Politische Gefangene des Imperiums MIAMI 5       

     

U N S E R   A M E R I K A

Havanna, 13. Januar 2011

 

EIN JAHR NACH DEM ERDBEBEN
Die offenen Wunden Haitis

Juan Diego Nusa Peñalver

Gestern erwachte Port-au-Prince anders. Im zerstörten Präsidentenpalast, früher ein Stolz dieser aktiven Nation, hing die Nationalfahne zum Zeichen der Trauer auf Halbmast.

An diesem Mittwoch erwachten die gewöhnlich animierten und lärmenden Straßen der Stadt schweigend. Die Regierung hatte den Tag zum "Tag des Gedenkens und der Erinnerung" erklärt, um der Opfer des schlimmsten Erdbebens zu gedenken, das dieses Land in den über 200 Jahren seiner Existenz erlitten hat.

Tausende Haitianer, ihrer Religion gemäß schwarz oder weiß gekleidet, drückten ihren tiefen Schmerz aus und erhoben auf Plätzen, in Parks, Kirchen und anderen Anlagen ihre Arme gegen den Himmel, um ihren Gott um ewige Ruhe für die Seelen derer zu bitten, die ihr Leben an diesem verhängnisvollen Nachmittag des 12. Januar 2010 verloren, als die haitianische Erde mit einer Wut wie nie bebte und mit ungewöhnlicher Grausamkeit die Hauptstadt und andere Städte in der Nähe zerstörte.

Dessalines, die wichtige Geschäftsstraße dieser verwüsteten Stadt, auf der es an einem normalen Tag schwierig ist zu laufen oder zu fahren, war ungewöhnlich leer. Niemand ging zur Arbeit, die großen, mittleren und kleinen Geschäfte öffneten ihre Türen nicht.

Die so genannten Marché-Läden (beliebte informelle Märkte) von Salomón, Hipólito und der auf der Hafenstraße, der größte von allen, waren praktisch leer. Sogar die Supermärkte, die normalerweise auch an Feiertagen öffneten, taten es nicht.

Vor den großen Lebensmittellagern warteten die Lastkraftwagen darauf, entladen zu werden, und meine Begleiter, Carlos, der Dienstleiter der kubanischen Ärztebrigade; Jorgito, der Einkäufer, und Sobrino, der Fahrer, mussten mit leeren Händen gehen. Die Stadt erwachte auch stark bewacht von den Kräften der Landespolizei und der UN-Mission zur Stabilisierung Haitis (MINUSTAH).

Es gab besondere Motive, es war ein Tag der Reflexion, ein Tag, um ein besonderes Gebet für Haiti an den "Herrn" zu richten, damit sich Haiti ändert und weiter lebt, trotz dieser immensen menschlichen Tragödie.

In der zerstörten Kathedrale von Port-au-Prince drängte sich eine Menschenmenge, um die katholische Messe des guineischen Kardinals Robert Sarah zu hören, dem Präsidenten des Päpstlichen Rats "Cor Unum" (das eine Herz) und Abgesandter von Papst Benedikt XVI.

Parallel dazu fand in Champs de Mars eine offizielle Zeremonie statt, wo im Beisein vom Präsidenten des Landes, René Preval, Mitgliedern seiner Regierung und weiteren Gästen der Grundstein zum "Memorial von Port-au-Prince" gelegt wurde.

Im 1941 gegründeten Nationalbüro für Ethnologie boten die wichtigsten Priester des Vudú, einer unter den Haitianern sehr verbreiteten Religion, ihren afrikanischen Göttern eine Trommel dar, um "Ruhe" für die Toten zu erbitten und dafür zu danken, am Leben zu sein.

Die junge Kettly Edmond, eine Dienstleistungsangestellte, deren Eltern in ihrem Haus in Bel-air verschüttet wurden und starben, sagte Granma gegenüber, dass sie sich ein Jahr nach der schrecklichen Katastrophe, die ihr Land betraf, immer noch sehr schlecht fühle. "Ich verlor viele meiner Angehörigen, Freunde und Bekannten; und alle Mittel, die ich zum Überleben hatte. Heute versuche ich mühsam, mein Leben wieder aufzubauen", sagte sie schwermütig.

Frantzy Marcelyn und Loubert Montout baten für ihr leidendes Haiti um viel Einheit, um beim Wiederaufbau voranzukommen, die Cholera zu besiegen und aus dem schwierigsten Trance der Geschichte dieses Landes herauszukommen, der ersten unabhängigen Republik Lateinamerikas und der Karibik und der zweiten des Kontinents.

Die Aufgabe ist titanisch. Das Erdbeben zerstörte Port-au-Prince, das wirtschaftliche und politische Zentrum des Landes, und seine schwache Infrastruktur. Tausende leben noch in Baracken und Zelten, während die Arbeitslosigkeit, die Armut, der sanitäre Notstand, die Marginalität, die Unsicherheit der Bürger, die politische Ungewissheit und die Krankheiten wie die gegenwärtige Choleraepidemie kein Ende zu haben scheinen.

Währenddessen erfüllt die internationale Gemeinschaft ihre Versprechen zum Wiederaufbau des Landes nicht.

Ein Jahr nach der Tragödie sind die Wunden Haitis noch nicht geheilt.
 

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