Politische Gefangene des Imperiums MIAMI 5       

     

I N T E R N A T I O N A L E S

Havanna, 20. Januar 2014

 

Ein standhafter solidarischer Mann
• Der ehemalige Generalstaatsanwalt der USA, Ramsey Clark, gab während seines Aufenthaltes im Rahmen seiner Teilnahme am 9. Kolloquium für die Befreiung der Fünf und gegen den Terrorismus ein Exklusivinterview

Daylén Vega und Yosbel Bullaín

Er kam im Monat November nach Kuba im Rahmen des 9. Kolloquiums für die Befreiung der Fünf und gegen den Terrorismus. Wir lernten ihn eines Nachmittags kennen, als er inmitten seines angefüllten Arbeitsplanes Zeit fand, um uns zu empfangen. Stolz trug er den Orden der Solidarität, der von Müttern der Fünf an seine Brust geheftet worden war und lächelte mit der Weisheit dessen, der lange gelebt hat. Nach dem Händedruck und der herzlichen Begrüßung führte der ehemalige Generalstaatsanwalt der USA, Ramsey Clark, mit uns ein offenes Gespräch.

- Wie lernte Ramsey Clark Kuba kennen?

- Zum ersten Mal wurde ich als kleiner Junge nach Kuba gebracht. Ich war fünf Jahre alt und mein älterer Bruder, der sieben Jahre alt war, war kurz vorher an Meningitis gestorben. Ein Jahr danach kamen wir auf Urlaub nach Kuba, um den Schock abzuwerfen. Später war es dann zufälligerweise gerade Kuba, das den besten Impfstoff herstellt, um diese Krankheit zu heilen.

Später kam ich wieder her, als ich meinen Dienst bei der Marine beendet hatte, wo ich im Dezember 1941 in die Ereignisse von Pearl Harbor verwickelt war. Als ich die Marine verließ, war es schon zu spät, um noch die Universität zu beginnen, so dass ich anfing, Arbeiten für die Armee zu verrichten, und so kam ich etwa vier Mal nach Kuba.

In jenen Zeiten sah ich, dass die Korruption und die Prostitution sehr ernste Probleme waren. Die Straßenbahnen waren Eigentum einer einzigen Person, des Herrn Cambell aus Miami, und wir sahen diese und andere Äußerungen der Einflussnahme der Vereinigten Staaten, der Gangster und Dinge dieser Art.

- Als 1961, während der Kennedy-Regierung, der Angriff auf Playa Girón erfolgte, waren Sie Generalstaatsanwalt der USA. Auf welche Weise wurden Sie von diesen Geschehnissen beeinflusst?

- Als die Ereignisse von Playa Girón geschahen, schrieb ich einen Brief an den Präsidenten: „Der größte Vorteil, den Sie bezüglich der Dinge haben, ist, bestimmte Fakten nicht zu kennen", und ich glaube, dass Kennedy nichts wusste von diesen Plänen. Er merkte nicht, dass diese Dinge sich bereits seit geraumer Zeit zusammenbrauten, und er belegte das Büro im Januar 1961.

Der damalige Chef der CIA stand der Familie von Kennedy sehr nahe, und die Konsequenzen dessen, dem Präsidenten diesen Brief geschrieben zu haben, ließen nicht auf sich warten. Zwei Tage danach verabschiedete mich mein Chef und schickte mich in die Steuerabteilung, natürlich war das das Werk der CIA und man legte so etwas wie eine Akte von mir an. Zwei Wochen lang durchsuchten sie alle meine Schubladen, meine gesamte Arbeit, aber sie fanden nichts, keinerlei Beziehung. Dies war mir eine Lehre.

Als ich am 20. Januar 1969 die Regierung verließ, hörte ich auf, Generalstaatsanwalt zu sein, und ich hatte genug Zeit, um Überlegungen anzustellen, um über die Welt und meine eigene Haltung nachzudenken.

