Politische Gefangene des Imperiums MIAMI 5       

     

   

NUR TEXT |   FEEDS RSS  

S P O R T

Havanna, 30. Oktober 2014

 

Kubanische Baseballspieler in der Major League
Unter Vertrag oder in den Fängen
der US-Gesetze?

Oscar Sánchez Serra

Nichts in der heutigen Welt des Sports läuft mehr ohne große Mengen grüner Scheinchen. Der harte Wettbewerb erfordert Geld, viel Geld. Auf der einen Seite verteuert der technologische Fortschritt Geräte und Einrichtungen auf astronomische Weise, auf der anderen haben die übermäßige Kommerzialisierung und der Professionalismus Wettkämpfe, Wettbewerbsteilnehmer und den Sport allgemein zu einem der profitabelsten Geschäfte gemacht.

So sehr man auch versucht, der Sache den ideologischen und politischen Hintergrund zu nehmen - man muss kein Gelehrter sein, um zu merken, dass Kommerzialisierung und Professionalismus Kinder des Kapitalismus und der herrschenden Weltwirtschaftsordnung sind. Sie brauchen die Marktregeln und den Warenfluss. Und dieser verläuft wie in jeder anderen Branche von Süd nach Nord.

Die Millionen bewirken natürlich eine beschleunigte Entwicklung, machen eine hochwertige Show möglich, die körperliche Perfektionierung der Athleten, was diese zu unerwarteten Leistungen führt. Sie bringen aber auch Doping mit sich (eine Falle, die so gefährlich ist, dass sie einige Sportler bereits das Leben gekostet hat); Korruption, die sogar die Kuppel des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) erreicht hat; den Kauf und Raub von Athleten, mit dem vielen kleinen Ländern ihre Talente weggenommen werden. Kuba ist dabei ein bevorzugtes Ziel, und insbesondere unser Baseball.

Euphemistisch behaupten die Diebe selbst, dass es die Spieler sind, die in die Freiheit fliehen, aber, von was für einer Freiheit reden wir?

Warum hat keines der 30 Teams der Major League Baseball (MLB) Interesse daran gezeigt, kubanische Baseball-Spieler nach den normalen Regeln ihrer Einstellungspolitik für Baseballspieler aus anderen Ländern unter Vertrag zu nehmen? Warum haben sie sich nicht an den Kubanischen Baseballverband gewandt, statt die Spieler dem internationalen Verbrechen des Menschenhandels zu überlassen?

Wahr ist, dass sie im so genannten Land der Freiheit keine Freiheit dafür haben. Ein Bundesgesetz, das außerdem versucht, diese Insel auszuhungern, und verhindert, dass ein Medikament an ein krankes Kind gelangt, verbietet auch den Besitzern von Baseball-Teams eine derartige Annäherung. Das ist keine kommunistische Rhetorik. Dieses Rechtsinstrument, bekannt als wirtschaftliche, kommerzielle und finanzielle Blockade gegen Kuba mit mehr als 50 Jahren Dauer und mehr als 20 Verurteilungen durch die internationale Gemeinschaft, und das auch vom US-amerikanischen Volk nicht unterstützt wird, erlaubt es ihnen nicht, kubanische Baseball-Spieler nach ihrem Belieben einzustellen.

Aber wer das Gesetz erfindet, kreiert auch die Tricks zu seiner Umgehung. Ein weiterer Gesetzestext besagt, dass wenn Kubaner US-amerikanischen Boden betreten, auf welchem Weg – wie Menschenhandel - es auch sei, sie automatisch ein Recht auf Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis haben. Das bekannte und gleichermaßen kriminelle Cuban Adjustment Act, auch Anpassungsgesetz genannt, wird auch auf die Baseballspieler angewandt.

Das heißt, Baseball-Spieler, die an unserer Landesmeisterschaft teilnehmen, diejenigen, die die Uniform der Nationalmannschaft tragen, die die Qualität der MLB zu schätzen wissen und sich dort gern testen würden, oder die Besitzer und Sport-Manager dieser Teams, die Interesse an ihnen haben, sind einer normalen Beziehung beraubt, wie sie heute mehr als 240 Athleten aus 16 Ländern mit dieser Organisation haben, die an dem Elite-Turnier in den Vereinigten Staaten teilnehmen. Mit anderen Worten: Kubanische Baseballspieler sind vertragsberechtigt, wenn sie sich von Kuba lossagen.

