Politische Gefangene des Imperiums MIAMI 5       

     

   

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U N S E R - A M E R I K A

Havanna, 30 September 2014

 

Borikén, ein Steinchen im Schuh der Vereinigten Staaten

Am 11. April 1899 tauschten die Vereinigten Staaten und Spanien die Ratifikationsurkunden des Pariser Vertrages aus, der ein Jahr zuvor unterschrieben worden war. Zu den Ländern, die den Besitzer wechselten, gehörte Puerto Rico, das bis auf den heutigen Tag eine Kolonie des US-Imperiums ist

Lídice Valenzuela García

BORIKÉN ist der Name, den die Urvölker dem Archipel gaben, dessen Hauptinsel Puerto Rico ist. Das Land lebt in diesem 21. Jahrhundert versklavt durch einen Vertrag, der 1898 von Spanien und den Vereinigten Staaten unterschrieben wurde, ein Umstand, der auf großen internationalen Foren Ablehnung erfährt dank des Widerstandes der nationalistischen Bewegungen der kleinen Karibikinsel, die seit Jahrzehnten für die Erlangung ihrer Unabhängigkeit kämpft. Washington, das sich weigert, die Souveränität den Boricuas zurückzugeben, die sich, seit Christoph Kolumbus 1493 dort an Land ging, in ausländischer Hand befanden, hält seine Bürgerschaft in einer Art juristischem Schwebezustand. Das mächtige Imperium des Nordens lässt Puerto Rico nicht als einen seiner Staaten zu, gibt es aber auch nicht seinen legitimen Eigentümern zurück, da die USA großes Interesse an dieser Enklave haben, unter anderem aus militärischen Gründen. Von daher war es für ihre Zwecke die beste Idee, sie pompös zum Freien Assoziierten Staat zu erklären.

In der Grafik sieht man die US-Militärbasen in Puerto Rico. Die Vereinigten Staaten bemächtigten sich Ende des 19. Jahrhunderts mit Gewalt dieser Antilleninsel, indem sie die Schwäche des spanischen Kolonialreichs ausnutzten
In der Grafik sieht man die US-Militärbasen in Puerto Rico. Die Vereinigten Staaten bemächtigten sich Ende des 19. Jahrhunderts mit Gewalt dieser Antilleninsel, indem sie die Schwäche des spanischen Kolonialreichs ausnutzten

Am 11. April 1899 tauschte die US-Regierung mit dem spanischen Königreich die Ratifizierungsurkunden des Pariser Vertrages aus, der ein Jahr zuvor in der französischen Hauptstadt auf allerhöchster Ebene als krönender Abschluss ihrer Einmischung in den hispano-kubanischen Krieg unterschrieben worden war. Mit diesem Dokument konnten sich die USA verschiedene Gebiete aneignen, die für die neue Geopolitik, die sie für die karibische Region des 20. Jahrhunderts entworfen hatten, wichtig waren.

Mit dieser scheinbar diplomatischen Geste bemächtigten sich die USA auch der restlichen spanischen Besitztümer in der Karibik und in der pazifischen Region, nämlich Puerto Ricos, Kubas, Guams und der Philippinen. Was Kuba anging,  so planten die damaligen Strategen, dessen Territorium zu besetzen, um den Kreolen später eine Unabhängigkeit zu gewähren, die sie bereits auf dem Schlachtfeld gegen die Spanier gewonnen hatten. Die angebliche Rettung durch die Ankunft der Schiffe des Imperiums prägte die Geschichte dieses Landes, das sich von da an bis 1959 den politischen und ökonomischen Interessen Washingtons unterordnen musste.

Seit dem Tag, an dem Präsident William McKinley den Vertragstext in Paris unterzeichnete, ist Puerto Rico ein Steinchen im Schuh der Vereinigten Staaten
Seit dem Tag, an dem Präsident William McKinley den Vertragstext in Paris unterzeichnete, ist Puerto Rico ein Steinchen im Schuh der Vereinigten Staaten

Mit der Unterschrift unter das Pariser Dokument wurde der hispano-kubanische Krieg für beendet erklärt. Das imperiale Regime nutzte seinen Zugriff auf Kuba, um weiter zu expandieren, nachdem es sich fast 100 Jahre lang unter verschiedenen Doktrinen trickreich Gebiete angeeignet hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatte es unter anderem bereits Louisiana, Oregon, Kalifornien, Texas und New Mexico gekauft, aber sein Ehrgeiz führte es in die Karibik unter dem Schutz einer Flotte, die von seiner militärischen Macht zeugte.

EIN STEINCHEN IM SCHUH

Seit Präsident William Mc Kinley den Pariser Vertrag unterzeichnet hatte, ist Puerto Rico ein Steinchen im Schuh der Vereinigten Staaten, auch wenn in Volksabstimmungen über eine eventuelle Wiedererlangung der Souveränität die Mehrheit der Bevölkerung diese wegen der wirtschaftlichen Abhängigkeit des Freien Assoziierten Staates und der mehrere Generationen währenden  Durchdringung mit US-Kultur ablehnte.

Aber die Puerto-Ricaner, die eine unabhängige Nation wollen, kämpfen seit Jahrzehnten einen ungleichen Kampf, um die Freiheit der Insel wieder zu erlangen. Dazu setzen sie verschiedene Kampfesformen ein, von Aktionen auf der Straße bis zu Diskussionen in der UNO über diesen obsoleten Fall einer Kolonialisierung im 21. Jahrhundert.