Ich fühlte mich verantwortlich für das Verhalten meiner Regierung gegenüber Kuba und begann, hier her zu kommen.

- Was halten Sie als Kenner der Gesetze der USA von der Gerichtsverhandlung gegen die Fünf in Miami?

- Da ich Miami kenne, wusste ich, dass es sehr schwer sein würde, dort eine gerechte Verhandlung zu erzielen, wo die öffentliche Meinung von der ständigen Bombardierung mit Information gegen Kuba vergiftet war.

Wir hatten nicht die geringste Ahnung davon, dass in den USA die Regierung Journalisten dafür bezahlte, gehässige und falsche Geschichten über Kuba zu schreiben. Was darin stand, war ziemlich unglaubwürdig.

Von Beginn an sah ich, dass das, worin sich die Fünf verwickelt hatten, ein persönliches Risiko in sich barg, aber für ihr Land sehr wichtig war. Worum es wirklich ging war, wie bewerkstelligt werden konnte, dass Kuba Kenntnis davon erhielt, was in den Vereinigten Staaten hinsichtlich der Aktionen geschah, die bewaffnete Organisationen vorgenommen hatten und die weiterhin Operationen gegen ein unabhängiges Land planten, das Mitglied der Vereinten Nationen ist. Es war also eine sehr ernste, wichtige Angelegenheit.

Das, was gegen die Fünf geschieht, ist eine riesige Ausgeburt der Justiz. Es hat das kubanische Volk tief verletzt und unseren Beziehungen zu ihm geschadet und hat Menschen aus aller Welt hineingezogen. Jetzt ist es für mich vollkommen klar, dass, was sie verfolgten, darin bestand, diese Art von Gewalt zu verhindern, die innerhalb des Territoriums der USA gegen Kuba organisiert wurde.

Diejenigen, die ihre Freiheit riskieren, um andere Leben zu retten, sind Helden.

- In den letzten Jahren haben die Vereinigten Staaten arabische Länder überfallen. Welche Meinung haben Sie zu den Angriffen, die die US-Armee ausübt und zu dem Stellenwert, den sie dem Wettrüsten einräumen?

- Es ist ein Land nach dem anderen, kürzlich wurde Libyen fast zerstört, ein Land, das allen anderen afrikanischen Ländern humanitäre Hilfe angeboten hatte; aber es wurde angegriffen, weil es auf gewisse Weise unabhängig von den Vereinigten Staaten war und Erdöl hatte. Solche Dinge gehen vor. Jetzt bedrohen wir Syrien.

Die Tragödie von Irak ist erstmalig in der Geschichte der Menschheit. In zwei Wochen wurden seine Hauptstadt und seine Städte bombardiert und zerstört, es gab über zehntausend Luftangriffe und aller zehn Sekunden wurden Bomben entladen. Die ganze Zeit über starben Menschen, man konnte nicht auf die Straße gehen. Nun sind wir schon im Jahr 2013 und noch immer wird täglich von Toten berichtet.

Ich erkenne immer deutlicher, dass die Interventionen der Vereinigten Staaten gewalttätig sind und kann nicht absehen, wann all dies beendet werden wird.

Sie haben gegenwärtig eine große atomare Macht, die große Städte zerstören kann. Sie haben vierzig Mal mehr Sprengkraft als die Bombe, die Hiroshima zerstörte. Wenn Sie eine Weltkarte nehmen, könnte man die Städte nicht zählen, die mit diesem atomaren Potenzial zerstört werden können.

Ich denke, dass es alarmierend ist, dass die Armee weiterhin auf diese Weise wächst; es ist, als gäbe es die große Notwendigkeit, alle Welt zu militarisieren, um das Leben auf diesem schönen Planeten zu zerschmettern. So denken die Vereinigten Staaten.

- Kürzlich haben wir gesehen, dass die Vereinigten Staaten in Skandale des Missbrauchs von Gefangenen seitens der Offiziere verwickelt war. Wie denken Sie über das, was auf dem illegalen Militärstützpunkt von Guantánamo geschieht?

