Politische Gefangene des Imperiums MIAMI 5       

     

   

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Havanna, 16. Oktober 2014

 

Die Kraft der Schwachen

Der deutsche Filmemacher Tobias Kriele stellt seinen neuen Film in Havanna vor

Am Anfang des Films sieht man Babyfotos. Besonders beeindrucken die schwarzweißen. Sie fokussieren den Blick rascher auf das Wesentliche: eine unnatürliche Körperhaltung, ein verdrehtes Auge. Eine Nahaufnahme verursacht beim Betrachter Gänsehaut. Was mag sie damals bei den Eltern ausgelöst haben? Die Diagnose „Beidseitige spastische Lähmung“ wird nicht bei der Geburt gestellt. Der Säugling wird, scheinbar gesund, mitsamt der Mutter nach Hause entlassen. Es vergehen Wochen, bis in den Eltern der schlimme Verdacht reift: Irgend etwas stimmt nicht mit dem Jungen.

Jorgito und Fernando
Jorgito und Fernando

Jorgito, eigentlich Jorge Enrique Jerez Belisario, wird vor 20 Jahren – mitten in der Sonderperiode – in Camagüey geboren. Er sperrt sich zunächst rigoros gegen jede Form von Therapie. Die durchgeführten Behandlungen (Physiotherapie, Sprachtherapie u. a.) finden in Havanna statt. Ein Umzug von Mutter und Sohn dorthin wird notwendig. Der Vater kommt  jedes Wochenende mit dem Auto aus Camagüey – 550 km hin und 550 km zurück. Nach einer zermürbenden Zeit lernt Jorgito laufen und sich zu artikulieren.

Ein erster Höhepunkt seines jungen Lebens ist eine Rede auf dem Kongress der Pioniere, als er – vierzehnjährig – zunächst stockend und dann immer flüssiger eine Danksagung an Kuba hält für alles, was er trotz schwierigster Voraussetzungen durch die Fürsorge des Landes erreicht hat. Am Ende ist der halbe Kongress in Tränen aufgelöst und Präsident Raúl Castro spendet stehend Applaus.

Jorgito stellt sich selbst immer neue Herausforderungen. Wenn er sie gemeistert hat, sucht er sich weitere.

Tobias stellt seinen Film vor
Tobias stellt seinen Film vor

Schon seit seinem achten Lebensjahr widmet er sich mit Leib und Seele dem Kampf für die Befreiung der Fünf.

Einem Film über sich stimmt er auch nur unter der Bedingung zu, dass die Hälfte des Films die Fünf zum Thema hat. Dass am Ende nicht 50 % der Doku, sondern, wie Tobias Kriele ausgerechnet hat, nur 37 % von den Cuban Five handeln, kann er schließlich akzeptieren, weil der Film zu 100 % sein Kuba und das der Fünf zeigt.

Dem Filmemacher gelingt es mit seiner Dokumentation, die Magie dieses Jungen einzufangen, der unter großen Anstrengungen seine Träume verwirklichen kann und der stolz auf das ist, was er erreicht hat. Er zeigt einen Jungen, der, geborgen in seiner Familie und  seiner Stadt, zu einem jungen Mann heranwächst in einem Land, das ihm alle Hilfe gibt, die er braucht – und er brauchte davon eine ganze Menge.

Tobias Kriele stellte seinen Film „Die Kraft der Schwachen“ am Mittwoch im Kubanischen Institut für Völkerfreundschaft (ICAP) in Havanna vor. In seinen einleitenden Worten sagte er, dass er bei der Uraufführung in Camagüey überrascht gewesen sei, wie das kubanische Publikum den Film aufgenommen habe. Er sei nämlich nicht für Kuba konzipiert, sondern für den Einsatz außerhalb Kubas, besonders in den Vereinigten Staaten. Dort soll er den Fall der Fünf in Kreise hineintragen, die bisher noch nicht davon gehört haben. Deswegen werden in der Werbung für den Film die Fünf auch gar nicht vorkommen, vielmehr wird er als Dokufilm über einen behinderten Jungen in Kuba vorgestellt werden. Zunächst aber wird er in neun deutschen Kinos gezeigt werden. Neben Tobias Kriele wird auch Jorgito den Film vorstellen.

