Politische Gefangene des Imperiums MIAMI 5       

     

K U B A

Havanna, 24. Oktober  2011

 

AUS DER AUSLÄNDISCHEN PRESSE
Adriana Pérez: „Wir erhalten die Hoffnung aufrecht, dass sie zurückkehren"

Guillermo Nova (*)

DAS Leben ihres Ehemannes, Gerardo Hernández, hat alle Zutaten eines Films. Er ließ seine Familie und seine Arbeit zurück und schleuste sich unter falschem Namen in terroristische Gruppen ein, um Gewaltaktionen gegen die kubanische Bevölkerung zu verhindern. Ein Nobelpreisträger, Gabriel García Márquez, übergab Präsident Clinton einen Brief von Fidel Castro, der vor diesen von Florido ausgehenden Aktivitäten warnte. Informiert von dem Fall beschloss das FBI, fünf Kubaner festzunehmen, die Information über diese Gruppen wie "Brothers to the Rescue" sammelten und Gerardo wurde von einem Gericht in Miami zu zwei lebenslangen Haftstrafen verurteilt.

Aber sein Fall ist so real, wie das Leben selbst. Adriana ist bestimmt, als sie das Thema erklärt, aber die Stimme ist bewegt, als sie an den Mann erinnert, der hinter dem Helden steckt. Als wir uns verabschieden, sagt sie mir lächelnd: „Wenn du das Interview einem Presseorgan in den USA schickst, glaubst du, sie veröffentlichen es?"

Sie glauben, die Urteile gegen Ihre Männer sind eine Prämie, die man der Castro-feindlichen Kolonie in Florida geben wollte?

Wir sind uns dessen sicher, denn in den Vereinigten Staaten wurden sogar geständige Spione ausgetauscht oder ausgewiesen oder sie haben wesentlich niedrigere Strafen verbüßt, als die, die unsere Männer haben. Ihre Strafen sind dazu da, einem Ansuchen der kubanisch-US-amerikanischen Kongressabgeordneten aus Florida nachzukommen, die immer an der Seite dieser blutrünstigen Organisationen gestanden haben und wollten, dass die US-Regierung Repressalien gegen sie unternimmt.

Warum dieser Unterschied bei der Behandlung?

Weil es eindeutig ein politisches Verfahren ist, weil sie Kubaner sind, weil der Prozess in Miami stattfand. Man hatte beantragt, den Ort zu wechseln, und es wurde nicht erlaubt, was ein Zeichen dafür ist, dass diese Festnahme dazu diente, dem gesamten Druck der Exilgemeinschaft von Miami gerecht zu werden.

Wenn Sie ihn als politischen Prozess einstufen, meinen Sie, dass er einen politischen Ausweg haben müsste?

Anfänglich vertrauten wir darauf, dass in irgendeinem Teil des US-amerikanischen Justizsystems Gerechtigkeit geübt werden könnte, aber dreizehn Jahre lang haben wir, unter anderem, Anklagen ohne Beweise und Gerichte unter Druck erlebt, und eine Presse, die gekauft wurde, um gegnerisch zu informieren, und nach dreizehn Jahren haben wir alle rechtlichen Mittel erschöpft.

Die Verteidigung von Gerardo Hernández hat eine Habeas Corpus-Prüfung beantragt, was will man konkret?

Wir erachten die 2006 von der The New York Times offengelegte Tatsache, dass die US-Regierung Journalisten bezahlte, die den Fall verfolgten, damit sie gegen die Fünf schrieben und die Atmosphäre noch weiter vergifteten und das Gericht beeinflussten, als einen neuen Beweis. Aber außerdem hatte die Verteidigung von Gerardo nicht alle technischen Elemente zur Verfügung, wie zum Beispiel die Radardaten der USA, die beweisen können, dass er in keiner Verbindung mit dem Abschuss der Kleinflugzeuge von "Brothers to the Rescue" steht, der 1996 über kubanischen Hoheitsgewässern erfolgte, nachdem Kuba in 26 diplomatischen Noten der US-Regierung mitgeteilt hatte, dass Kleinflugzeuge dieser Organisation unser Territorium verletzten.

