Politische Gefangene des Imperiums MIAMI 5       

     

K U B A

Havanna, 7. April 2011

 

Warum erfolgte die Invasion in der Schweinebucht?

Angel Fernández Vila (Horacio) (*)

MIT Genehmigung des damaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten, General Ike Eisenhower, entwarfen die Regierungsagenturen und speziell die CIA im Rahmen der gegen die kubanische Revolution gerichteten Strategie die Vorbereitung einer Militäroperation, die die Konsolidierung einer "kommunistischen Regierung" auf dem Hinterhof der USA verhindern sollte.

Nach den am 17. März 1960 von Eisenhower angenommenen Leitlinien der Nationalen Sicherheit wurde begonnen, eine Aktion vorzubereiten, die dann als "Operation Pluto" bekannt wurde. Diesen Namen gab man der Vorbereitung und Ausführung der Invasion der Söldnerbrigade 2506.

Eine wichtige Aufgabe war die Festlegung des Ortes auf der Insel, wo man die Invasion mit größtmöglicher Erfolgswahrscheinlichkeit durchführen könnte, um einen Brückenkopf zu errichten und ihn ausreichend lange zu halten, um die schon gebildete konterrevolutionäre Regierung dorthin zu bringen und die Anerkennung und Unterstützung der OAS zu beantragen.

Bei der Auswahl des Invasionsortes gab es verschiedene Varianten: die Pinieninsel (heute Insel der Jugend), der extreme Westen der Provinz Pinar del Río, die Stadt Trinidad im Süden Mittelkubas, im Osten, die Stadt Baracoa, usw. Alle boten sowohl günstige Merkmale für die konterrevolutionäre Operation als auch nachteilige Situationen, die eingeschätzt und abgewogen werden mussten.

Im Ergebnis der Untersuchungen wurde die Möglichkeit in Betracht gezogen, die Südzone des Zentralgebiets des Landes als Schauplatz der Militäroperation, die man vorbereitete, auszuwählen. Eine Rolle spielte dabei, dass sich dort die Gebirgskette Escambray befand, wo von der CIA bewaffnete konterrevolutionäre Gruppen stationiert worden waren. Westlich dieses Berggebiets liegt die Halbinsel Zapata, in deren Zentralregion sich das Sumpfgebiet Ciénaga de Zapata erstreckt, ein sehr schwer zugänglicher Ort zwischen dem Festland des südlichen Mittelkubas und der Südküste der Halbinsel Zapata.

In diesem weitläufigen Gebiet, das sich von Jagüey Grande, im Westen, bis nach Cienfuegos, im Osten, erstreckt, gab es riesige Zuckerrohr-, Rinderzucht- und Forst-Latifundien. Letztere waren wirtschaftlich mit der Ciénaga verbunden, indem sie sie mit Holzkohle, Eisenbahnbohlen und Brennholz versorgten.

Berühmt waren zum Beispiel die Besitztümer der Herren Morales, "Markgrafen königlicher Proklamation", im Gebiet bekannt als "die Markgrafen von Yaguaramas", die stolz ihre Ländereien von Cienfuegos bis Güines abfuhren; der Zuckerrohr- und Rinderzuchtbesitz des Millionärs Gregorio Escajedo, der Zuckerfabriken, ausgedehnte Zuckerrohrplantagen und große wertvolle Rinderherden hatte und dazu dem Hobby fröhnte, Böden der Nordküste der Ciénaga de Zapata trockenzulegen und sich anzueignen; der Forstbesitz des Rechtsanwalts Castellanos, der mit Führern der Batista-Armee in Verbindung stand und der außerdem seinen launigen Willen durchsetzte, dass auf seinen 13.728 Hektar Land nur ledige Bauern wohnen durften; die Erben von Pedro Vázquez; die Brüder Fernández mit ihrem Holzunternehmen Süden Kubas, Besitzer großer Anbauflächen und Wälder auf der Halbinsel, wo sie außer dem Holzschlag für die Herstellung von Holzkohle, Eisenbahnbohlen und Brennholz auch die Anlagen, Geräte und Transportmittel besaßen, einschließlich des Schoners La Víbora, das einzige Wasserfahrzeug auf der Halbinsel, mit dem man auf dem Fluss Hatiguanico und seinen Nebenflüssen Gonzalo und Rojo in das Sumpfgebiet gelangte und es wieder verließ.

