Politische Gefangene des Imperiums MIAMI 5       

     

   

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Havanna, 20. Juni 2014

 

SILVIO RODRIGUEZ UND DIE TOURNEE DURCH DIE WOHNVIERTEL
Wunder der kommunikation

                                         Laufe los und gehe, wohin du gehen musst,
                                            laufe los, denn die Zukunft erwartet dich.
                                               Fliege, denn die Schwäne sind lebendig,
                        mein Gesang ist mit dir, ich kenne keine Einsamkeit.
                                                            —(Silvio Rodríguez- Requiem)

Mireya Castañeda

DER bereits legendäre kubanische Musiker Silvio Rodríguez begann vor vier Jahren eine musikalische Reise, die er Tournee durch die Wohnviertel nannte. Mit ihr wollte der bekannte Sänger „in diesen schwierigen Zeiten die Musik aus den Theatern holen und sie in die nächste Umgebung der Menschen bringen“.


Silvio auf der Plaza de San Francisco

Als Kulisse nur eine riesige kubanische Flagge benutzend, ist es bisher in 56 Gemeinden aufgetreten, die meisten in Randgebieten von Havanna, wie Cayo Hueso, San Agustín, El Fanguito und La Hata, nachdem er diese Konzertreihe im September 2010 in La Corbata, im Stadtbezirk Playa, begann.

Außer in Havanna fanden Konzerte in Gemeinden der Provinzen Villa Clara, Cienfuegos und Matanzas statt, und Anfang Juni in Mayari, Nicaro und Moa, in der östlichen Provinz Holguín.

Ihren jetzigen Namen, „Die unendliche Tour“, erhielt die Tournee später. „Silvio denkt, dass sie diesen Titel verdient. Es ist der Name der Ausstellung von Fotos von Silvio, aufgenommen in den Gemeinden, und Bildern zu diesen Fotos von Antonio Guerrero, einem der drei antiterroristischen Kämpfer, die immer noch zu Unrecht in US-Gefängnissen inhaftiert sind. Tony hatte diese,Ausstellung so benannt, die vor zwei Jahren im Zentrum „Pablo de la Torriente Brau“ eröffnet wurde, erklärte der Direktor dieser Institution, der Dichter Víctor Casaus.

Bei dieser Gelegenheit stellte er auch das Buch Enigmas y otras conversaciones (Rätsel und andere Gespräche), von Tony Guerrero selbst, vor. Der Dichter Roberto Fernández Retamar sagt im Vorwort: „Tony hat aus seiner Zelle eine echte Werkstatt gemacht, in der neue Gedichte, Briefe, Kommentare, Geschichten, ein Tagebuch, plastische Arbeiten entstehen. Er bleibt aktiv, lebhaft. Wie sie seinen Mut nicht ersticken konnten, waren sie auch nicht in der Lage, die Lebensfreude zu ersticken, die in seinen konstanten Kreationen durchscheinen.“

Während dieser Veranstaltung im Majadahonda-Saal des Pablo-Zentrums verlas Casaus eine Botschaft von Antonio Guerrero, die das Zustandekommen der Ausstellung erklärt: „Vor über anderthalb Jahren las ich Nachrichten aus Kuba, speziell über eines der Konzerte, und ich sah einige Fotos, die, wie die Bildunterschriften besagten, von Silvio aufgenommen worden waren. Sie waren in schwarz-weiß, weil die Materialien, die ich lese, Fotokopien von Artikeln sind, aber selbst so beeindruckten mich diese Bilder und alles, was sie beinhalten, unwahrscheinlich. Ich schrieb an Silvio und bat ihn, mir einige seiner Fotos zu schicken, um zu sehen, ob ich auf ihrer Grundlage einige Arbeiten schaffen könnte. Zum ersten Mal machte ich mich an ein Werk dieser Art. Ich nahm sechs der Fotos und vereinte die Abbildungen der Menschen verschiedener Stadtteile in einem Werk. Es war der Anfang, mit dem genialen Bild in der Mitte, das zwei junge Menschen mit einem sehr improvisierten und originellen Schild zeigt: ¡Viva Silvio!“

Silvio Rodríguez´ Reise durch die Gemeinden ist eine Tour menschlicher Kontakte. Das ist das Besondere. Es ist ein Wunderwerk der Kommunikation.

