MIT Genehmigung des damaligen Präsidenten der
Vereinigten Staaten, General Ike Eisenhower,
entwarfen die Regierungsagenturen und speziell die
CIA im Rahmen der gegen die kubanische Revolution
gerichteten Strategie die Vorbereitung einer
Militäroperation, die die Konsolidierung einer "kommunistischen
Regierung" auf dem Hinterhof der USA verhindern
sollte.
Nach den am 17. März 1960 von Eisenhower
angenommenen Leitlinien der Nationalen Sicherheit
wurde begonnen, eine Aktion vorzubereiten, die dann
als "Operation Pluto" bekannt wurde. Diesen Namen
gab man der Vorbereitung und Ausführung der Invasion
der Söldnerbrigade 2506.
Eine wichtige Aufgabe war die Festlegung des
Ortes auf der Insel, wo man die Invasion mit
größtmöglicher Erfolgswahrscheinlichkeit durchführen
könnte, um einen Brückenkopf zu errichten und ihn
ausreichend lange zu halten, um die schon gebildete
konterrevolutionäre Regierung dorthin zu bringen und
die Anerkennung und Unterstützung der OAS zu
beantragen.
Bei der Auswahl des Invasionsortes gab es
verschiedene Varianten: die Pinieninsel (heute Insel
der Jugend), der extreme Westen der Provinz Pinar
del Río, die Stadt Trinidad im Süden Mittelkubas, im
Osten, die Stadt Baracoa, usw. Alle boten sowohl
günstige Merkmale für die konterrevolutionäre
Operation als auch nachteilige Situationen, die
eingeschätzt und abgewogen werden mussten.
Im Ergebnis der Untersuchungen wurde die
Möglichkeit in Betracht gezogen, die Südzone des
Zentralgebiets des Landes als Schauplatz der
Militäroperation, die man vorbereitete, auszuwählen.
Eine Rolle spielte dabei, dass sich dort die
Gebirgskette Escambray befand, wo von der CIA
bewaffnete konterrevolutionäre Gruppen stationiert
worden waren. Westlich dieses Berggebiets liegt die
Halbinsel Zapata, in deren Zentralregion sich das
Sumpfgebiet Ciénaga de Zapata erstreckt, ein sehr
schwer zugänglicher Ort zwischen dem Festland des
südlichen Mittelkubas und der Südküste der Halbinsel
Zapata.
In diesem weitläufigen Gebiet, das sich von
Jagüey Grande, im Westen, bis nach Cienfuegos, im
Osten, erstreckt, gab es riesige Zuckerrohr-,
Rinderzucht- und Forst-Latifundien. Letztere waren
wirtschaftlich mit der Ciénaga verbunden, indem sie
sie mit Holzkohle, Eisenbahnbohlen und Brennholz
versorgten.
Berühmt waren zum Beispiel die Besitztümer der
Herren Morales, "Markgrafen königlicher
Proklamation", im Gebiet bekannt als "die Markgrafen
von Yaguaramas", die stolz ihre Ländereien von
Cienfuegos bis Güines abfuhren; der Zuckerrohr- und
Rinderzuchtbesitz des Millionärs Gregorio Escajedo,
der Zuckerfabriken, ausgedehnte Zuckerrohrplantagen
und große wertvolle Rinderherden hatte und dazu dem
Hobby fröhnte, Böden der Nordküste der Ciénaga de
Zapata trockenzulegen und sich anzueignen; der
Forstbesitz des Rechtsanwalts Castellanos, der mit
Führern der Batista-Armee in Verbindung stand und
der außerdem seinen launigen Willen durchsetzte,
dass auf seinen 13.728 Hektar Land nur ledige Bauern
wohnen durften; die Erben von Pedro Vázquez; die
Brüder Fernández mit ihrem Holzunternehmen Süden
Kubas, Besitzer großer Anbauflächen und Wälder auf
der Halbinsel, wo sie außer dem Holzschlag für die
Herstellung von Holzkohle, Eisenbahnbohlen und
Brennholz auch die Anlagen, Geräte und
Transportmittel besaßen, einschließlich des Schoners
La Víbora, das einzige Wasserfahrzeug auf der
Halbinsel, mit dem man auf dem Fluss Hatiguanico und
seinen Nebenflüssen Gonzalo und Rojo in das
Sumpfgebiet gelangte und es wieder verließ.