Der Kreis Aguada de Pasajeros, der gemäß der damals gültigen politisch-administrativen Aufteilung der größte des Landes war, schloss die Halbinsel Zapata ein und umfasste praktisch das gesamte von der CIA als möglichen Operationsschauplatz für die Invasion ausgewählte Gebiet.

Gemäß den von der Kreisverwaltung von Aguada de Pasajeros 1960 zertifizierten Angaben verfügte dieses Gebiet in der damaligen Zeit über ca. 330.000 Hektar Anbaufläche, von denen nur ca. 3.600 Hektar, etwa 1,15% der gesamten Anbaufläche, in Händen von kleinen Landwirten waren. Diese hatten als Teilpächter, Pächter oder Siedler Anwesen, die 37 Hektar im Durchschnitt nicht überschritten.

DIE HERREN DER CIÉNAGA

Zwei Jahre vor der Söldnerinvasion begann die Revolution durch die Arbeit des Nationalinstituts der Bodenreform (INRA), das gerade angenommene Gesetz der Bodenreform umzusetzen, wodurch in dem Kreis 313.000 Hektar Land im Prozess der Enteignung waren. Sie waren, wie schon gesagt wurde, im Besitz von Großgrundbesitzern und ausländischen Unternehmen, viele von ihnen illegal registriert und andere dem staatlichen Vermögen der Halbinsel geraubt und würden den Bauern, den Kooperativen und staatlichen Farmen zugute kommen.

Aus den Angaben der Kreisverwaltung konnte man entnehmen, das unter den wichtigsten, durch das Gesetz der Bodenreform Betroffenen in diesem Gebiet folgende Unternehmen und Großgrundbesitzer mit über 13.000 Hektar Land hervorstachen:

Holzunternehmen Süden Kubas 27.000 Hektar

Erben von Pedro Vázquez 25.000 Hektar

Gregorio Escajedo (Fabrik Perseverancia) 24.300 Hektar

Falla Gutiérrez 15.500 Hektar

Familie Devesa 15.200 Hektar

Markgrafen von Yaguaramas 14.400 Hektar

José Castellanos 14.150 Hektar

Erben von Zayas-Bazán 14.100 Hektar

José Arias Pérez 13.200 Hektar

Dies waren einige der "durch die kommunistischen Gesetze der revolutionären Regierung im Kreis Aguada de Pasajeros betroffenen Bauern", auf die sich die imperialistische Propaganda bezog, die den Militärangriff Kubas befürwortete und rechtfertigte.

Für die Halbinsel Zapata entschied man sich bei der Auswahl des Ortes, wo die von der CIA organisierte Invasion stattfinden sollte.

Sie umfasste eine ausgedehnte Fläche zwischen der Bucht La Broa, im Westen, und Yaguaramas, im Osten. Der westliche Zugang verlief über Jagüey Grande mit einer kleinen Schmalspurbahn, Eigentum der Zuckerfabrik Australia, die nur in den Monaten der Trockenheit benutzt werden konnte und das Sumpfgebiet bis nach Playa Larga, an der Südküste, durchquerte. Der andere Zugang, aus dem Osten, ging von Covadonga aus, auch über eine nur in der Trockenzeit benutzbare schmale Eisenbahnlinie, die die Zuckerfabrik Covadonga mit dem Ort San Blas, an der Südküste des Sumpfgebiets, verband. Weiter östlich, schon im Gebiet von Cienfuegos, konnte man die Halbinsel, nur in den trockenen Monaten, über einen Weg erreichen, der von Yaguaramas ausging, sie an ihrer schmalsten Stelle durchquerte und den Ort und die Wegkreuzung San Blas erreichte.

