Politische Gefangene des Imperiums MIAMI 5       

     

   

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Havanna, 11 April 2014

 

Mehr kubanische Ärzte für
die Armen Brasiliens
• Ein Land, dessen Wichtigkeit für die kommenden Generationen auch mit den kühnsten Kombinationen nicht auszudenken ist

Stefan Zweig, in seinem Buch „Brasilien - ein Land der Zukunft"

Lisanka González Suárez

ES ist 14 Uhr und es sieht nicht nach einem Sonntag aus, dem Tag der Ruhe und Entspannung. Gruppen von Männern und Frauen in weißen Kitteln kommen und gehen mit der Geschwindigkeit von jemandem, der den Zug verpassen könnte, und bringen die sonst ruhige Zentraleinheit für Medizinische Zusammenarbeit in helle Aufregung.

Yvonne Rodríguez García, seit fast acht Jahren stellvertretende Direktorin für Systemanalyse und Medizinische Dienstleistungen der Einheit, verfolgt aufmerksam die Bewegung, deren Großteil sich scheinbar um sie dreht. Aber sie ist in der Lage, die Übersicht zu behalten, eine Eigenschaft, die sie sich bei der Ausführung verschiedener Aufgaben im kubanischen Gesundheitswesen von der Pike auf angeeignet hat, wozu zwei internationale Einsätze in Pakistan und Honduras kamen, ausreichend, um die Erfahrung und Klugheit zu erwerben, die in Zeiten eines wichtigen und priorisierten Auftrags zu zeigen sind: „In dieser Woche sollen alle noch fehlenden Ärzte nach Brasilien reisen", erklärte sie. (Wenn diese Ausgabe im Umlauf ist, werden bereits alle 11.430 kubanischen Ärzte in dem südamerikanischen Land sein, die das Programm „Mehr Ärzte" umfasst, das im zweiten Halbjahr 2013 angelaufen ist.)

Dabei ist die Möglichkeit auszuschließen, dass die Entsendung so vieler Mediziner die Qualität der Dienstleistungen für kubanische Patienten beeinträchtigt, denn wir erfuhren aus erster Hand von der Reorganisation und den Transformationen, die im Gesundheitswesen stattfinden, und es spiegelt sich auch in den Indikatoren wider: Wir haben eine gesunde Bevölkerung.

TEILNEHMER DES PROGRAMMS

Die Ärzte, die am Kooperationsprogramm mit Brasilien teilnehmen, kommen aus dem ganzen Land und wurden in gleicher Weise, wie diejenigen, die medizinische Brigaden in anderen Ländern integrierten, nach Vorschlägen von Krankenhäusern oder Kliniken ausgewählt. Eine Auswahl, die auf der Bereitschaft und der tatsächlichen Verfügbarkeit basiert, denn es ist, wie schon erwähnt, Bedingung, dass keine Dienstleistungen suspendiert werden. Dazu kommt, dass über 80 % der Ausgewählten nicht weniger als 15 Jahre Berufserfahrung besitzen, während 100 % von ihnen mindestens eine Mission im Ausland geleistet haben, etwa 30 % mehr als eine.

In dem südamerikanischen Land werden sie ausschließlich in der medizinischen Grundversorgung tätig sein, und zwar in 4.070 Gemeinden der 26 Bundesstaaten sowie im Bundesdistrikt Brasilia und in 32 speziellen Bezirken der Indigenen.

Im Juli 2013 stellte Präsidentin Dilma Rousseff das Programm „Mehr Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen, mehr Ärzte und mehr Ausbildung" vor, das Presseberichten nach Forderungen der Bevölkerung in den meisten Teilen des Landes nachkommt. Darin wird die Einstellung ausländischer Ärzte priorisiert, um die Dienstleistungen des öffentlichen Gesundheitssystems zu erweitern.

Der internationale Aufruf zur Besetzung offener Stellen in ländlichen Gebieten ist eine verständliche Lösung, wenn man berücksichtigt, dass Brasilien ein Defizit von 54.000 Ärzten hat, weshalb es viele Gebiete ohne Ärzte gibt.