- Man brachte Menschen aus aller Welt hierher in das schöne Kuba, in diesen Hafen, den wir mit Gewalt und gegen das Gesetz besetzt haben, und sie wurden über Jahre hinweg gefoltert. Dies ist etwas Schändliches, Unannehmbares, und, um wie zivilisierte Menschen zu sprechen, die Vereinigten Staaten hätten niemals kubanisches Territorium besetzen, niemals den Militärstützpunkt einrichten dürfen. Was sie tun sollten ist, es sofort an Kuba zurück zu geben.

- Bei mehreren Anlässen haben Sie Ihre Anerkennung gegenüber dem kubanischen Gesundheitssystem ausgesprochen. Wie bewerten Sie die Entwicklung dieses Bereichs und die Zusammenarbeit unserer Ärzte in anderen Ländern?

- Ich denke, dass die Gesundheitsprogramme, die während der kubanischen Revolution entstanden sind, dem Gesundheitswesen außerordentliche Erfahrungen geliefert haben. Immer, wenn ich ein Land besuche, denke ich an die Kindersterblichkeit. Die Kindersterblichkeit von hier vor 1959 war sehr hoch und sank binnen weniger Jahre. Heute hat Kuba Kennziffern, die unter denen der Vereinigten Staaten liegen, dank der Vision, die es in der Umsetzung der Gesundheitsprogramme hatte. Ohne Gesundheit hat das Leben keinen Sinn. Kuba hat diese Probleme über lange Zeit hinweg auf eine Weise konfrontiert, auf die es kein anderes Land getan hat.

Oberflächlich betrachtet könnte man denken, dass das kubanische Gesundheitswesen rudimentär ist, weil es nicht über die entwickeltste Technologie verfügt, aber wenn man die Behandlung sieht, die die Ärzte den Menschen zuteil werden lassen, und das auch in den entlegensten Gebieten, bemerken wir, dass es tatsächlich ein ganz besonderes ist.

Kuba ist auf einzigartige Weise freizügig und hat viel für den Weltfrieden getan. Die Hilfe für Länder, die sich in schrecklichen Situationen befinden, die Legionen von Ärzten, die Völkern aus allen Teilen der Welt Hilfe bieten, sind ein Beweis dafür.

Die Welt muss sich all das ins Bewusstsein bringen, was Kuba tut.

- Der Orden der Solidarität ist eine der wichtigsten Auszeichnungen, die die kubanische Regierung verleiht. Was hat es für Ramsey Clark bedeutet, diese Anerkennung erhalten zu haben?

- Es ist eine große Ehre für mich, diese Auszeichnung erhalten zu haben. Vielleicht gibt es Menschen, die sie viel mehr verdienen als ich. Was ich will - mehr als dass meine Solidarität erwähnt wird -, ist, an das Volk zu denken, an die Menschen; daran, was für gute Nachbarn Ihr seid. Wir sollten eine wahre Politik der guten Nachbarschaft führen. Ich glaube, Euch als gute Freunde nicht zu kennen, hat auch uns geschadet, denn wir haben es versäumt, mit Euch zu sein, die Ihr so großmütig seid.

Ich hoffe, ein standhafter solidarischer Mann zu sein, und ich hoffe, dass sich unsere Völker so lieben werden, wie sie sollten, trotz unserer langen Geschichte. Seit dem Krieg zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten, seit jener Zeit, ist man in den Vereinigten Staaten aktiv aggressiv zu Kuba gewesen, das ist sehr schändlich, ist das verwerflichste Verhalten eines Landes, unannehmbar für diese Zeiten. Auf der Welt gibt es keine Gründe, die dies rechtfertigen würden, noch Worte, um es zu beschreiben. Wir sind so nah und Kuba und seine Menschen sind so schön ... Wenn wir dieses Problem nicht lösen können, können wir die Probleme des Lebens auf der Erde sicher nicht bewältigen.
 

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