Sich über deren Länge ausstreckend befindet sich im Zentrum der Halbinsel das Sumpfgebiet Ciénaga de Zapata, ein 195.000 Hektar großes Landgebiet, das den Raum zwischen der Nord- und der Südküste der Halbinsel füllt und vom Richtungswechsel des Flusses Hanábana überschwemmt wird. In dieser Ciénaga kämpften ca. 2.500 Einwohner um ihren Lebensunterhalt. Unter halb-sklavistischen Bedingungen stellten sie Holzkohle oder Eisenbahnbohlen her, sammelten Brennholz, waren gruppiert in Männergruppen oder Familien. Es gab deutliche Merkmale von Polyandrie, Analphabetismus, Armut und schlechten Gesundheitsbedingungen.

Dies war die geographisch-militärische und soziale Lage der Halbinsel Zapata vor dem Sieg der Revolution.

Zu dem Zeitpunkt, als der feindliche Geheimdienst die Zone als möglichen Schauplatz der Militäroperation untersuchte, hatte die Revolution über drei Dämme, die schon zu Landstraßen gemacht worden waren, Zugang zur Halbinsel geschaffen. Zwei durchquerten sie von Norden nach Süden und die andere, die entlang der Südküste verlief, verband diese.

Diese neuen Straßen hatten folgenden Verlauf:

- Von der Zuckerfabrik Australia über den Ort Pálpite nach Playa Larga, mit einer Länge von 31 km.

- Von der Zuckerfabrik Covadonga über den Ort und die Straßenkreuzung von San Blas nach Playa Girón, an der Südküste, mit einer Strecke von 36 km.

- Vom Ort Yaguaramas über die Südstrecke zur Straßenkreuzung von San Blas, mit einer Strecke von 30 km.

- Eine vierte Straße, diese auf festem Boden, verband, der Küstenlinie folgend, Playa Larga mit Playa Girón, mit einer Strecke von ca. 36 km.

Auf der Halbinsel waren von der Revolution schon zwei kleine Orte für die Köhler und Waldarbeiter erbaut worden, die dort vor dem Sieg der Revolution unter unwürdigsten Bedingungen wohnten:

- Cayo Ramona.

- Caletón de Buenaventura.

Drei touristische Einrichtungen waren fertiggestellt worden:

- Playa Larga.

- Playa Girón.

- Taino-Dorf (Schatzsee).

Der Flugplatz von Playa Girón war beendet worden.

Der Damm, der ausgehend von Caletón de Buenaventura die Ciénaga von Osten nach Westen bis zur Bucht la Broa durchqueren würde, befand sich im Bau. Er reichte bis zum Holzschlag El Maíz und gab Zugang zu mehreren Holzschlägen und Holzverarbeitungsplätzen, die früher isoliert waren.

Es ist relativ einfach, sich den beschriebenen Schauplatz als den Ort für eine Militäroperation mittleren Ausmaßes vorzustellen.

Alles schien ihnen anzudeuten, dass es dieses Gebiet des Landes war, wo die Operation, die vorbereitet wurde, die größten Erfolgsmöglichkeiten haben würde.

DIE CIA WÄHLTE DIE CIÉNAGA ALS IHR HAUPTSZENARIO

Seit der Invasionsplan zum Ende der Regierungszeit Eisenhowers angenommen worden war, arbeiteten die Spezialisten der CIA an den operativen Aspekten seiner Durchführung, sowohl im Ausland, als auch auf unserem Territorium. Zum Beispiel:

Die Untersuchungsabteilung des INRA, die von ehemaligen Offizieren der Diktatur geleitet wurde, die wegen ihrer besseren militärischen Ausbildung für die Ausführung dieser Aufgaben ausgesucht worden waren, schickte einen ihrer Beamten, den damaligen Hauptmann Erneido Oliva, er solle "die nicht korrekte Behandlung" untersuchen, die laut einer Anzeige des früheren Besitzers, des Großgrundbesitzers Gregorio Escajedo, seinen Rinderherden seitens des INRA zukam, die vom Chef der Entwicklungszone Halbinsel beschlagnahmt worden war. Diese "Untersuchung" erlaubte Oliva, drei Mal in das Gebiet zu fahren und sich wochenlang dort aufzuhalten, während er vortäuschte, Untersuchungen zu der erhaltenen Anzeige durchzuführen. Oliva desertierte und kehrte ein Jahr später als stellvertretender Chef der Söldnerexpedition zurück, die uns bei Playa Girón angriff.