In diesem Zusammenhang sagte die brasilianische Präsidentin am 21. März, die Ergebnisse des Programms „Mehr Ärzte" zeigten die Richtigkeit der Entscheidung der Regierung, die Gesundheitsversorgung für die Bürger im ganzen Land zu gewährleisten, hieß es in einer Meldung von Prensa Latina.

„Ich wusste, dass ich viel Kritik erhalten würde – sagte sie -, aber ich war mir sicher, dass das brasilianische Volk verstehen würden, dass wir auf dem richtigen Weg sind", wenn wir brasilianische und ausländische Ärzte in die Gemeinden im Landesinneren und in die Peripherien der Großstädte bringen. Sie verkündete, dass im April 13.225 Ärzte im Einsatz sein werden, womit die Abdeckung auf 46 Millionen Menschen erhöht wird.

AUF DAS GANZE LAND VERTEILT

Kubanische Ärzte sind weltweit anerkannt, nicht nur für ihre fachlichen Kenntnisse, sondern auch für ihre menschlichen Qualitäten. Die Gemeinde, die über einen Mitarbeiter des kubanischen Gesundheitswesens verfügt, weiß, dass ihre Einwohner ohne Diskriminierung betreut werden, wo immer es gebraucht wird, auch an unwirtlichen und abgelegenen Orten, selbst wenn es mit Gefahren verbunden ist, an diese Orte zu gelangen.

„Es gibt feindlich gesinnte Personen, die versuchen, einzelne Situationen auszunutzen, indem sie sie verfälschen oder übertreiben", erklärt Dr. Rodríguez zu dem Thema. „Was können ein Fall, zwei oder drei Fälle darstellen im Vergleich zu der Haltung von mehr als 11.000 Ärzten, die dort sind ...? Und die Bevölkerung hat uns anerkannt. So ist es immer passiert, denn die kubanischen Mitarbeiter verändern sogar den Stil der ärztlichen Betreuung in Brasilien.

Die medizinischen Fachleute sind auf ganz Brasilien verteilt. Sie sind nicht in den Zentren der großen Städte, sondern in den Peripherien. Dies ist ein Grundprinzip der Zusammenarbeit gewesen, dass sie ihre Arbeit in abgelegenen und schwer zugänglichen Orten verrichten.

„Brasilien ist nicht nur das, was wir in den Fernsehserien sehen, die uns so gefallen, es ist viel mehr, es ist so groß wie ein Kontinent und voller Gegensätze", betonte Yvonne. „Und unsere Ärzte gehen dort hin, wo die Ärmsten und Bedürftigsten sind, sowohl in alle Teile des Amazonas-Gebiets, als auch in die Peripherie der großen Städte wie Brasilia, Sao Paulo, Belo Horizonte, Vitoria, Fortaleza, Bahia und andere mehr."

Daniel Carvalho, Korrespondent von Folha de Sao Paulo in Pernambuco, schreibt in seinem Bericht unter dem Titel Die Nachfrage nach Ärzten im Landesinneren ist riesig wie folgt:

„ ... Die kubanische Ärztin Teresa Rosales ist überrascht von der Aufnahme durch ihre Patienten in Brejo da Madre de Deus, im Bezirk São Domingos, einer armen, von Dürre geplagten Region im Inneren von Pernambuco. ´Sie [die Patienten] sprechen auf dem Boden kniend, danken Gott und geben Küsse´, sagte die Ärztin, die 231 Personen betreut hat im ersten Monaten der Arbeit der Mediziner, die im Rahmen des Programms „Mehr Ärzte" der Regierung nach Brasilien kamen."

Etwas so Natürliches für die Ärzte der Insel, wie einen Bauern, eine Indigene zu untersuchen, die richtige Diagnose zu stellen, verursacht Erstaunen unter den Patienten, wie der Journalist beschreibt.