Der Kreis Aguada de Pasajeros, der gemäß der
damals gültigen politisch-administrativen Aufteilung
der größte des Landes war, schloss die Halbinsel
Zapata ein und umfasste praktisch das gesamte von
der CIA als möglichen Operationsschauplatz für die
Invasion ausgewählte Gebiet.
Gemäß den von der Kreisverwaltung von Aguada de
Pasajeros 1960 zertifizierten Angaben verfügte
dieses Gebiet in der damaligen Zeit über ca. 330.000
Hektar Anbaufläche, von denen nur ca. 3.600 Hektar,
etwa 1,15% der gesamten Anbaufläche, in Händen von
kleinen Landwirten waren. Diese hatten als
Teilpächter, Pächter oder Siedler Anwesen, die 37
Hektar im Durchschnitt nicht überschritten.
DIE HERREN DER CIÉNAGA
Zwei Jahre vor der Söldnerinvasion begann die
Revolution durch die Arbeit des Nationalinstituts
der Bodenreform (INRA), das gerade angenommene
Gesetz der Bodenreform umzusetzen, wodurch in dem
Kreis 313.000 Hektar Land im Prozess der Enteignung
waren. Sie waren, wie schon gesagt wurde, im Besitz
von Großgrundbesitzern und ausländischen Unternehmen,
viele von ihnen illegal registriert und andere dem
staatlichen Vermögen der Halbinsel geraubt und
würden den Bauern, den Kooperativen und staatlichen
Farmen zugute kommen.
Aus den Angaben der Kreisverwaltung konnte man
entnehmen, das unter den wichtigsten, durch das
Gesetz der Bodenreform Betroffenen in diesem Gebiet
folgende Unternehmen und Großgrundbesitzer mit über
13.000 Hektar Land hervorstachen:
Holzunternehmen Süden Kubas 27.000 Hektar
Erben von Pedro Vázquez 25.000 Hektar
Gregorio Escajedo (Fabrik Perseverancia) 24.300
Hektar
Falla Gutiérrez 15.500 Hektar
Familie Devesa 15.200 Hektar
Markgrafen von Yaguaramas 14.400 Hektar
José Castellanos 14.150 Hektar
Erben von Zayas-Bazán 14.100 Hektar
José Arias Pérez 13.200 Hektar
Dies waren einige der "durch die kommunistischen
Gesetze der revolutionären Regierung im Kreis Aguada
de Pasajeros betroffenen Bauern", auf die sich die
imperialistische Propaganda bezog, die den
Militärangriff Kubas befürwortete und rechtfertigte.
Für die Halbinsel Zapata entschied man sich bei
der Auswahl des Ortes, wo die von der CIA
organisierte Invasion stattfinden sollte.
Sie umfasste eine ausgedehnte Fläche zwischen der
Bucht La Broa, im Westen, und Yaguaramas, im Osten.
Der westliche Zugang verlief über Jagüey Grande mit
einer kleinen Schmalspurbahn, Eigentum der
Zuckerfabrik Australia, die nur in den Monaten der
Trockenheit benutzt werden konnte und das
Sumpfgebiet bis nach Playa Larga, an der Südküste,
durchquerte. Der andere Zugang, aus dem Osten, ging
von Covadonga aus, auch über eine nur in der
Trockenzeit benutzbare schmale Eisenbahnlinie, die
die Zuckerfabrik Covadonga mit dem Ort San Blas, an
der Südküste des Sumpfgebiets, verband. Weiter
östlich, schon im Gebiet von Cienfuegos, konnte man
die Halbinsel, nur in den trockenen Monaten, über
einen Weg erreichen, der von Yaguaramas ausging, sie
an ihrer schmalsten Stelle durchquerte und den Ort
und die Wegkreuzung San Blas erreichte.