An der gestrigen Veranstaltung nahmen außer Tobias Kriele, Jorgito und seiner Familie auch der 1. Vizepräsident des ICAP Elio Gámez, der Vizepräsident Fernando González (einer der Fünf), die Direktorin für Europa Gladys Ayón und Angehörige der Fünf teil.

Termine der Deutschlandtournee

23. 11. Berlin

25. 11. Hamburg

26. 11. Bremen

29. 11. Düsseldorf

30. 11. Bochum

  3. 12. Augsburg

  4. 12. München

  5. 12. Göttingen

  7. 12. Mainz

(genauere Angaben sobald möglich)

Im Anschluss an die Veranstaltung im ICAP gab Jorgito Jerez der Granma Internacional Aleman ein Interview:

GIA: Welcher Teil des Films hat dir am besten gefallen?

Jorgito: Mir haben die ganzen 45 Minuten gut gefallen. Tobias ist es gelungen, eine Geschichte zu erzählen, die nicht nur meine ist, sondern die aller Jugendlichen, die an irgendeiner Stelle ihres Lebens die Hand Kubas brauchen, die ihnen hilft.

Der Dokufilm hat das Ziel erreicht, die Realität Kubas zu vermitteln. Die Realität Kubas wird von den transnationalen Kommunikationsmedien entstellt, die nie das humane Kuba zeigen, das alles für seine Kinder tut und keinen im Stich lässt. Das Volk der Vereinigten Staaten zu erreichen und ihm über die Fünf aus einer anderen Sicht zu erzählen, ist ein weiteres Ziel. Das können wir erreichen. Beim deutschen Volk möchte ich mich bedanken, dass es uns einen Sohn wie Tobias geschenkt hat, der Kuba so gut kennt und wiedergibt.

GIA: Der Kampf für die Befreiung der Fünf spielt eine wichtige Rolle in deinem Leben. Wie ist es dazu gekommen?

Jorgito: Ich hatte schon vorher von den Fünfen gehört, aber als ich noch ein Kind war, ich war noch nicht einmal acht Jahre alt, habe ich eines Tages an Tony geschrieben. Er hat mir geantwortet und das war für mich der Impuls, der mir gefehlt hat. Ich kann sagen, dass der Kampf für die Sache der Fünf mein Leben geprägt hat. Die Fünf zu verteidigen heißt Kuba zu verteidigen.

GIA: Du fliegst jetzt bald nach Deutschland, um den Film dort vorzustellen. Gibt es etwas Besonderes, was du den Menschen dort sagen möchtest?

Jorgito: Ich möchte mit den Menschen in Deutschland zusammenkommen und ihnen unsere Wirklichkeit zeigen mit ihren Licht- und Schattenseiten. Es ist wichtig, dass man weiß, wie Kuba wirklich ist. Ich denke, beide Teile werden einen Nutzen aus diesem Besuch ziehen.

GIA: Du machst auf mich einen glücklichen Eindruck. Ist das so?

Jorgito: Ich bin sehr glücklich. Glücklich darüber, in Kuba geboren zu sein, eine Familie zu haben, wie ich sie habe und meine Träume zu haben. Ich bin glücklich über alles, was ich mit der Hilfe Kubas erreicht habe.

GIA: Aber auch durch deine eigene Kraft!

Jorgito: Ja, auch durch meine eigene Kraft. Aber ich hätte so stark sein können, wie ich wollte – wenn ich nicht in Kuba geboren wäre, hätte ich es nicht geschafft. Ganz unbestritten bin ich ein glücklicher junger Mann.
 

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