„ ... In den letzten vier Jahren hatte es dem medizinischen Posten am Grundlegendsten gefehlt: an Ärzten. Wer sich kilometerweit auf unbefestigten Wegen zu Fuß zur nächsten Gesundheitseinrichtung aufmachte, kam meist unverrichteter Dinge zurück ..." Die Warteschlangen für die Sprechstunden sind lang. „Gott hat diesen Mann geschickt", sagte laut dem Journalisten die Bäuerin Inácia Maria Silva, 69 Jahre alt, die im Jahr 2005 zum letzten Mal einen Arzt gesehen hatte. Sie erklärt sich beeindruckt von der Art und Weise, in der sie von dem Kubaner Nelson López, 44, dem neuen Arzt des Dorfes Capivara, in Frei Miguelinho, behandelt wurde.

Und Carvalho stellt fest: „Der Unterschied kommt schon in der Aufstellung der Möbel zum Ausdruck: Der Patient sitzt auf einem Stuhl neben dem Schreibtisch des Arztes, so dass der Tisch nicht zur Barriere zwischen ihnen wird."

Es überrascht nicht, dass die brasilianische Präsidentin selbst vor kurzem auf Ihrem Facebook-Konto einen Artikel der Zeitung G1 des Bundesstaates Bahia empfohlen hat, der die Arbeit der in diesem Gebiet tätigen kubanischen Ärzte beschreibt.

WIR WERDEN NIE DIE SOLIDARITÄT AUFGEBEN

Präsident Raúl Castro ging auf dem jüngsten Kongress des Gewerkschaftsdachverbandes Kubas auf die Bedeutung der medizinischen Zusammenarbeit für die Wirtschaft des Landes ein und kündigte an, dass das Gehalt der Mitarbeiter des Gesundheitswesens erhöht werde, „weil das Haupteinkommen des Landes derzeitig aus der Arbeit von Tausenden Ärzten erwächst, die im Ausland Dienstleistungen erbringen". So wird das Gesundheitspersonal ab Juni erhöhte Gehälter empfangen, wie auch in der nationalen Presse bekannt gegeben wurde.

„Oft betone ich, dass die Tatsache, dass die medizinische Zusammenarbeit die erste Einnahmequelle des Landes ist, der Weitsicht unseres Comandante Fidel zu verdanken ist", sagte die stellvertretende Leiterin der Zentraleinheit der Medizinischen Zusammenarbeit. „Ich erinnere mich daran, als er sagte, dass wir weder Gold noch Öl haben, was wir haben, ist ein gebildetes und gut ausgebildetes Personal, das fähig ist, anderen zu helfen. Eigentlich ist das, was ein kubanischer Arzt im Ausland tut, nicht bezahlbar. Wenn wir jedoch so direkt helfen, halte ich das für sehr gerecht. Andererseits werden wir jetzt, wo wir einen anderen Moment durchleben, die Solidarität niemals aufgeben."


WIE WIR ES IMMER GETAN HABEN

• DIOSVANY JUNCO BRINGA, 43, aus Santa Clara, Villa Clara, Facharzt für Allgemeinmedizin, 20 Jahre Erfahrung. Er war Direktor der Poliklinik „20. Jahrestag" in seiner Heimatstadt. Er erfüllte Missionen in Belize und Venezuela.

„Was man am meisten vermisst, ist die Familie", sagte Diosvany, der bei der feierlichen Verabschiedung am Abend der Fahnenträger der Gruppe sein würde, die am nächsten Tag abreist.

Von seinen beiden vorherigen Missionen habe er bleibende Erinnerungen, obwohl sie sehr unterschiedlich waren. In Belize arbeitete er in einem führenden Krankenhaus der Hauptstadt und war, wie er sagte, unbewaffnet, was die Sprache betraf, eine echte Herausforderung für ihn. „... aber ich bewältigte sie, denn die Kubaner wachsen angesichts von Schwierigkeiten. Venezuela war eine Schule für mich. Ich begann als Praxis-Arzt in Zulia, in Maracaibo, war dann Berater der Ärzte-Praxen und später übernahm ich andere Tätigkeiten wie die als Leiter der Mission in diesem Bundesstaat."

