Politische Gefangene des Imperiums MIAMI 5       

     

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I N T E R N A T I O N A L E S

Havanna, 4. November  2014

 

Die Welt entdollarisiert sich

Manuel E. Yepe

Die Ungewissheit der internationalen Finanzmärkte, das Stagnieren der Reform des Internationalen Währungsfonds IWF und die schwache weltwirtschaftliche Erholung sind die bestimmenden Faktoren für das Vordringen diverser von China angeführter Mechanismen einer finanziellen Zusammenarbeit, die parallel zur Internationalisierung des Yuan und der globalen Entdollarisierung verlaufen.

Diese These stützen der peruanische Ökonom Oscar Ugarteche, der am Institut für Wirtschaftsforschungen der Universität Mexiko (UNAM) arbeitet und der Kolumnist der mexikanischen Zeitschrift Contralínea in einem Artikel mit dem Titel „Yuan, die Schlüsselwährung bei der globalen Entdollarisierung".

Zu Beginn dient die Entdollarisierung zur Abschwächung der Auswirkungen von Schwankungen des Wechselkurses, der Zinsen und Aktienmärkte. Später wird der Vormarsch des Yuan eine systemische Dimension erreichen und dem Dollar eine harte Schlacht liefern, um eine weltweite Anerkennung zu erreichen.

Zur Zeit haben 40 Zentralbanken den Yuan zusammen mit den dominierenden Devisen (Dollar, Euro, japanischer Yen und Pfund Sterling) als Referenzwährung für die Bankreserven.

Als im Jahre 1999 der Euro in Umlauf kam, hielten die Banken weiterhin 70% ihrer Reserven in Dollar, Ende 2013 machten die US-Devisen 60% aus.

Demgegenüber wuchs im gleichen Zeitraum wegen der zunehmenden Bedeutung des Yuan auf den Konten des IWF die Rubrik „andere Devisen" von 1,62 % auf 6,51% .

Die Autoren der Studie sehen die wichtigste Kraft bei der Internationalisierung des chinesischen Yuan in der wirtschaftlichen Ausdehnung Chinas, das bereits Vereinbarungen mit 25 Banken hat und einen globalen Yuan-Markt aufgebaut hat.

Die größte Herausforderung, der sich der Yuan gegenübersieht, liegt darin, dass China ein Land mit doppeltem Überschuss ist, sowohl beim Kontokorrent als auch beim Kapital, und keine Yuan in die Weltwirtschaft einfließen lässt, eine Situation, die davon abhält, physische Yuan anzulegen.

Um das zu ändern hat der asiatische Riese ein Kapitalkonto eröffnet, das den Yuan ausländischen Investoren zur Verfügung stellt. Dieses Konto hat sein Depot in dieser Währung in den letzten fünf Jahren verzehnfacht.

Dennoch wird China durch diese Öffnung verletzlicher gegenüber den spekulativen Bewegungen und unerwünschten Prozessen der Aufwertung, die bereits stattfinden.

Der Prozess der Internationalisierung des Yuan hat in Europa wichtige Unterstützung.

Nach den Banken Deutschlands, Frankreichs und Luxemburgs, die in Europa den Handel mit Yuan begonnen hatten, schloss sich die City of London (der Finanzssektor des Vereinigten Königreiches) dieser Strömung an, indem sie als erste Bank außerhalb Chinas Staatsanleihen in Yuan ausstellte, um Fonds zur Finanzierung des Erwerbs von Reserven der Bank of England in chinesischer Währung zu schaffen.

Die Europäische Zentralbank diskutiert die Möglichkeit, den Yuan in ihre internationalen Reserven aufzunehmen, was eine große Auswirkung für die Verstärkung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Europa und Asien hätte und bei den Geschäftsbeziehungen die Ausstellung von Rechnungen in Yuan zwischen den Ländern beider Kontinente ansteigen ließe.

So haben sich z.B. in Großbritannien und Deutschland zwischen 2013 und 2014 die bilateralen Zahlungen in Yuan um 100% erhöht.

Laut Ugarteche und Noyola hat der Yuan als Folge der vom Westen auferlegten Sanktionen auch einen strategischen Partner in Russland gefunden. China hat Anfang Oktober mit der Zentralbank Russlands eine bilaterale Austauschvereinbarung in Höhe von 25 Milliarden Dollar konkretisiert, die zweite, die mit einem Mitgliedsstaat der BRICS (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) unterzeichnet wurde; die erste mit Brasilien beläuft sich auf 30 Milliarden Dollar.

China ist heute sowohl für Russland als auch für Brasilien der wichtigste Handelspartner. Der Handel zwischen Russland und China belief sich 2013 auf 98 Milliarden Dollar und die Devisenvereinbarungen schaffen Bedingungen, um den bilateralen Austausch ansteigen zu lassen. Dabei fungieren diese gleichzeitig als Defensivmechanismus gegen die Sperrung der russischen Konten in Europa und den Vereinigten Staaten.

Gegenwärtig prüfen Russland und China ein alternatives Zahlungssystem zu SWIFT (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication) in die Wege zu leiten. Die Probleme, die auf Grund des wegen außenpolitischer Differenzen mit den Vereinigten Staaten erfolgten Einfrierens der Dollarkonten entstanden, wie in den Fällen von Iran und Kuba und vor kurzem auch Frankreich (BNP Parisbas), könnte man neutralisieren, indem man Bankgeschäfte unter einer neuen Institution mit anderen Zahlungsinstrumentarien als SWIFT durchführt.

Ugarteche und Noyola beenden ihren Artikel indem sie daran erinnern, dass China Ende dieses Jahres die erste Ökonomie der Welt sein wird und das Internationale Währungssystem, immer weniger auf den Dollar zentriert, weiter neue regionale Räume für den Yuan eröffnen wird.
 

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