Politische Gefangene des Imperiums MIAMI 5       

     

U N S E R - A M E R I K A

Havanna, 10. Juni 2011

 

Sechs Monate nach Beginn der Cholera-Epidemie

Juan Diego Nusa Peñalver, Sonderberichterstatter

ES gibt ein sehr beliebtes Sprichwort in Haiti: Deyé mon, gin mon (jenseits der Berge sind noch mehr Berge). "Wir haben immer eine Hürde zu überwinden", sagte Thiogene Duckenson, ein aufgeweckter Haitianer, als er über die Katastrophen spricht, die sein Land in den letzten Jahren heimgesucht haben. Hurrikans, Überschwemmungen, ein verheerendes Erdbeben und eine unerbittliche Cholera-Epidemie haben das Land immer wieder vor harte Prüfungen gestellt. Bei letzterer gibt es nun nach einem harten Kampf erste Anzeichen eines Rückgangs.

Nach sechsmonatiger Bekämpfung der gefährlichen Epidemie führte Granma ein Gespräch mit Dr. Lorenzo Somarriba López, Leiter der kubanischen medizinischen Brigade, um die "Geheimnisse" zu lüften, die es dem Personal des Gesundheitswesens unseres Landes ermöglicht haben, bis zum Samstag, dem 7. Mai das Leben von über 73 800 an Cholera Erkrankten zu retten und in den davor liegenden 109 Tagen in ihren Stationen keine Todesfälle mit dieser Ursache vermelden zu müssen.

"Viele haben sich gefragt, worin das ´Geheimnis´ der Leistungsfähigkeit unserer Medizinischen Brigade besteht (mit einer Letalität von 0,37%) ... Der erste Grund besteht darin, dass sich unser medizinisches Personal mit einem umfassenden Gesundheitsprogramm seit Dezember 1998, nach dem Durchzug des Hurrikans George, hier befindet. Bei Ausbruch der Epidemie gab es kubanische medizinische Mitarbeiter in 78 der 140 Kommunen (Gemeindebezirke) Haitis. Hinzu kommt die Schaffung eines epidemiologischen Überwachungssystems, das Kuba nach dem Erdbeben aufzubauen begann, und das derzeit über 28 Beobachtungsstationen verfügt."

Auβerdem hob er hervor: „Das ist der Fähigkeit Fidels zu verdanken, den Ereignissen vorauszueilen, und uns zu warnen, dass nach der großen Katastrophe eine Epidemie auftreten konnte."

Nach dem Hinweis darauf, dass die kubanische Medizinische Brigade über 69 Gesundheitsgruppen des Kuba-Venezuela-Projekts verfügt, erklärte er, dass eine Warnung an unsere Stellen ergangen war. Damals entstanden die Gruppen zur Behandlung der Cholera (UTC), und später, als sich die Epidemie im Gefolge des Wirbelsturms Thomas verschlimmerte, die Zentren zur Behandlung der Cholera. Im Falle der ersteren ging dies mit der Einrichtung von Isoliergebieten einher, bei letzteren mit der Schaffung von temporären Einrichtungen in Zelten, die ausschließlich zur Pflege der Infizierten vorgesehen waren.

Eine entscheidende Rolle spielte die vorhergehende und rasche Ausbildung unserer Mitarbeiter in der klinischen Diagnostik und Behandlung der Krankheit, als beschlossen wurde, die kubanischen Brigadisten aus den fünf Bezirken der haitianischen Halbinsel sehr schnell weiter nach Nordosten, ins Zentrum und nach Artibonite zu verlegen, die am schwersten vom Cholera-Erreger betroffen waren.

Später kehrten sie in ihre Herkunftsbezirke zurück, hatten dann aber bereits Erfahrung darin, wie man ein Behandlungszentrum oder eine UTC einrichtet, versicherte Dr. Somarriba López, der darauf hinwies, dass nur eine Person in der Brigade praktische Erfahrungen mit der Cholera gehabt hatte.

Neben anderen Neuerungen erwähnt er die Orientierung auf die Vorsorge und die Gesundheitserziehung durch die Gemeinden, - Schulen, Kirchen, Marché (informelle Märkte) und der Einsatz regionaler Radiosender - in den entlegensten Regionen, „wo wir erklärten, was Cholera ist, wie sie übertragen wird und wie man Zugang zu den medizinischen Einrichtungen findet, weil viele noch nie von dieser Krankheit gehört hatten und glaubten, dass sie eine göttliche Strafe sei".

Er legt Gewicht auf die stabile Versorgung mit Arzneimitteln, die Qualität der Arbeit, die 24 Stunden täglich geleistet wurde, die kubanischen Vorschriften zur Behandlung der Krankheit, die Antibiotika und die prophylaktische Behandlung der Kontaktpersonen einschlieβen, während gleichzeitig der Krankenhausaufenthalt auf die erforderlichen Stunden oder Tage begrenzt wird. „Über 90% unserer Patienten erholten sich innerhalb von 24 Stunden wieder", betonte er.

Er versicherte, dass zu dieser Leistung auch die Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen wie der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation, der UNICEF und dem Welternährungsprogramm beigetragen hat.

Besonders hob Dr. Somarriba López jedoch als das Werkzeug, das bei der Bekämpfung der Epidemie den größten Beitrag geleistet hat, die Schaffung von 50 Gruppen zur aktiven Suche nach Erkrankten mitten im Landesinneren hervor, die aus der Verstärkung durch 510 Mitglieder der Internationalen Groβbrigade Henry Reeve gebildet wurden.

Diese Gruppen haben bereits mehr als zwei Millionen Menschen aufgesucht und mehr als 5.000 Fälle von Cholera an Ort und Stelle behandelt, betonte er.

  Er erklärt auch, dass Kuba seine medizinische Brigade nicht aus Haiti zurückgezogen hat, sondern in dem Maβe, wie die Epidemie zurückgeht, mit der Reduzierung seines Personals begonnen hat, obwohl die Gefahr weiterhin besteht, so lange das Problem der Abwässer im Land und des fehlenden Zugangs zu Trinkwasser ungelöst ist.
 

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