Protestmarsch für die Unabhängigkeit in San Juan, der puerto-ricanischen Hauptstadt. Die Unabhängigkeitsbewegung innerhalb des puerto-ricanischen Volkes wird immer stärker
Protestmarsch für die Unabhängigkeit in San Juan, der puerto-ricanischen Hauptstadt. Die Unabhängigkeitsbewegung innerhalb des puerto-ricanischen Volkes wird immer stärker

Die neuen demokratischen Regierungen in Lateinamerika und der Karibik haben sich den Bemühungen derer angeschlossen, die die vollständige Freiheit des Freien Assoziierten Staates von den Vereinigten Staaten wünschen. Es gibt wichtige Zeichen der Solidarität mit den Puerto-Ricanern. Ein Beispiel dafür sind die Abstimmungen im UNO-Komitee für Dekolonialisierung zugunsten der Souveränität für die Insel und die Unterstützung in anderen internationalen Foren, wie der Gemeinschaft Lateinamerikanischer und Karibischer Staaten (CELAC), der größten einenden und integrativen Kraft, die zur Zeit in diesem Teil der Welt besteht.

Im letzten Jahr behandelte das UNO-Komitee zur Dekolonialisierung erneut auf Antrag Kubas hin, das mit Puero Rico die Geschichte und die geographische Nähe gemeinsam hat, und unter der Schirmherrschaft anderer lateinamerikanischer Staaten die Situation Puerto Ricos. Das ist eine diplomatische Übung, die vor dieser Instanz seit mehr als drei Jahrzehnten durchgeführt und von Washington nicht beachtet wird.

Der politische Gefangene Oscar López Rivera ist seit 32 Jahren in den USA im Gefängnis. Sein  einziges Verbrechen besteht darin, die Unabhängigkeit für sein Land zu wollen
Der politische Gefangene Oscar López Rivera ist seit 32 Jahren in den USA im Gefängnis. Sein  einziges Verbrechen besteht darin, die Unabhängigkeit für sein Land zu wollen

Vor den Delegierten der 193 Staaten, die dieser Weltorganisation angehören, stellte der turnusmäßige Vertreter Kubas vor der UNO, Oscar León, einen Resolutionsentwurf über das unveräußerliche Recht Puerto Ricos auf freie Selbstbestimmung und Unabhängigkeit vor, der auch von Venezuela, Nicaragua, Bolivien und Ecuador miteingebracht wurde.

Das war ein Vorgang, den die UNO bereits kannte. Das Recht der Puerto-Ricaner auf ihre Souveränität ist seit 1972 in 31 angenommenen Resolutionen und Beschlüssen von dieser Instanz anerkannt worden.

Trotzdem bekannte León, dass es in all diesen Jahren auf der Suche nach einer definitiven Lösung der bestehenden kolonialen Situation, die den Puerto-Ricanern erlauben würde, frei über ihre politische Verfassung zu bestimmen und ohne Einmischung von außen ihre politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Vorstellungen zu verwirklichen, wenig Fortschritte gegeben habe.

Im Resolutionsentwurf wurde der Präsident der Vereinigten Staaten außerdem aufgefordert, die politischen Gefangenen Oscar López Rivera, seit 32 Jahren im Gefängnis, und Norberto González Claudio freizulassen, die beide ungerechte Strafen für ihren Unabhängigkeitswillen erleiden.

Die Aufnahme des Themas Puerto Rico in den 2.CELAC Gipfel, der in Havanna stattfand, stärkte den Bemühungen der puerto-ricanischen Patrioten den Rücken. Vertreter der politischen Bewegungen für die nationale Souveränität Puerto Ricos reisten als Gäste nach Havanna, um an den Aktivitäten teilzunehmen, die den Gipfel begleiteten.

„Wir bekräftigen den lateinamerikanischen und karibischen Charakter Puerto Ricos und beziehen uns dabei auf die Resolutionen zu Puerto Rico, die vom Sonderkomitee für Dekolonialisierung der Vereinten Nationen angenommen wurden und bestätigen, dass dies eine Angelegenheit im Interesse der CELAC ist“ , heißt es in der Abschlusserklärung des Gipfels, die von 29 Staats- und Regierungschefs verabschiedet wurde, die in der kubanischen Hauptstadt zusammen gekommen waren.

Der Kampf für die Befreiung Puerto Ricos ist lang und schwierig. Die Vereinigten Staaten sind ein mächtiger Feind, der hinter den Kulissen regiert und sich dieses Juwel aus der karibischen Krone nicht wegnehmen lassen wird. Er wird sich aber auch nicht über die Gefühle eines großen Teiles der vier Millionen Puerto-Ricaner hinwegsetzen können, die auf der Straße und in der Öffentlichkeit protestieren, in einem immer wieder neu aufgenommenen Kampf, der irgendwann Puerto Rico in die freien Länder der Karibik einreihen wird. (Entnommen aus Cubahora) •

PUERTO RICO, offiziell Frei Assoziierter Staat von Puerto Rico, ist von dem UNO-Komitee für Dekolonialisierung als ein Kolonialfall angezeigt worden und sein Volk hat einen langen Kampf für die Anerkennung seiner Unabhängigkeit geführt. Es ist ein Archipel, der aus einer großen Insel und anderen angrenzenden kleineren Inseln besteht. Die Hauptstadt des Landes ist San Juan de Puerto Rico. •

DIE VEREINIGTEN STAATEN griffen in die puerto-ricanische Geschichte ein, als sie am 25. Juli 1898 während des hispano-kubanisch-amerikanischen Krieges auf der Insel einmarschierten. Am 10. Dezember 1898 wurde der  Vertrag von Paris in Abwesenheit der Vertreter des Territoriums, um das es ging, unterzeichnet. Durch ihn wurden Puerto Rico und die restlichen Kolonien des spanischen Imperiums (Kuba und die Philippinen) am 11. April 1899 an die Vereinigten Staaten übergeben.
 

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