Sich über deren Länge ausstreckend befindet sich
im Zentrum der Halbinsel das Sumpfgebiet Ciénaga de
Zapata, ein 195.000 Hektar großes Landgebiet, das
den Raum zwischen der Nord- und der Südküste der
Halbinsel füllt und vom Richtungswechsel des Flusses
Hanábana überschwemmt wird. In dieser Ciénaga
kämpften ca. 2.500 Einwohner um ihren
Lebensunterhalt. Unter halb-sklavistischen
Bedingungen stellten sie Holzkohle oder
Eisenbahnbohlen her, sammelten Brennholz, waren
gruppiert in Männergruppen oder Familien. Es gab
deutliche Merkmale von Polyandrie, Analphabetismus,
Armut und schlechten Gesundheitsbedingungen.
Dies war die geographisch-militärische und
soziale Lage der Halbinsel Zapata vor dem Sieg der
Revolution.
Zu dem Zeitpunkt, als der feindliche Geheimdienst
die Zone als möglichen Schauplatz der
Militäroperation untersuchte, hatte die Revolution
über drei Dämme, die schon zu Landstraßen gemacht
worden waren, Zugang zur Halbinsel geschaffen. Zwei
durchquerten sie von Norden nach Süden und die
andere, die entlang der Südküste verlief, verband
diese.
Diese neuen Straßen hatten folgenden Verlauf:
- Von der Zuckerfabrik Australia über den Ort
Pálpite nach Playa Larga, mit einer Länge von 31 km.
- Von der Zuckerfabrik Covadonga über den Ort und
die Straßenkreuzung von San Blas nach Playa Girón,
an der Südküste, mit einer Strecke von 36 km.
- Vom Ort Yaguaramas über die Südstrecke zur
Straßenkreuzung von San Blas, mit einer Strecke von
30 km.
- Eine vierte Straße, diese auf festem Boden,
verband, der Küstenlinie folgend, Playa Larga mit
Playa Girón, mit einer Strecke von ca. 36 km.
Auf der Halbinsel waren von der Revolution schon
zwei kleine Orte für die Köhler und Waldarbeiter
erbaut worden, die dort vor dem Sieg der Revolution
unter unwürdigsten Bedingungen wohnten:
- Cayo Ramona.
- Caletón de Buenaventura.
Drei touristische Einrichtungen waren
fertiggestellt worden:
- Playa Larga.
- Playa Girón.
- Taino-Dorf (Schatzsee).
Der Flugplatz von Playa Girón war beendet worden.
Der Damm, der ausgehend von Caletón de
Buenaventura die Ciénaga von Osten nach Westen bis
zur Bucht la Broa durchqueren würde, befand sich im
Bau. Er reichte bis zum Holzschlag El Maíz und gab
Zugang zu mehreren Holzschlägen und
Holzverarbeitungsplätzen, die früher isoliert waren.
Es ist relativ einfach, sich den beschriebenen
Schauplatz als den Ort für eine Militäroperation
mittleren Ausmaßes vorzustellen.
Alles schien ihnen anzudeuten, dass es dieses
Gebiet des Landes war, wo die Operation, die
vorbereitet wurde, die größten Erfolgsmöglichkeiten
haben würde.
DIE CIA WÄHLTE DIE CIÉNAGA ALS IHR
HAUPTSZENARIO
Seit der Invasionsplan zum Ende der
Regierungszeit Eisenhowers angenommen worden war,
arbeiteten die Spezialisten der CIA an den
operativen Aspekten seiner Durchführung, sowohl im
Ausland, als auch auf unserem Territorium. Zum
Beispiel:
Die Untersuchungsabteilung des INRA, die von
ehemaligen Offizieren der Diktatur geleitet wurde,
die wegen ihrer besseren militärischen Ausbildung
für die Ausführung dieser Aufgaben ausgesucht worden
waren, schickte einen ihrer Beamten, den damaligen
Hauptmann Erneido Oliva, er solle "die nicht
korrekte Behandlung" untersuchen, die laut einer
Anzeige des früheren Besitzers, des
Großgrundbesitzers Gregorio Escajedo, seinen
Rinderherden seitens des INRA zukam, die vom Chef
der Entwicklungszone Halbinsel beschlagnahmt worden
war. Diese "Untersuchung" erlaubte Oliva, drei Mal
in das Gebiet zu fahren und sich wochenlang dort
aufzuhalten, während er vortäuschte, Untersuchungen
zu der erhaltenen Anzeige durchzuführen. Oliva
desertierte und kehrte ein Jahr später als
stellvertretender Chef der Söldnerexpedition zurück,
die uns bei Playa Girón angriff.