Víctor Casaus hob auch „die Dankbarkeit der Menschen einem Künstler der Größe von Silvio gegenüber“ hervor und erinnerte daran, dass „eine ältere Frau, vor deren Haustür er eine Bühne aufgebaut hatte, nach dem Konzert zu ihm sagte: ´Es freut mich, diese Hand schütteln zu können, die die Songs geschrieben hat, die mich mein Leben lang bewegt haben“.

Von den schönen Dingen der Teilnahme der Menschen sprach auch die Journalistin Mónica Rivero, als sie erzählte, was im Februar bei dem Konzert in Punta Brava passierte. Ein Mann rief Silvio sehr laut zu: La era (Die Ära) … Silvio sang unbeirrt weiter, was er auf dem Programm hatte. La era ..., wiederholte der Mann, während andere um Unicornio (Einhorn), Ojalá (Hoffnung), El necio baten. La era ... „Als die Stimme zum dritten oder vierten Mal die Aufmerksamkeit auf sich zog, suchte Silvio den Mann mit dem Blick: ´Ich will dein Gesicht sehen; komm her, sing mit mir´ … Auf die Bühne kam ein Mulatten älteren Jahrgangs, aber anstatt zu singen, richtete er ein paar Worte an das Publikum: ´Als dieser Mann im Gefängnis ein Konzert gab, war ich dort´, sagte er und wies auf den Künstler. ´Am nächsten Tag wurde ich entlassen.´ Daraufhin verließ er die Bühne.“

Die Wirkung war groß. Der Bezug war klar. Im Jahr 2008 hatte Silvio eine Konzertreise durch die Gefängnisse gemacht, die er Expedición nannte, was der Titel seiner CD von 2002 ist.

In diesem Jahr bildete ein Konzert auf der Plaza de San Francisco de Asis, in der Altstadt von Havanna, den Auftakt der Tour. Silvio begleiteten, wie fast immer, Niurka González, Oliver Valdés, Trovarroco, Emilio Vega, Jorge Reyes und Jorge Aragon. Gastsängerin war Ivette Cepeda.

Es war wahrscheinlich das Konzert mit dem meisten Publikum auf dieser langen Route. Eusebio Leal, der Stadthistoriker von Havanna, sagte, es handele sich „wahrlich um ein Werk, das die Poesie überschwellen lässt“.

Das jüngste Konzert, das 56., bot er in Mayarí dar, dieses Mal in Begleitung des Trios Trovarroco, der Flötistin und Klarinettistin Niurka González und des Percussionisten Oliver Valdés und als Luxus-Gast Frank Fernández, der in diesem Ort geboren wurde und seinen 70. Geburtstag feierte.

Der ausgezeichnete Pianist Fernández eröffnete den Abend mit Schuberts Ave Maria, spielte Zapateo por derecho als Solo und begeisterte in Begleitung der virtuosen Flötistin Niurka González mit  der Sonate von Mozart, Siciliana von Bach und Quiéreme mucho des Kubaners Gonzalo Roig.

In einem außergewöhnlichen Duett boten der berühmte Pianist und Silvio Rabo de nube und Réquiem dar.

Tony Guerrero fragt im Enigma III seines Buchs Enigmas y otras conversaciones: Im Boden des Sees / wird ein Sänger sein?

Die Imagination bleibt jedem überlassen. Wahr ist, dass Silvio immer Gesang und Gitarre sein wird. Er wird weiter Gota de Rocío (Tautropfen), Reparador de Sueños (Mechaniker von Träumen), Óleo de una mujer con sombrero (Ölgemälde einer Frau mit Hut) und Ojalá (Hoffnung) schenken.

Er ist auf seiner endlosen Tour durch die Wohnviertel. Es wird gehen, wohin er gehen muss, und wird niemals Einsamkeit verspüren.
 

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