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U N S E R - A M E R I K A

Havanna, 4 September 2014

 

Ein Seeweg für Nicaragua
und die Welt

Lianet Arias Sosa

SCHON lange träumte Nicaragua von dem Projekt eines Kanals zwischen den Ozeanen. Seine definitive Streckenführung wurde erst kürzlich bekannt, aber schon jetzt ist klar, dass es sich um ein Werk handelt, von dem die ganze Welt profitieren und das dieser Nation Mittelamerikas zu wirtschaftlichem Aufschwung verhelfen wird.

Die Idee, einen Weg zu schaffen, der den Atlantischen mit dem Pazifischen Ozean verbinden sollte, wurde in diesem Teil der Welt schon seit Jahrhunderten diskutiert. Auch die Vereinigten Staaten ließen Ende des XIX Jahrhunderts eine Studie erstellen, die über die Durchführbarkeit eines solch großen Kanals und die damit verbundenen Kosten Aufschluss geben sollte.

Auch wenn die Vereinigten Staaten mit einem solchen Kanal Herrschaftsansprüche verbanden, beweist das Dokument doch, wie lange schon ein Interesse an diesem Projekt besteht, das auch von Nicaraguas Nationalheld Augusto César Sandino aus einer lateinamerikanischen Perspektive der Befreiung heraus entwickelt wurde.

Im Jahr 1929 machte Sandino, der „General der Freien Menschen", der den Kampf Nicaraguas gegen die US-Intervention Ende des zweiten Jahrzehnts des letzten Jahrhunderts anführte, seine Position im Dokument „Der größte Traum Bolivars" (El supremo sueño de Bolívar) deutlich.

Darin sprach er von der Sehnsucht Nicaraguas, einen eigenen Kanal zu besitzen und verteidigte diese Idee auch im Hinblick auf die Einheit und die Integration zum Wohl aller Völker Lateinamerikas und der Karibik, woran Präsident Ortega im Mai 2013 erinnerte.

Einen Monat nach dieser Rede des Präsidenten unterschrieb die Regierung Nicaraguas ein Rahmenabkommen mit dem chinesischen Unternehmen HKND über den Bau eines solchen Wegs, wofür laut Schätzungen 40 Milliarden Dollar veranschlagt werden müssen.

Seit dem letzten Jahr beginnen viele Unternehmer, Regierungen und Kommunikationsmedien, Interesse an diesem Projekt zu zeigen, das schließlich auf den Titelseiten landete, als die definitive Route des Kanals bekannt gegeben wurde.

Wie Sprecher des Konzessionärs HKND und Vertreter der Regierung erklärten, werde die Strecke etwa 278 km lang sein. Davon verliefen 105 km durch den Cocibolca See, den größten See Mittelamerikas.

Weiter verlaufe die Strecke durch die Mündung des Brito Flusses etwa 110 Kilometer südöstlich von Managua, durchquere den See und gehe über den Tule Fluss bis zur Mündung des Punta Gorda in der Autonomen Region Südlicher Atlantik.

Der Kanal wird zwischen 230 und 250 Meter breit und zwischen 26 und 30 Meter tief sein.

Die Vorstellung der Route wurde als wichtiger Schritt auf dem Weg zur konkreten Durchführung des Projekts gesehen, in Zeiten, in denen Experten ein Anwachsen des Welthandels auf mehr als das Dreifache für die nächsten Jahre prognostizieren.

Daraus ergebe sich ein höherer Bedarf an Schiffskapazität, was im nächsten Jahrzehnt zu einem Stau im Panama Kanal führe, sagte Alberto Vega vom ERM Unternehmen, das mit den Studien zur Durchführbarkeit des Projekts beauftragt wurde.

Er legte außerdem dar, dass die immer größer werdenden Schiffe die Kapazität der bestehenden Kanäle überschreiten würden und dass ein zweiter interozeanischer Kanal in Mittelamerika dazu beitragen werde, die Nachfrage preisgünstiger zu befriedigen.

Der Vertreter des chinesischen Unternehmens HKND bestätigte, dass ein Kanal wie dieser in Nicaragua 5 % des für den Welthandel erforderlichen Transports bewältigen könne.

Sicher ist, dass der interozeanische Übergang jährlich die Durchfahrt von 5.100 Schiffen ermöglichen wird, darunter auch großräumige, die den Panama Kanal nicht durchfahren können. Die für die Durchfahrt benötigte Zeit wird etwa 30 Stunden betragen.

Wenn das Megaprojekt einmal verwirklicht ist, sehen die Fachleute, Abgeordneten, Unternehmer, die Bewohner, die Regierung und HKND neben den Vorteilen für den Welthandel einen wirklichen wirtschaftlichen Aufschwung in diesem zweitärmsten Land Amerikas.

Das Werk umfasst nicht nur den Kanal als solchen, sondern weitere Teilprojekte wie einen Flughafen, diverse Straßen, eine Freihandelszone, touristische Einrichtungen und zwei Häfen, einer am Pazifik und einer am Atlantik.

Yunsong hob die ökonomischen Vorteile hervor, die dieses große infrastrukturelle Werk für das Land mit sich bringe. Es könne, so sagte er, das Bruttoinlandprodukt verdoppeln und Nicaragua in eines der reichsten Länder Mittelamerikas verwandeln.

Viele sehen in diesem Kanal den Weg, der das Land vollständig aus der Armut befreit, eine Priorität der Regierung des Präsidenten Ortega, der das Land seit 2007 regiert und dem es bereits gelungen ist, dieses Übel in den letzten Jahren um 8 % zu reduzieren.

EIN UMWELTFREUNDLICHES PROJEKT

Trotz der hohen ökonomischen Erwartungen haben die Förderer des Projekts, wie sie versichern, den Umweltschutz nicht vernachlässigt.

Nach einem Treffen mit dem HKND Präsidenten Wang Jing versicherte Nicaraguas Präsident Ortega, dass die ausgesuchte Route von den vielen zur Auswahl stehenden Varianten diejenige mit den geringsten Auswirkungen auf die Umwelt und die Bevölkerung sei. Es sei nicht die kostengünstigste, aber die umweltfreundlichste, betonte er.

In diesem Sinne äußerte sich auch Jing, der hervorhob, dass HKND von Anfang an sein Augenmerk auf den Schutz der Umwelt und die sozialen Auswirkungen gelegt habe.

„Wir übernehmen die Verantwortung nicht nur für das Glück dieser Generation des nicaraguanischen Volkes, sondern auch für das der zukünftigen Generationen", sagte der Unternehmer.

Während der Vorstellung des Projekts machte HKND deutlich, dass der interozeanische Kanal die Wasserhöhe des Cocibolca Sees nicht wesentlich beeinträchtige.

Auch werde die Wasserversorgung der Bevölkerung in dieser Gegend nicht in Mitleidenschaft gezogen. Yunsong machte deutlich, dass das Wasser für den Kanal hauptsächlich aus dem Flussbett des Punta Gorda Flusses abgeleitet werde.

Dadurch würden Ressourcen erzeugt, um das Naturschutzgebiet Bosawás, das größte Nicaraguas, zu retten, erklärte Ortega. Augenblicklich befinde es sich im Niedergang. Dafür seien verschiedene Faktoren verantwortlich, unter anderem die immer weiter fortschreitende Ackerlandgrenze.

Innerhalb dieser Konzeptionen schreitet das Projekt voran, das die Beteiligung angesehener ausländischer Firmen und, vor allem bei den Nebenarbeiten, von kleinen, mittleren und großen nicaraguanischen Unternehmen vorsieht. (PL)
 

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