Der Chef für Bautechnik der Bauobjekte in Playa
Girón, Ingenieur Octavio Velozo de Armas, arbeitete
anderthalb Jahre in dem Gebiet, ging aus dem Land
und kehrte im April 61 als Mitglied der
Ingenieurtruppen der Söldner zurück.
Es ist klar, dass die CIA im Stillen und getarnt
eine sorgfältige Untersuchung des Gebiets
durchgeführt hat, das schon für die Ausführung der
geplanten "Operation Pluto" ausgewählt und genehmigt
worden war.
Im Mai 1960 befanden wir uns auf einer
Veranstaltung der Übergabe von Landeigentumsurkunden
an Bauern der Entwicklungszone L.V.17, in Aguada de
Pasajeros, einem von Kommandant Félix Torres
geleiteten Festakt, als wir auf der Tribüne von
einem Angehörigen der Rebellenarmee unterbrochen
wurden, der uns informierte, dass es Nachrichten
über eine feindliche Landung bei Playa Girón gab.
Wir baten sofort den anwesenden Militärchef der
Zone, sich mit dem Posten der Rebellenarmee in
Covadonga in Verbindung zu setzen, und über diesen
mit der Küstengarnison, und den Wahrheitsgehalt der
erhaltenen Information zu überprüfen. Zwanzig
Minuten später wurden wir informiert, dass die
Nachricht falsch war.
Aber, wenn wir dieses Ereignis nach dem
Söldnerangriff vom April 1961 analysieren, können
wir davon ausgehen, dass es feindliche Aktivitäten
in Vorbereitung der Invasion auf unserem Territorium
gab und sich jene Episode möglicherweise durch eine
Informationsflucht der Pläne der CIA ergeben hatte.
Inmitten der Ausführung der "Operation Pluto"
beförderte die CIA eilig die Mitglieder der in den
USA ansässigen konterrevolutionären Regierung zum
US-Militärstützpunkt in Opa-Locka, um sie bereit zu
haben zur Entsendung in das von den Söldnertruppen
besetzte Gebiet, sobald sich dieses in den Händen
der Invasionstruppen stabilisiert hätte. Es war der
notwendige vorherige Schritt, um dann das Eingreifen
der OAS und damit der US-Truppen zu beantragen.
In der Marionettenregierung, die auf ihre
Beförderung in das Gebiet wartete, das die
Söldnerkräfte einnehmen würden, befand sich, im Rang
des Landwirtschaftsministers, der mächtige
Großgrundbesitzer der von der CIA für die Invasion
ausgewählten Operationszone, Gregorio Escajedo. Wir
haben nicht erforschen können, ob einer der Herren
Morales, Anwärter des Titels "Markgrafen von
Yaguaramas", Eigentümer großer Ländereien im Süden
der Provinzen Las Villas und Matanzas, ebenfalls der
"Exilregierung" angehörte. Wenn es so gewesen wäre,
hätte das ermöglicht, dass sich die Söldner in ihrem
Triumphzug zur Hauptstadt des Landes mit Erlaubnis
dieses Großgrundbesitzers ranziger Adligkeit ohne
Schwierigkeiten durch sein "königliches Land"
fortbewegt hätten, zumindest bis zum Ort Güines.
Wenn auch die von der CIA durchgeführte Analyse
des Szenariums der Militäroperationen in der für die
Invasion ausgesuchten Zone in den geographisch-militärischen
Aspekten richtig war, hatte sie den Fehler, die
soziale Situation falsch einzuschätzen und
hinsichtlich der Antwort zu irren, die von der
Bevölkerung der Ciénaga kommen würde. Fern davon,
die Invasion zu unterstützen, wie der Geheimdienst
versichert hatte, stand sie immer an der Seite der
Revolution.
In diesem Gebiet hatte die Revolution vom Beginn
der revolutionären Regierung an ihr größtes Werk
vollbracht, um die Köhler und Waldarbeiter von der
Hölle der Ausbeutung und Unwissenheit zu befreien,
der sie die Großgrundbesitzer und Ausbeuter
jahrelang unterworfen hatten, die sich illegal den
Boden der Halbinsel Zapata angeeignet hatten.