Politische Gefangene des Imperiums MIAMI 5       

     

   

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Havanna, 2.  Ortober 2014

 

Ireno García im Theater „Bellas Artes"

Ulrich Fausten

Der Trovador feierte mit dem Konzert am 27. September seinen 60. Geburtstag und man muss feststellen, dass er keinen Tag jünger aussieht, eher älter. Die Haare, die er früher stets lang trug, sind zu einem Bürstenschnitt geschrumpft und er benutzt jetzt einen Gehstock. Dass er mager bis zur Ausgezehrtheit wirkt, sollte man nicht überbewerten. So sah er immer schon aus. Als er vor 17 Jahren anlässlich des Festivals der Jugend und Studenten auf der Freitreppe zur Universität gemeinsam mit Gerardo Alfonso und Santiago Feliú Gerardos berühmtes Che-Lied „Son los sueños todavia" sang, hatte er bereits etwas Geisterhaftes an sich.

Wer von seiner leisen, geradezu verhuschten Sprechstimme auf seine Singstimme schließt, irrt gewaltig. Zerbrechlich ist sein Organ nur dann, wenn Nuancen eines Liedes dies erfordern. Ansonsten ist sein Gesang – das Publikum nimmt es fast erleichtert zur Kenntnis – kräftig und klar wie eh.

Die (durchweg jungen) Musiker, mit denen er sich umgibt, sind von erster Güte. Der Gitarrist Pedro Enrique Peña und die Lautenistin Amanda García Fabián scheinen einen einzigen Klangkörper zu bilden, so symbiotisch sind sie aufeinander eingespielt.

Die Percussionistin Marbys Manzanet übernimmt punktuell die zweite Stimme. Ihre Rolle als sporadische Back Up Vokalistin ist allerdings Tiefstapelei pur. Für das Lied „Fábula de Mayo" holt Ireno sie aus dem hinteren Bereich der Bühne nach vorn, wo sie mit ihm im Duett singt. Es wird die hinreißendste Darbietung des ganzen Abends. Sein bekanntes „Sueño no más" schenkt er her, indem er es Marbys als Solo überläßt. Ein leises Bedauern befällt einen, wenn man sich vorstellt, wie das zweistimmig geklungen hätte.

Die Abwesende des Abends ist die 2012 verstorbene Sara González und es fällt Ireno García merklich schwer, das ihr gewidmete „Nadie sabe de mi corazón" anzukündigen. Aber eigentlich ist er „gut drauf", erzählt Anekdoten und macht trockene Späße zwischen den Stücken. Das tut er nicht immer.

Eingeladene sind die Liedermacherin Martha Campos und der Gitarrenvirtuose Alejandro Valdés, die beide dafür bekannt sind, positive Vibrationen zu verbreiten. Alejandros Spiel ist für seine Verhältnisse sehr zurückhaltend. Er will an diesem Abend nicht im Mittelpunkt stehen.

Das Konzert endet – natürlich! – mit „Andar la Habana" und danach gibt es so lange stehende Ovationen, bis noch eine Zugabe kommt.

Beim Verlassen des Theaters sehen die Leute sich der stimmungsvollen Kulisse zahlreicher offener Feuerstellen gegenüber, auf denen in den Barrios die „caldosa", die traditionelle Suppe zum Jahrestag der CDR, zubereitet wird. Alles in allem ein betörend schöner Abend.
 

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