Wie wurde der Fall von den verschiedenen Regierungen der USA behandelt?

Es hat drei Administrationen gegeben. Die von Clinton war die, die sie festgenommen hat. Sie hätte sie ausweisen können. Dann kam die von Bush, wo sich alles verschärfte, rechtlich wie politisch, es gab keinerlei Annäherung der Haltungen. Und dann die Administration von Obama, die dem Problem keinerlei Lösung gegeben hat.

In diesen dreizehn Jahren haben Sie Ihren Mann sehen können?

In der ganzen Zeit hat die US-Regierung Olga, der Frau von René, und mir immer wieder das Visum verweigert, das wir brauchen, um sie besuchen zu können. Dem Gesetz nach haben wir wie alle Angehörigen von Gefangenen monatlich ein Recht darauf, und wir haben dieses Recht gefordert.

Seitens der USA wird die kubanische Regierung angeklagt, den Fall der Fünf zu benutzen, den bilateralen Konflikt anzuheizen oder interne Probleme zu verstecken.

Der Konflikt zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten ist über 50 Jahre alt. Deshalb haben wir eine Revolution gemacht, weil wir schon einen Konflikt mit ihnen hatten. Aber es sei klargestellt, dass den Fall nicht wir, die Kubaner, politisiert haben, sondern die US-amerikanische Presse und die Rechtssprechung der USA. Wir haben die USA nicht angegriffen, wir haben keine Blockade gegen sie errichtet, wir ergreifen keine Maßnahmen gegen ihr Volk. Wer macht also politische Kampagne? Wir, die Kubaner, wenn das einzige, was wir wollen, ist, in Frieden zu leben?

Ihr Mann gilt für das Volk Kubas als Held. Wie kommt man damit zurecht, die Frau eines Helden zu sein?

Der persönliche Teil ist der schwierigste für uns, vom privaten Gesichtspunkt aus sind es die Helden unseres Lebens, für mich ist Gerardo ein Mann mit vielen Tugenden und Werten, in den ich mich verliebte und in den ich weiterhin verliebt bin, den ich sehr achte für das, was er getan hat, aber in unserem täglichen Leben sind die Wunde offen, denn in einer Situation wie dieser zu sein, ist sehr hart. Es gibt Momente großer Verzweiflung, in denen du schwach wirst, aber nicht nachgibst.

Woher nehmen Sie die Kraft?

Ich kann nicht sagen, dass die Kräfte wie aus einer Quelle fließen, aber man denkt an sie, wenn sie den harten Bedingungen im Gefängnis standgehalten haben, der Tatsache, dass wir uns jahrelang nicht sehen konnten, wenn sie dem Druck standgehalten haben, wenn sie Teil ihrer Jugend verloren haben, wie soll man dann nicht standhalten? Aber außerdem gibt es eine Ausgewogenheit zwischen Liebe und Pflicht, nicht der banal oder oberflächlichen, sondern da ist der Umstand, dass du teilst, was sie taten, weil sie nicht anders sind als der Rest der Kubaner. Hier können wir kritisieren, was uns nicht gefällt, aber wenn es darauf ankommt, hält dieses Volk zusammen.

Denken Sie daran, wie das Leben sein wird, wenn Sie zusammen sein werden?

Das zu verneinen wäre gelogen, denn es ist die Hoffnung, mit der man lebt. Deshalb erhält man sich die Illusionen. Pläne haben wir viele. Erstens wollen wir versuchen, alles zu vergessen, was wir erlebt haben, wollen wir versuchen, die Wunden zu heilen und zu schließen. Wir haben gelernt, andere Dinge zu schätzen, und wir wissen, dass wir nicht allein sind. Was wir getan haben, hatte einen hohen Kosten für unser Leben, aber es hat die Mühe gelohnt. Deshalb erhalten wir die Hoffnung aufrecht, dass sie zurückkehren, denn sie können uns nicht die Möglichkeit nehmen, von einer besseren Zukunft zu träumen. Sie können uns nicht unsere Sehnsucht nach Glück nehmen, und deshalb kämpfen wir jeden Tag. (Entnommen aus La República)

(*) Spanischer Journalist
 

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