Man darf nicht naiv sein. Der schäbige Grund, aus dem sie unsere Baseballspieler zwingen, den Baseball ihres Landes aufzugeben, wo er, wie in den Vereinigten Staaten, Leidenschaft, nationale Identität und Kultur ist, wo sie Idole sind und von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen bewundert werden, besteht darin, die Helden in Verräter zu verwandeln, und dazu wenden sie Millionen auf. Jede Ähnlichkeit mit der unkonventionellen Kriegsführung ist kein Zufall.
Mehr als ein Dutzend kubanische Spieler, die diesen Weg gegangen sind, zeigen hervorragende Ergebnisse in der MLB. Beispiele sind José Dariel Abreu aus Cienfuegos, mit 36 Home Runs, 107 erzielten Runs und einem Trefferdurchschnitt von 317, abgesehen vom besten Slugging-Parameter von 581; Yasiel Puig (Trefferdurchschnitt 297), ebenfalls aus Cienfuegos, oder der Werfer aus Holguín Aroldis Chapman mit 104 Strikeouts in 53 Innings und 35 Saves. Dies bestätigt nur die Qualität des Baseballs in Kuba und der Ausbildung, die sie hier erhalten haben.

Ich erinnere mich, wie im Jahr 1999 bei einer Pressekonferenz vor dem zweiten Treffen mit Baltimore Orioles jemand den Starspieler aus Camagüey Luis Ulacia fragte, ob er nicht in der Major Leage spielen möchte. Er antwortete: „Klar, hier wird ein großartiger Baseball gespielt, und wir würden ihn gern spielen, aber wenn ich dafür ein Boot nehmen und aus meinem Land fliehen und mein Leben riskieren muss, nein, danke."

Derselbe Mangel an Freiheit, der ein Vertragsverhältnis mit unseren Spielern verhindert, verbietet auch den Spielern, die den Weg der illegalen Migration gewählt haben, ihr Land bei internationalen Großveranstaltungen zu vertreten. Es ist nicht Kuba, sondern es sind die Gesetze, mit denen sie „angepasst" wurden, die verhindern, dass sie für Kuba antreten, denn sie sind nicht mehr frei, um dieses souveräne Recht auszuüben.

Aufsehen erregte im Juli die Ankunft von Antonio Pacheco, des „Kapitäns der Kapitäne", in Tampa, Florida. Eine Lawine von Pressedepeschen überschwemmte den Äther, denn der Mann mit den meisten Treffern im kubanischen Baseball, 18 Jahre lang zweiter Baseman der Nationalmannschaft, einer der besten kubanischen Spieler in der reichen Geschichte unseres Volkssports, hat vor, ein MLB-Team zu trainieren oder zu leiten. Pacheco war und ist ein Ergebnis der Arbeit der kubanischen Revolution für den Sport, wie es auch diejenigen sind, die heute dort erfolgreich spielen. Er wird für all das verehrt und in Erinnerung bleiben, was er getan hat, um die Fans zu begeistern. Er ist jedoch ein weiteres Opfer. Er selbst hat erklärt, sich auf das Anpassungsgesetz zu berufen, nachdem er beschlossen hatte, seine Tätigkeit in Kanada abzubrechen, wo er an einer Baseball-Akademie tätig war.

Er besitzt die Fähigkeit und die im Ausbildungsprozess in Kuba erworbene Vorbereitung, um eine derartige Tätigkeit auszuüben, und gleich denen, die die Stadien-Tribünen der MLB begeistern, wird es ihm nach diesem Schritt, angepasst an die Gesetze und die Politik der Vereinigten Staaten gegen Kuba, nicht an Angeboten fehlen. Sein kubanisches Sport-Diplom und die Erfahrungen in seinem Land als Spieler und Manager werden ihm eine große Summe Geld einbringen. Seine wirtschaftliche Situation wird sich verbessern, er wird Wohlstand genießen, aber wird er glücklich sein?

Die Vereinigten Staaten haben in ihrem Krieg gegen Kuba nicht eine Minute geruht. Seit über 50 Jahren führen sie ihn mit offener Aggressivität oder mit Subversion. Und eine der Fronten ist der Baseball.
 

                                                                                                  ARTIKEL DRUCKEN


Generaldirektor: Pelayo Terry Cuervo. Chefredakteur: Gustavo Becerra Estorino
Hosting:
Teledatos-Cubaweb. Havanna
Granma Internacional Digital:
http://www.granma.cu/

E-mail  | Index | Español | Inglés | Francés | Portugués | Italiano
© Copyright. 1996-2013. Alle Rechte vorbehalten. GRANMA INTERNACIONAL. Kuba

UP

Granma
Internacional Deutsche Ausgabe