Nach seinen Erwartungen in Brasilien befragt, antwortete er: „Das riesige Land Südamerikas ist, wie auch Venezuela, ein Land großer Kontraste, mit einer immensen Bevölkerung, die heute aus medizinischer Sicht praktisch unbetreut ist. Es hat eine bedeutende Anzahl von Medizinern, aber sie sind in den Bundeshauptstädten und deren Umgebung konzentriert, und gehen nicht dort hin, wohin wir gehen, und wir werden das gleiche tun, was wir immer getan haben." •

GESUNDHEITSSCHÄDLICHE GEWOHNHEITEN ÄNDERN

• JUAN CARLOS ARIAS CABRALES, 47, aus Arroyo Naranjo, Havanna , Facharzt für Allgemeinmedizin.

Es gibt rund um die Missionen immer hohe Erwartungen, unabhängig davon, dass ich bereits eine in Venezuela geleistet habe, wo ich etwa sieben Jahre lang war, bis 2011. Nach meiner Rückkehr war ich in der Leitung des Gesundheitswesens in der Provinz Havanna tätig.

In Brasilien hoffe ich, dass es möglich ist, durch Erziehungsarbeit und ohne die Bräuche zu modifizieren, einige gesundheitsschädliche Lebensgewohnheiten auszumerzen, die sich weltweit ähneln.

In Venezuela taten wir es praktisch allein, dann wurden mit der Zeit Promotoren in der Gemeinschaft ausgebildet und Lehrveranstaltungen für junge Menschen gegeben, auf die wir uns dann in unserer Arbeit stützten. Das ist wichtig, ohne ihre Bräuche abzuwandeln, mit großem Respekt, aber beratend und helfend. Das grundlegende Problem in Brasilien ist im Moment, dass es an einigen Orten kein medizinisches Personal gibt, aber es gibt einen Grundbestand, der die Bevölkerung gut kennt. •

DIE MENSCHEN WERDEN UNS MÖGEN

• BELSYS ACOSTA CABRERA. Fachärztin für Allgemeinmedizin, Santa Clara, Villa Clara , 32, Ärztin der Poliklinik „20. Jahrestag". Sie erfüllte in Venezuela für mehr als fünf Jahre hinweg eine Mission im Bereich der Arbeit in der Gemeinde.

Als Diosvany und ich zurückkamen, hatten wir die Absicht, eine Familie zu gründen, weil wir noch keine Kinder haben, aber jetzt haben wir es um drei Jahre verschoben. Wir sind jung und lieben uns, wir haben Zeit.

Wir haben uns sprachlich gut vorbereitet. Ich weiß noch nicht, wohin wir geschickt werden, aber wir werden mit Patienten in der Gemeinschaft arbeiten. Sobald wir ankommen durchlaufen wir einen Kurs in der portugiesischen Fachsprache, und danach werden wir eingestuft.

Wir werden nicht in die Städte geschickt, sondern in ländliche Gebiete und ich bin mir sicher, dass uns die Menschen, wie immer, mögen werden.

Was man am meisten vermisst, ist die Familie, und alles andere auch, die Gewohnheiten, alles ... Die Erfahrung einer vorherigen Mission gibt uns Stärke und mehr Sicherheit.


• Mit einer Fläche von etwa 8,5 Millionen Quadratkilometern und mehr als 200 Millionen Einwohnern ist Brasilien das fünfte der bevölkerungsreichsten Länder der Welt.

• Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation beträgt die Ärztedichte 1,72 Ärzte pro 1.000 Einwohner und es gibt 2,4 Krankenhausbetten pro 1.000 Einwohner.

• Die große territoriale Ausdehnung Brasiliens umfasst verschiedene Ökosysteme, wie das Amazonas-Gebiet, das als reichstes und artenreichstes Regenwald-Gebiet der Welt anerkannt ist.

• Nach einem Bericht des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) sank die Rate der Säuglingssterblichkeit, die im Jahr 1990 bei 62 pro 1.000 Lebendgeburten lag, auf 14 pro 1.000 im Jahr 2012, womit sie immer noch hoch ist.
 

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