie breitete sich 8,1 km zu beiden Seiten des Kanals aus und wurde von privilegierten US-amerikanischen Zivilisten bewohnt. Diese sogenannten „zonians", wurden von Streitkräften beschützt.

Obwohl es von Beginn des 20. Jahrhunderts an bereits Proteste der Bevölkerung Panamas gegen das Gebaren der Vereinigten Staaten in der Kanalzone gegeben hatte, eskalierte die Lage erst im Januar 1964, als Nordamerikaner eine panamaische Flagge zerstörten, die eine Gruppe von Studenten hatte hissen wollen. 23 Tote und 600 Verletzte waren die Bilanz des Aufruhrs. Beide Länder brachen die Beziehungen zueinander ab.

TORRIJOS-CARTER VERTRAG UND DIE FOLGEN

Ende der 60er Jahre kam General Torrijos an die Macht. Er wollte den Kanal, der sein Land die Souveränität gekostet hatte, den Panamaern zurückgeben. Im Innern des Landes kam es zu einer starken Protestbewegung und einige Regierungen der Region machten die Sache Panamas zu ihrer eigenen. Nach langem Kampf auf internationaler Ebene kam es 1977 zu dem historischen Vertragsabschluss zwischen US-Präsident Carter und Omar Torrijos, der Panama für das Jahr 1999 die völlige Übergabe des Kanals zusicherte. Torrijos selbst konnte diesen Erfolg nicht mehr erleben, da er 1981 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Sein Flugzeug explodierte in der Luft und die mysteriösen Umstände, die dazu führten, konnten nie geklärt werden, aber vieles spricht dafür, dass es sich um ein Attentat handelte.

Die späteren US-Präsidenten haben Präsident Carter nie verziehen, dass er dafür gesorgt hatte, Panama die Souveränität über den Kanal zurückzugeben. Wenn man schon den Kanal an Panama verlieren würde, wollte man wenigstens einen treuen Gefolgsmann. Den fand man zunächst in General Manuel Noriega. In den USA wusste man von dessen Verbindungen zum Drogenhandel und den kriminellen Machenschaften und hatte ihn damit in der Hand.

1981 war aber auch seine Zeit abgelaufen und die Regierung von H.W. Bush wollte ihn loswerden, weil er ihren Erwartungen nicht mehr entsprach. Die offizielle Erklärung war, man müsse ihn festnehmen und so den Drogenhandel bekämpfen. Das allerdings hätte man bei den diversen Treffen mit dem General oder mit einem Einsatzkommando erreichen können.

In der Nacht zum 20. Dezember 1989 griffen die USA mit Jagdbombern vom Typ F117-A Stealth an und warfen insgesamt 422 Bomben mit je 1,900 kg Sprengkraft auf Luftwaffen- und Marinestützpunkte, Flughäfen und Kasernen, ohne dass man eine Gegenwehr befürchten musste. Aber auch Wohnviertel wie das dicht bevölkerte El Chorrillo und andere wurden gezielt bombardiert. Das alles geschah ohne irgendeine vorherige Kriegserklärung und überraschte die Bevölkerung im Schlaf. Die Luftattacken machten den Weg frei für die Invasion von 26.000 bis an die Zähne bewaffnete Soldaten, die trotz ihrer Übermacht auf heftigen Widerstand in der Bevölkerung trafen. Die Umgebung der bombardierten Gebiete wurde sofort hermetisch abgeriegelt und Medien und Besuchern wurde der Zugang verwehrt.

Der frühere US-Justizminister Ramsey Clark schätzt, dass 7.000 Menschen bei der Invasion ums Leben kamen, andere Quellen sprechen von 2.500 Toten.

Kein vernünftiger Mensch wird der offiziellen Version Glauben schenken, dass 422 Bomben, zerstörte Militäranlagen, zerbombte Wohnviertel und Tausende von Toten nötig waren, um Manuel Noriega festnehmen zu können.

Das wahre Ziel dieser Operation war ein völlig anderes. Die Streitkräfte Panamas, die gemäß dem Torrijos-Carter Vertrag ab dem Jahr 1999 allein für die Überwachung des Kanals zuständig sein würden, sollten zerstört werden. Wenn erst einmal das Heer Panamas eliminiert wäre, würden die US-Truppen dableiben und eine Regierung zu finden versuchen, die einverstanden wäre, den Vertrag zu annullieren, in dem Panamas Souveränität über den Kanal festgelegt war.

DER PANAMAKANAL DEN PANAMAERN

Das ist aber nicht geschehen. Das Volk hat den Kanal verteidigt und er ist 1999 an Panama übergegangen. Seitdem wird er ausschließlich von den legitimen Eigentümern betrieben und verwaltet.

Inzwischen sind 15 Jahre vergangen. Wenn der Kanal weiter in den Händen der Vereinigten Staaten verblieben wäre, hätte Panama in diesem Zeitraum kaum 290 Millionen Dollar eingenommen. Dank des Torrijos-Carter-Vertrags hat der Kanal dem Land aber fast 10 Milliarden Dollar eingebracht. Im Jahre 2006 stimmten die Panamaer in einem Referendum für eine Erweiterung des Kanals. Ein Jahr später begann man, die Entscheidung umzusetzen. Es wird zur Zeit eine dritte Spur für die Post-Panamax Schiffe gebaut, die eine Kapazität für 12.000 bis 15.000 Container haben, dreimal soviel wie bisher.

Im August dieses Jahres wurde der Kanal nun 100 Jahre alt. Ein bittersüßes Jubiläum. Seinen Bau haben 27.000 Menschen mit dem Leben bezahlt. Der Kanal hat dazu geführt, dass Panama kolonisiert wurde und seine Souveränität verlor. Der Versuch der USA, ihre Hegemonie über das Land zu behalten, hat weitere Tausende von Panamaern das Leben gekostet. Das zeigt, wie wichtig es ist, dass die Völker über solche Megaprojekte bestimmen, damit diese nicht wieder einer Hegemonialmacht als Sprungbrett dienen, erneut ein Land zu kolonisieren.
 

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