Der Chef für Bautechnik der Bauobjekte in Playa Girón, Ingenieur Octavio Velozo de Armas, arbeitete anderthalb Jahre in dem Gebiet, ging aus dem Land und kehrte im April 61 als Mitglied der Ingenieurtruppen der Söldner zurück.

Es ist klar, dass die CIA im Stillen und getarnt eine sorgfältige Untersuchung des Gebiets durchgeführt hat, das schon für die Ausführung der geplanten "Operation Pluto" ausgewählt und genehmigt worden war.

Im Mai 1960 befanden wir uns auf einer Veranstaltung der Übergabe von Landeigentumsurkunden an Bauern der Entwicklungszone L.V.17, in Aguada de Pasajeros, einem von Kommandant Félix Torres geleiteten Festakt, als wir auf der Tribüne von einem Angehörigen der Rebellenarmee unterbrochen wurden, der uns informierte, dass es Nachrichten über eine feindliche Landung bei Playa Girón gab. Wir baten sofort den anwesenden Militärchef der Zone, sich mit dem Posten der Rebellenarmee in Covadonga in Verbindung zu setzen, und über diesen mit der Küstengarnison, und den Wahrheitsgehalt der erhaltenen Information zu überprüfen. Zwanzig Minuten später wurden wir informiert, dass die Nachricht falsch war.

Aber, wenn wir dieses Ereignis nach dem Söldnerangriff vom April 1961 analysieren, können wir davon ausgehen, dass es feindliche Aktivitäten in Vorbereitung der Invasion auf unserem Territorium gab und sich jene Episode möglicherweise durch eine Informationsflucht der Pläne der CIA ergeben hatte.

Inmitten der Ausführung der "Operation Pluto" beförderte die CIA eilig die Mitglieder der in den USA ansässigen konterrevolutionären Regierung zum US-Militärstützpunkt in Opa-Locka, um sie bereit zu haben zur Entsendung in das von den Söldnertruppen besetzte Gebiet, sobald sich dieses in den Händen der Invasionstruppen stabilisiert hätte. Es war der notwendige vorherige Schritt, um dann das Eingreifen der OAS und damit der US-Truppen zu beantragen.

In der Marionettenregierung, die auf ihre Beförderung in das Gebiet wartete, das die Söldnerkräfte einnehmen würden, befand sich, im Rang des Landwirtschaftsministers, der mächtige Großgrundbesitzer der von der CIA für die Invasion ausgewählten Operationszone, Gregorio Escajedo. Wir haben nicht erforschen können, ob einer der Herren Morales, Anwärter des Titels "Markgrafen von Yaguaramas", Eigentümer großer Ländereien im Süden der Provinzen Las Villas und Matanzas, ebenfalls der "Exilregierung" angehörte. Wenn es so gewesen wäre, hätte das ermöglicht, dass sich die Söldner in ihrem Triumphzug zur Hauptstadt des Landes mit Erlaubnis dieses Großgrundbesitzers ranziger Adligkeit ohne Schwierigkeiten durch sein "königliches Land" fortbewegt hätten, zumindest bis zum Ort Güines.

Wenn auch die von der CIA durchgeführte Analyse des Szenariums der Militäroperationen in der für die Invasion ausgesuchten Zone in den geographisch-militärischen Aspekten richtig war, hatte sie den Fehler, die soziale Situation falsch einzuschätzen und hinsichtlich der Antwort zu irren, die von der Bevölkerung der Ciénaga kommen würde. Fern davon, die Invasion zu unterstützen, wie der Geheimdienst versichert hatte, stand sie immer an der Seite der Revolution.

In diesem Gebiet hatte die Revolution vom Beginn der revolutionären Regierung an ihr größtes Werk vollbracht, um die Köhler und Waldarbeiter von der Hölle der Ausbeutung und Unwissenheit zu befreien, der sie die Großgrundbesitzer und Ausbeuter jahrelang unterworfen hatten, die sich illegal den Boden der Halbinsel Zapata angeeignet hatten.

(*) Der Autor war Leiter der Entwicklungszone Aguada de Pasajeros des Nationalinstituts der Bodenreform (INRA)
 

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